Interview

Claudia Koreck: "Die Nostalgie hat mich im Griff"

Die bayerische Singer-Songwriterin Claudia Koreck hat nach "Perlen getaucht" und ist in den verschiedensten Gewässern fündig geworden.
von  Michael Fuchs-Gamböck
Diesmal ist nix selbstgebastelt, wie es hier den Anschein hat. Dafür gießt Claudia Koreck mal wieder viel Herzblut in die Songs, die sie covert.
Diesmal ist nix selbstgebastelt, wie es hier den Anschein hat. Dafür gießt Claudia Koreck mal wieder viel Herzblut in die Songs, die sie covert. © Lena Semmelroggen

Wieder einmal überrascht Claudia Koreck: Auf ihrem neuen Album "Perlentaucherin" sind zwölf Coverversionen von Künstlern zu finden, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Die Ärzte einerseits, Udo Jürgens andererseits. Hier Rammstein, da Reinhard Mey. Das alles wird zusammengehalten von "Klautsch" Koreck, die Evergreens wie Nenas "Irgendwie Irgendwo Irgendwann", Falcos "Rock Me Amadeus" oder "Mensch" von Herbert Grönemeyer in ihren eigenen Kontext stellt. Nun hofft Koreck, dass sie bald wieder dahin stiefeln darf, wo sie sich "wie zu Hause" fühlt: auf eine Bühne, um live zu spielen.

AZ: Das ist ja ein wilder Stilmix aus Interpreten, deren Lieder Sie sich zum Covern vorgenommen haben. Sind diese Musiker allesamt Helden von Ihnen?
CLAUDIA KORECK: Mir ist klar, dass diese Auswahl eigentlich nicht zusammen passt. Aber gut, in meinem Kopf passt auch nicht immer alles zusammen. Ich höre jedenfalls seit meiner Kindheit die unterschiedlichsten Genres. Ob ein Lied von Udo Jürgens oder Rammstein kommt, ist mir wurscht - solange es mich berührt. Unter diesem Aspekt fand die Auswahl statt.

"Element Of Crime sind mir zuvorgekommen"

Es gibt demnach zu allen zwölf Covers eine Verbindung?
Ja, ich habe einen Draht zu Ihnen. Wenngleich zu jedem einzelnen einen sehr Unterschiedlichen. Aber ohne Emotion für ein Lied kann ich es auch nicht überzeugend interpretieren.

Wie kam es zum Albumtitel "Perlentaucherin"?
Ich habe lange danach gesucht. Zunächst hatte ich vor, die Platte "Unter fremden Federn" zu nennen. Doch da waren mir Element Of Crime mit ihrer "Fremde Federn"-Coverplatte zuvorgekommen. Also habe ich Austern geknackt und Perlen daraus gefischt.

Ziemlich melancholische Perlen, nicht wahr?
Das stimmt! Aber Melancholie ist seit jeher Teil meines Charakters. Das lähmende Corona-Virus hat diese Seite vermutlich noch mehr aus mir hervorgebracht. Wobei ich meist ein fröhlicher Mensch bin. Dafür sorgen schon meine zwei Kinder. Die haben keine Lust auf eine dauer-depressive Mama.

Warum bei aller Lebensfreude dennoch ein so ruhiges Werk?
Mein Produzent und Gatte Gunnar, wir waren uns rasch einig, dass sich durch das gesamte Ding eine sehnsüchtige Atmosphäre ziehen soll. Dadurch haben wir dem Projekt einen ureigenen Charakter verliehen.

"Herbert Grönemeyer hat sich wohlwollend geäußert"

Kennen Sie den einen oder anderen Künstler, dessen Stück Sie interpretiert haben?
Sportfreunde Stiller kenne ich persönlich. Deren Reaktion auf mein Lied war super-positiv! Auch Herbert Grönemeyer hat sich schriftlich wohlwollend geäußert, was mich sehr gefreut hat. Ansonsten ist mir klar, dass ich mich bei einigen eigentlich unantastbaren Songs bedient habe. Doch da ich eine andere Perspektive darauf habe, kannte ich keine Scheu, mich trotzdem daran zu versuchen.

Hatte Corona irgendwelchen Einfluss auf die Produktion von "Perlentaucherin"?
Ich habe beim Aufnehmen so gut als möglich versucht, die Existenz dieses Virus auszublenden. Stattdessen hat mich die Nostalgie im Griff gehabt. Also die Sehnsucht nach früheren, irgendwie leichtherzigeren Zeiten.

Ist diese Scheibe eine Art Interims-Schritt zum nächsten Studioalbum - oder ein vollwertiges Claudia Koreck-Ding?
Unbedingt Letzteres! Ich mag vielleicht die Texte nicht selbst geschrieben und sie auch nicht verändert haben. Aber ich habe mein ganzes Herzblut in die Interpretationen dieser Stücke gesteckt.


Claudia Koreck: "Perlentaucherin" (Universal)