Beethovens Neunte in der Isarphilharmonie: Überzeugende Skizze

Antonello Manacorda dirigiert den Philharmonischen Chor und die Münchner Philharmonikern.
von  Robert Braunmüller
Gastdirigent in München: Antonello Manacorda.
Gastdirigent in München: Antonello Manacorda. © Nikolaj Lund

Als Finale dieses unerfreulichen Musik-Jahres ist die Neunte noch erfreulicher als sonst, zumal in der Isarphilharmonie, deren Akustik Chorwerke begünstigt. Sie klingen nicht einfach nur nach Masse wie im Gasteig: Im neuen Saal haben die vier Stimmlagen auch eine eigene Farbe, was den Reiz der fugierten Passagen des Finales beträchtlich steigert.

Ein Dirigent mit besonderem Stil

Dazu hatten sich die Münchner Philharmoniker und der Philharmonische Chor durch die Wahl des Dirigenten etwas Besonderes vorgenommen: Antonello Manacorda steht für einen schlanken, historisch informierten Stil mit schnellen Tempi und einem eher hellen, bläserbetonten Klang, der nicht unbedingt im Gencode der beiden Klangkörper festgelegt wurde.

Manacorda betonte Beethovens Brio, er drängte vorwärts. Manches kam sehr schön heraus, etwa das durch die Bläser wandernde Hauptthema am Ende des ersten Satzes.

Das letzte Bisschen fehlte

Aber es fielen auch eine Menge Späne. Der Klang blieb lange faserig, bis weit in den langsamen Satz hinein hatte die erste der beiden Aufführungen Züge einer Generalprobe, der ein letzter Schliff fehlte.

Aber das sonst oft in erhabener Langeweile ersterbende Adagio bekam, von falscher Feierlichkeit befreit, den Charakter eines humanen, auf das Finale vorausweisenden Gesangs.

Der Philharmonische Chor wird unterschätzt

Im Finale hatte der (zu Unrecht) immer etwas im Schatten des BR-Chores stehende Philharmonische Chor einen großen Auftritt: Die exponierten Stellen klangen schön und unforciert ekstatisch, alles Massive blieb trotzdem durchhörbar wie ein Streichquartett.

Die Solisten Lenneke Ruiten, Idunnu Münch, Pavel Cernoch schlugen sich wacker, der Bassist Brian Mulligan könnte von der sauberen Artikulation des von Andreas Herrmann einstudierten Chores noch einiges lernen.

Das solistische Lob der Brüderlichkeit wackelte ziemlich, ehe der Dirigent den Schluss noch einmal steigerte, ohne ihn zu übersteuern.

Sie sollten es nochmal wagen

Es wurde deutlich, was Manacorda wollte und was er kann. Aber vieles blieb eine Skizze. Die überzeugte allerdings so sehr, dass es wünschenswert wäre, alle Beteiligten würden mit mehr Zeit einen Versuch mit der zuletzt in München von sehr berühmten Namen in den Sand gesetzten "Missa solemnis" wagen.

Denn die akustisch herausragende Isarphilharmonie ist eine Chance für den Philharmonischen Chor, die nicht so schnell wiederkehrt.