In die Gegenwart geholt: NS-Dokuzentrum zeigt Illustrationen zu "On Tyranny"

20 Gebote gegen die Tyrannei: Das NS-Dokuzentrum zeigt Nora Krugs Illustrationen zu Timothy Snyders Band "On Tyranny".
von  Roberta De Righi
Aus dem Buch "Über Tyrannei. Illustrierte Ausgabe. Zwanzig Lektionen für den Widerstand." von Timothy Snyder (Text) und Nora Krug (Illustration).
Aus dem Buch "Über Tyrannei. Illustrierte Ausgabe. Zwanzig Lektionen für den Widerstand." von Timothy Snyder (Text) und Nora Krug (Illustration). © C.H. Beck Verlag

München - Nimm dich in Acht vor Paramilitärs. Frage nach und überprüfe. Achte auf gefährliche Wörter." Als Timothy Snyders Buch "On Tyranny" mit seinen "20 Lektionen für den Widerstand" in den USA herauskam, war Donald Trump gerade Präsident geworden. Snyder, der Geschichte in Yale lehrt, verarbeitete darin seine Beobachtungen aus dessen skrupellos-populistischen Wahlkampf.

Nora Krugs Illustrationen erscheinen im C.H. Beck Verlag 

Seine Warnung vor den Mechanismen bei der Entstehung totalitärer Regime basiert auf den historischen Erkenntnissen über das Dritte Reich ebenso wie zum Stalinismus, war eine direkte Trump-Kritik und wurde in den USA zum Bestseller. Jetzt erscheinen die konstruktiven Vorschläge zur Vermeidung von Diktaturen in einer von Nora Krug illustrierten Ausgabe im C.H. Beck Verlag (128 Seiten, 20 Euro).

Parallel präsentiert das NS-Dokumentationszentrum dazu Snyders Gebote und Krugs graphische Umsetzung in 20 mit Originalzeichnungen und -dokumenten ergänzten "Buch"-Stationen, die sich durch alle vier Stockwerke ziehen. Da wird etwa die erste Maxime "Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam" in direkten Ortsbezug und in den Kontext von "Sterben für Führer und Partei" gesetzt: zum "Märtyrerkult" der Ehrentempel am Königsplatz für die 1923 beim Marsch auf die Feldherrnhalle getöteten NS-"Blutzeugen der Bewegung".

Karlsruherin Krug wohnt in New York

Nora Krug ist 1977 in Karlsruhe geboren und längst in New York zuhause, wo sie an der Parsons School of Design lehrt und für die New York Times arbeitet. Sie setzt Snyders 20 Gebote in eindrückliche Zeichnungen um und denkt sie - auf aktuelle Ereignisse wie Europas Umgang mit Flüchtenden bezogen - weiter.

Timothy Snyder gibt vor allem im zwischenmenschlichen Bereich konkrete Handlungsanweisungen. Der 12. Grundsatz lautet etwa "Nimm Blickkontakt auf und unterhalte dich mit Anderen". In der Ausstellung flankiert er die Schautafel zum Thema "Wegschauen, Zuschauen, Mitmachen", die das Verhalten der Münchner bei den gewalttätigen Übergriffen gegen jüdische Mitbürger und Andersdenkende dokumentiert.

Im 18. Kapitel "Bleib ruhig, wenn das Undenkbare eintritt" wiederum blickt man auf eine kolorierte Fotografie des 1933 als Reichstagsbrandstifters verhafteten Marinus van der Lubbe. Nebenan sieht man jubelnde Münchner beim "Gautag" 1932 mit Hitler, Himmler und Röhm. Und wenn neben einer Video-Projektion zu Persönlichkeiten des Münchner Widerstands gegen das NS-Regime (neben Georg Elser und Pater Rupert Mayer etwa die Sozialdemokraten Lotte und Gottlieb Branz und die Kommunisten Margot und Ludwig Linsert) das herausfordernd formulierte 19. Motto "Sei patriotisch" steht - wird umso klarer, dass dies natürlich nicht dumpf nationalistisch, sondern patriotisch im besten Sinne meint.

Für Besucher, die zum ersten Mal in der im Detail wie in der Übersicht umfassenden Dauerausstellung sind, ist das mitunter Zuviel des Guten. Doch wer es schafft, sich darauf einzulassen, findet lauter erhellende Bezüge: Die Einbindung in die Dauerausstellung durch Kuratorin Karolina Kühn ist ästhetisch und inhaltlich überzeugend gelungen.


NS-Dokuzentrum, bis 30. Januar, Di - So 10 bis 19 Uhr, Eintritt frei