"The Forest": Geisterbahntricks

„The Forest“: Ein guter Grundstoff mit Horrorpotenzial versackt belanglos.
von  Florian Koch

Wer sich als abgebrühter Jugendlicher gruseln will, sollte im Wald zelten gehen. Jedes Knacken, Schaben oder Rascheln wirkt hier doppelt intensiv. Auch im Horrorfilm „The Forest“ lässt sich die Hauptfigur Sara auf diese Natur-Erfahrung ein.

Nur wird ihre und die Angst des Zuschauers dadurch potenziert, dass sie sich im japanischen Aokigahara befindet, besser bekannt als „Selbstmordwald“. Gefährliche Gespenster sollen hier ihr Unwesen treiben, und diejenigen zum Suizid verführen, die ohnehin schon labil sind.

Diese schaurige Prämisse schreit förmlich nach einem cineastischen Nägelkauer. Warum „The Forest“ am Ende doch so uninspiriert daherkommt wie ein aufgeforsteter Fichtenwald, liegt am hanebüchenen Drehbuch und einer schwachen Besetzung.

Sara (Natalie Dormer) bricht Hals über Kopf und mit einem Rucksack an Vorurteilen nach Japan auf, um ihre Zwillingsschwester Jess zu suchen. Die ist nach einem traumatischen Kindheitserlebnis immer noch selbstmordgefährdet und im Aokigahara verschollen. Wenig überraschend lernt Sara bei ihrer Mission nicht nur die Geheimnisse des Spukwaldes, sondern noch einen aufdringlichen, aber zu allem bereiten Beau (Taylor Kinney) kennen.

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Als sich die beiden auf ihrem Trip belauern, verirren und beschimpfen, gelingt es Erstlingsregisseur Jason Zada kurzzeitig, die Psycho-Spannungskurve anzuziehen. Doch bald verliert sich dieser Storyfaden wieder, werden billige Gruseleffekte ausgepackt.

„The Forest“ scheitert am Ende aber nicht nur an diesen unblutigen Geisterbahntricks und einer tumben Auflösung, sondern auch an Hauptdarstellerin Natalie Dormer. Die wird nach starken Auftritten in „Game of Thrones“ und „The Tudors“ zwar als neuer Star gehandelt, stapft aber zumeist so missmutig-überheblich durch den Wald, als würde sie gar nicht mehr an den Überlebenswillen ihrer Schwester glauben.   


Kino: Mathäser, R: Jason Zada (USA, 93 Min.)