"Jim Knopf und die Wilde 13": Spektakuläres Säbelgerassel

"Jim Knopf und die Wilde 13" ist ein geradliniges Jungs-Abenteuer für Kinder im Grundschulalter.
von  Florian Koch
Henning Baum (rechts) als Lokführer Lukas und Solomon Gordon als Jim Knopf in einer Szene des Films "Jim Knopf und die Wilde 13"
Henning Baum (rechts) als Lokführer Lukas und Solomon Gordon als Jim Knopf in einer Szene des Films "Jim Knopf und die Wilde 13" © Joe Albas/Warner Bros./dpa

"Das Böse hat viele Gesichter", heißt es in Krimis oft. Bei Michael Ende kann der Gegenspieler auch nur ein Gesicht, dafür aber viele Körper besitzen. Seine Erfindung der "Wilden 13", dieser gefährlich identitätslosen Piratenmannschaft bleibt bis heute ein Geniestreich - und wird jetzt zur Trumpfkarte in der filmischen Fortsetzung des 60 Jahre alten Kinderbuchklassikers "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer".

Zwei Millionen Zuschauer wollten vor zwei Jahren die Abenteuer des schwarzen Findelkindes und seines fürsorglich starken Freundes auf der großen Leinwand verfolgen. Keine berauschenden Zahlen bei einem für deutsche Verhältnisse astronomischen Budget von 25 Millionen Euro. Dennoch hielten Produzent Christian Becker und Regisseur Dennis Gansel an ihren Plänen fest, auch den zweiten Teil "Jim Knopf und die Wilde 13" fürs Kino umzusetzen.

Die Schwächen des Vorgängers wurden ausgemerzt

Zum Glück! Denn die Fortsetzung hat die Schwächen des ersten Teils - ein zwar bildmächtiger, dafür aber auch atemlos-sprunghafter Ritt durch Michael Endes schillernde Fantasiewelten - weitgehend ausgemerzt und funktioniert als geradliniges Jungsabenteuer bestens nach dem Prinzip: Mut zur Lücke!

Viele amüsante Begegnungen der ungleichen, aber bestens harmonierenden Kumpels Jim Knopf (Solomon Gordon) und Lukas (Henning Baum), wie die Zusammenkunft mit der unglücklich verliebten Meerjungfrau Sursulapitschi (Sonja Gerhardt), werden nur angerissen oder als filmische Montage verkürzt. Im Fokus steht die für Kinder ab dem Grundschulalter geeignete Action, sprich die Jagd auf die Wilde 13, die aus Rache Jim Knopfs kleine Lokomotive Molly entführt hat, sowie die Frage nach der wahren Herkunft des einstigen Findelkindes.

Rick Kavanian überzeugt als Bösewicht

Gansel und Becker verzichten in ihrer erneut spektakulär getricksten, farbenfrohen Heldenreise auf zwanghafte Modernisierungen und alberne Verniedlichungen. Sie bleiben damit nah an der durchaus düsteren Vorlage: ein Umstand, der so gar nicht zu erwarten war, immerhin wurde die komplette Mannschaft der Wilden 13 dank moderner CGI-Technik mit dem Komiker Rick Kavanian besetzt.

Doch das aus der "Bullyparade" bekannte Sprachtalent verkneift sich bei seinem Mehrfach-Auftritt bis auf eine amüsante "Kaffeeklatsch mit Dimitri"-Stimmvariation den Slapstick und schafft es fast nur mit fieser Maske und rollenden Augen einen nicht nur für Kinder furchteinflößenden Bösewicht zu entwickeln.

Bei allem Säbelgerassel bleiben die humanistischen Aussagen Michael Endes unangetastet. Besonders die komische wie berührende Begegnung des einsamen Scheinriesen Tur Tur (Milan Peschel) und des Halbdrachen Nepomuk (Stimme: Michael Bully Herbig) verdeutlicht noch einmal, dass ein unkonventionelles, für manche sogar abstoßendes Äußeres Vorurteile erzeugen, persönliche Treffen diese aber auch eliminieren können.

Schön auch, wie ein merklich gereifter, fast in sich gekehrter Jim Knopf sich von seiner gewohnten Ersatzfamilie erst emanzipieren muss, um am Ende gereift und befreit wieder nach Lummerland, sprich nach Hause, zurückkehren zu können.


R: Dennis Gansel (D, 109 Min.), Kino: Cadillac, Cincinnati, Cinemaxx, Leopold, Mathäser, Museum-Lichtspiele, Neues Rex, Royal-Filmpalast Rosenheimer Platz und Goetheplatz