Filmkritik: Das ist unser Land! - Satirisches Drama über Rechtspopulismus in Frankreich

Das satirische Drama "Das ist unser Land!" zeigt in einer französischen Kleinstadt das Funktionieren von Rechtspopulismus.
von  Margret Köhler
Die Partei RNP – unschwer als Anspielung auf Marine Le Pens Front National zu erkennen.
Die Partei RNP – unschwer als Anspielung auf Marine Le Pens Front National zu erkennen. © Alamode

Was macht man vor Wahlen? Propaganda! Daran ist nichts Ehrenrühriges, es darf auch mal platt plakativ sein. Hauptsache, das Kreuzchen steht letztendlich an der richtigen Stelle. So ist Wahlkampf. Also startete vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich das Politdrama des Belgiers im Kino, um die dubiosen Machenschaften einer rechtsextremen Partei namens RNP zu enthüllen, mit der Marine Le Pen und ihr rechtsextremer FN (Front National) gemeint ist.
Natürlich reagierte die Partei wie der Pawlowsche Hund prompt mit Protesten. Dabei ist die Story, die Strategien der rechten Szene bloß stellt, einfach gestrickt: In der nordfranzösischen Kleinstadt Hénart ist die entzückend blonde Pauline die harmlose Heldin, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die sich auch noch um den Vater kümmert, einem Kommunisten und Gewerkschafter aus altem Schrot und Korn. Ihre Naivität nutzt eine populistische Partei aus, gewinnt sie als Kandidatin für die Bürgermeisterwahl. Dabei will die von Emilie Dequenne glaubhaft gespielte engagierte Krankenschwester und Kämpferin gegen soziale Missstände doch nur Gerechtigkeit.

Dass die mit eiskaltem Charme auftretende Parteichefin (Catherine Jacob mit großer äußerer Ähnlichkeit zu Marine Le Pen) sie nur als hübsches Aushängeschild benutzt, merkt sie fast zu spät. Zum Filmpersonal gehört noch: die rechte Schlägertruppe, der sympathische Arzt (abgründig: André Dussollier), der das Herzchen manipuliert und hinter dessen Freundlichkeit sich eine Art rechter Mephisto versteckt. Und es gibt einen Haufen die Marseillaise singender Patrioten, und kaum zu toppen in seinem perfiden Rassismus ist der tätowierte Neonazi-Lover.

"Eine Truppe Pariser Linker dreht in der französischen Provinz ihre Vision des FN", kommentierte der Pariser Konzeptkünstler Olivier Bardin den Film, der mit seiner Botschaft offene Türen bei den ohnehin schon Überzeugten einrennt.
Ob Belvaux mit seinem satirischen Drama wirklich nach seinen Aussagen die erreicht, "die sich verraten fühlen, die Wut im Bauch haben", bleibt fraglich.
Am Anfang sagt die von alltäglichem Leid umgebene Pauline: "Da muss man durch". Das sollte sich auch der Zuschauer sagen bei diesem didaktischen und gut gemeinten, aber durchaus auch zum Nachdenken anregenden Werk.


Kino: Monopol, Atelier sowieTheatiner (OmU) Regie: Lucas Belvaux (F, 119 Min.)