Einsam zweisam: Wie finde ich dich?

Singles in der Großstadt der Liebe: Die Pariser Lebensstudie "Einsam zweisam" von Céderic Klapisch.
von  Adrian Prechtel
Großstadt-Blues: Mélanie (Ana Girardot) und Rémy (François Civil) sind sich so nah und doch (noch) so fern.
Großstadt-Blues: Mélanie (Ana Girardot) und Rémy (François Civil) sind sich so nah und doch (noch) so fern. © Studiocanal

Ist die Großstadt wirklich so anonym? Immerhin ist ja das Angebot, etwas zu unternehmen, nirgendwo so groß. Aber die Idee von der Einsamkeit des Großstadtmenschen hält sich hartnäckig.

Mélanie (Ana Girardot) arbeitet in einem medizinischen Forschungslabor, lebt in einer netten Amélie-artigen Altbauwohnung mit Blick auf Bahngleise. Und vielleicht ist ihre Dauermüdigkeit doch eine Art sanfte Lebensflucht. Rémy (François Civil) hingegen arbeitet als Lagerist zwischen Großregalen und soll – wie seine Kollegen – durch Roboter ersetzt werden. Dass dann ausgerechnet er nicht entlassen wird, obwohl er sich im Personalgespräch zwar sympathisch überfordert, aber doch besonders dämlich anstellt, ist: reines Glück!

"Einsam zweisam": Céderic Klapisch führt Regie

Der Witz an Céderic Klapischs Film ist dann natürlich, dass man als Zuschauer auf das klassische "Boy meets Girl" wartet, was ja nach dem Meister der Beziehungskomödien Billy Wilder das banale Grundgerüst der meisten Filme ist.

"Einsam zweisam" heißt der deutsche Titel, "Deux moi – Zwei Ich" der französische. Es ist also das Spiel zweier Großstädter mitteljungen Alters, die ihr Leben langsam mal in klare Bahnen lenken könnten, denn das junge Partyleben ist vorbei. Dazu passt auch, dass Céderic Klapisch vor 17 Jahren in "Ein Jahr Barcelona" genau dieses WG-Jungsein, Offen-Sein sein Lebensgefühl porträtiert hat, das jetzt im Erwachsensein angekommen ist, also weniger unbeschwert und von mehr Erfahrungen neurotisiert ist.

Dann ist es die Magie der Zufälle (zugelaufene Katze) und Kleinigkeiten (gleiche Reissorte gekauft), die den beiden auf die Sprünge hilft, sich kennenzulernen – und der Lebensmittelladenbesitzer von nebenan, spielt den Amor. Aber der Film bleibt bei alledem nur harmlos und nett – und kommt nicht groß in Schwung. Das liegt in der melancholisch-komischen Atmosphäre, die ja letztlich auch Romantik ausmachen kann.

"Einsam zweisam": Woody-Allen-artig

So ist "Einsam zweisam" eher ein Stimmungsbild, in das durchaus witzige Nebenaspekte eingebaut sind: wie die sehr ambivalente Charakterstudie des arabischen Ladenbesitzers als autoritär und patriarchalisch und dann doch auch sensibel und romantisch.

Woody-Allen-artig, aber dafür dann doch zu brav, kommt auch die großstadtneurotische Überschätzung der psychologischen Beratung zu tragen. Und Sex im Singleleben? Dafür sind unsere beiden Protagonisten letztlich zu passiv: er aus Verträumtheit und Verunsicherung und sie als von Selbstzweifeln geplagte.

Aber das wird schon noch, wenn man die Schlussszene weiterdenkt.


Kino: Isabella sowie Maxim, Arena (auch OmU) und Theatiner (OmU)

B&R: Céderic Klapisch

(F, 110 Min.)