Geh hin und brich Herzen

„Bobby McGee“ und „Silver Tongued Devil“ – Kris Kristofferson spielt seine Lieder in der Musik-Arena auf dem Tollwood-Festival
von  Abendzeitung
Unprätentiös, einzigartig und unterwegs mit einem ganzen Koffer voller Welthits: Kris Kristofferson bei seinem Tollwood-Konzert am Sonntag.
Unprätentiös, einzigartig und unterwegs mit einem ganzen Koffer voller Welthits: Kris Kristofferson bei seinem Tollwood-Konzert am Sonntag. © Dorothee Falke

„Bobby McGee“ und „Silver Tongued Devil“ – Kris Kristofferson spielt seine Lieder in der Musik-Arena auf dem Tollwood-Festival

Es ist so einfach: „So pick up that guitar. Go break a heart,“ singt Kris Kristofferson in „Final Attraction“. Hank Williams hatte es drauf, Johnny Cash und Waylon Jennings. Da steht der Kris, mit seiner Gitarre auf der Bühne der Tollwood Musik-Arena und lässt sie vorbeiziehen. Die großen Toten der amerikanischen Musikgeschichte.

Durch Schlitze im Zelt tasten sich die Finger der Abendsonne ins Publikum. Und Kristofferson selber, der sich da demütig verbeugt, zupft Song um Song aus seiner Gitarre. Seine Stimme deutet die Lieder mehr an, als dass er sie vorführt. Und manchmal klatscht das Publikum für sich im Takt – nur für sich.

Bush und Cheney unter der Dusche: "It's over!"

„He’s A Pilgrim“ – den Song hat er mal für Dennis Hopper geschrieben. Und als er seinem fünfjährigen Sohn „The Silver Tongued Devil“ vorsang, sagte der: „Daddy, das ist ein schlechtes Lied.“ „Warum denn das?“, fragte der Vater. „Du machst da jemand anderen für deine Fehler verantwortlich“, sprach der Sohn. Fast zu jedem Song gibt es so eine kleine Geschichte. Und dass George Bush und Dick Cheney gemeinsam unter der Dusche die Zeilen „It’s over. Nobody wins“ gesungen haben sollen, wollen wir einfach glauben.

Kristofferson ist gegen die Kriegseinsätze in Irak und Afghanistan. Das ist einer der ersten Sätze, die er spricht. „The Circle“ hat er für die irakische Künstlerin Layla Al-Attar geschrieben, die eine Rakete tötete. Geschickt von Bill Clinton. Nur einer der sinnlosen Tode in einem niederträchtigen Spiel. Und man muss nicht diskutieren, ob Lieder gegen den Krieg naiv sind, man muss sie singen.

Was immer ein anderer aus diesen Songs gemacht hat, aus „Bobby McGee“, „Help Me Make It Through The Night“ oder „Lay Your Head Upon My Pillow“ – er hatte die Vorlage eines genialen Songwriters. Kris Kristofferson kann nicht Gitarre spielen, er hat ein sehr mäßig ausgeprägtes Rhythmusgefühl und seine Stimme will erzählen, statt singen. Er aber, der seit Jahren einsam mal hier mal da, seine Lieder spielt, macht, was ein Sänger tun sollte: Go break a heart. Morgen kann dieses Leben vorbei sein. So einfach ist das.

Christian Jooß