Die Hüllen fallen: Ohne Maske in die Isarphilharmonie

Die Isarphilharmonie wird maskenlos eröffnet, die übrigen Häuser ziehen bald nach - bis auf ein gallisches Dorf am Max-Joseph-Platz.
von  Robert Braunmüller
Die (noch) mit Maskierten voll besetzte Isarphilharmonie bei einem Testlauf am vergangenen Wochenende.
Die (noch) mit Maskierten voll besetzte Isarphilharmonie bei einem Testlauf am vergangenen Wochenende. © Benedikt Feiten/Gasteig

München - Bei der Eröffnung der Isarphilharmonie am Freitag gilt bereits die neue Normalität nach der 3G-plus-Regel: Zutritt haben nur Geimpfte, Genesene oder Getestete.

"Plus" bedeutet, dass der PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein darf. Im Gegenzug müssen im gesamten Gebäude keine Masken mehr getragen werden. Auch Mindestabstände sind aufgehoben.

Seit Montag gibt es die neuen Regeln

Grundlage der neuen Regelung ist der Beschluss des bayerischen Kabinetts vom Montag. Wenn 2G oder 3G-plus beachtet werden, entfallen Maskenpflicht, Obergrenzen bei der Personenzahl, Alkoholverbot und Mindestabstandsgebot.

Voraussetzung für diese Lockerung sind strikte Einlasskontrollen. Die Staatsregierung beseitigt damit die kurzzeitige Ungleichbehandlung der Theater und Konzertsäle gegenüber den Clubs und Diskotheken, in denen seit vergangener Woche maskenfrei getanzt werden darf.

Empfehlung, keine Verpflichtung

Allerdings handelt es sich bei diesen neuen Regeln um eine Empfehlung für Veranstalter, nicht um eine zwingende Verpflichtung. Die Isarphilharmonie ist der Vorreiter: Auch die auf die Eröffnung folgenden Konzerte der Münchner Philharmoniker und des Mariinsky-Orchesters St. Petersburg im neuen Gasteig-Interim bleiben maskenfrei.

Die Bayerische Staatsoper setzt weiter auf Masken

Die Münchner Theater ziehen nach, nur die Bayerische Staatsoper unter dem neuen Intendanten Serge Dorny behält als gallisches Dorf die Maskenpflicht nach eigenen Regeln. Im Nationaltheater bleibt bei der Premiere der "Nase" von Dmitri Schostakowitsch am 24. Oktober die Maske auf dem Zinken. Ob die Hüllen am 9. November fallen, will die Staatsoper von den Ergebnissen einer Publikumsbefragung abhängig machen.

Es geht um das Sicherheitsbedürfnis

Auf die Frage, ob da nicht ein sanfter Widerspruch zu der wissenschaftlich garantierten Sicherheit des Theaterbesuchs entstünde, die von der vorherigen Leitung in diversen Pilotversuchen bewiesen wurde, heißt es aus der Staatsoper: Daran ändere sich nichts. Es gehe primär um das subjektive Sicherheitsbedürfnis des Publikums, dem man Rechnung tragen wolle.

Das ergaben Umfragen

Eine ähnlichen Befragung, wie sie die Staatsoper plant, hat es in Zürich bereits gegeben: Hier bewerteten 53,7 Prozent der Umfrageteilnehmer die Maskenpflicht positiv, obwohl 91,4 Prozent der Besucher geimpft oder genesen sind.

Nur 29,4 Prozent lehnten sie ab. Für 16,9 Prozent hat die Maskenpflicht keine Relevanz für den Besuch. Daher - und auf Weisung der Politik - bleiben in Zürich die Zuschauer maskiert.

Keine Einigkeit unter Münchner Intendanten

Unter Münchner Intendanten herrscht keine Einigkeit darüber, ob der derzeit eher mäßige Besuch mit der Angst vor Ansteckungen zu tun hat oder mit den von vielen als lästig empfundenen Masken. Zahlen dazu gibt es nicht, nur Vermutungen.

Andererseits kann man natürlich auch fragen, wie sinnvoll es ist, wenn ein einziges staatliches Theater im Widerspruch zu den staatlichen Lockerungsmaßnahmen an der Maskenpflicht festhält, wenn alle anderen sie aufheben.

Eine Sonderregelung wäre möglich

Möglich wäre diese Sonderregelung, man könnte sie per Hausrecht durchsetzen. Aber tut man sich und dem Einlasspersonal mit vorhersehbaren Streitereien einen Gefallen? Oder vermehrt man damit nur die ohnehin recht zahlreichen Nasenbären?

Auch ohne feste Regel bleibt es auch Geimpften aus Gründen der Rücksichtnahme oder des Selbstschutzes unbenommen, eine Maske zu tragen, weil es hilft, ganz normale Erkältungen im Winter zu vermeiden.

So steht es um die übrigen Theater

Alle übrigen Theater in München wollen die Maskenpflicht rasch aufheben und ihre Hygienekonzepte an die 3G-plus-Regel anpassen. Ingrid Trobitz, die stellvertretende Intendantin des Bayerischen Staatsschauspiels, spricht davon, man wolle dem Publikum so schnell wie möglich ein "normales Theatererlebnis" ohne Masken und mit der üblichen Pausen-Gastronomie ermöglichen.

Stichtag ist der 15. Oktober

Dies wird - nach der Klärung von Details - ab 15. Oktober der Fall sein. Diesen Termin nennen auch das ebenfalls staatliche Gärtnerplatztheater, die städtischen Kammerspiele sowie das städtische Volkstheater, das an diesem Tag seinen Neubau im Schlachthofviertel eröffnet.

Das Deutsche Theater wird bereits am Tag davor eine maskenfreie Premiere des Musicals "Der Schuh des Manitu" nach der 3G-plus-Regel durchführen. Mit 2G - dem Besuch allein für Geimpfte und Genesene - wollen sich die Häuser nicht anfreunden.

Öffentliche Theater seien für alle da, bekommt man als Antwort zu hören. Und als Grund, wieso eine Woche gewartet werde, wird das Problem der Ungeimpften im Personal der Häuser genannt, die man zu nichts zwingen könne.