"Ratatata" im Lustspielhaus: Völlig entfesselt spielen

Gabi Rothmüller inszeniert im Lustspielhaus die Komödie "Ratatata".
von  Mathias Hejny
Michael Altinger (links), Constanze Lindner und Alexander Liegl.
Michael Altinger (links), Constanze Lindner und Alexander Liegl. © Foto: Martina Bogdahn

Sie leben! Den polizeilichen Kugelhagel im Mai 1934 haben sie überlebt. Nun hausen Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow unauffällig unter falschen Namen in einer etwas schäbigen "Neighbourhood".

Von Maschinengewehren wollen sie nichts mehr wissen und haben sich auf weniger spektakuläre Kriminalität verlegt. Allerdings sind sie mit Hunde-Kidnapping und Betrug von Senioren mit dem Enkel-Trick weniger erfolgreich als zu ihrer Glanzzeit im Bankraub-Business.

Die "wahre" Geschichte von Bonnyie und Clyde

Das ist "Ratatata!", die nun "wirklich wahre Geschichte von Bonnie und Clyde", wie sie Constanze Lindner, Michael Altinger, Alexander Liegl und ihre Regisseurin Gabi Rothmüller sehen. "Es ist die erste Vorstellung im Lustspielhaus in diesem Jahr", stellte Till Hofmann mit leicht bitterer Ironie fest und umjubelt von den Zuschauern, die unter den aktuellen Corona-Bedingungen eingelassen werden konnten.

Geplant war die Produktion als Open-Air-Theater

Die hauseigene Produktion ist von der Lage zweifach getroffen, denn geplant war die Uraufführung als infektionssicheres Open-Air-Theater im Schlosspark der Katholischen Akademie in der Mandlstraße. Der nasse August zwang das Trio dann doch ins Stammhaus, und ob die übrigen Vorstellungen wie geplant im Garten der Seidl-Villa stattfinden werden, wird sich zeigen.

Deutlicher, lauter und schriller

Dem "Komödienspektakel" ist anzumerken, dass es für die Bedingungen unter freiem Himmel gemacht ist - alles ist ein bisschen deutlicher, lauter und schriller geraten. So entfesselt hat man die Lustspielhäusler selten erlebt, obwohl schon Vorgängerwerke wie das "Germanical" um "Siegfried" oder die schwerst komische Backstage-Comedy "Der nackte Wahnsinn" nicht durch Subtilität auffielen.

Drei Schauspieler für 17 Rollen

Es sollte dieses Mal eine weniger aufwändige Show mit einem Ensemble zu dritt sein. Aber Lindner und Altinger spielen nicht nur das legendäre Räuberpärchen.

Zusammen mit Liegl, der auch die Spielvorlage textete, teilen sie sich 17 Rollen plus einen inbrünstig den Lord preisenden Gospelchor und die ägyptisierende Showtanztruppe des Hotels "Golden Cleopatra" in Las Vegas, das Schauplatz des zweiten Teils ist. Die Tür-auf-Tür-zu-Dramaturgie des Boulevardtheaters wird erbarmungslos bis zum Anschlag ausgereizt.

Muntere Songs und ausgelassene Choreographien

Kredithaie, Paketboten, Polizisten, Kellner, die Tante, die Oma oder die nymphomane Gymnastiklehrerin, die hinter der Tür verschwindet, kommen in kurzer Zeit als jemand anderes durch eine der drei Türen wieder heraus. Das unsichtbare Geschehen hinter dem Bühnenbild hat vermutlich akrobatische Qualitäten.

Wer hinter den Blödeldialogen, munteren Songs, ausgelassenen Choreographien und dem blühenden Slapstick Sinn oder wenigstens Hintersinn erwartet, ist selbst schuld. Sie wollen einfach nur spielen.


Garten der Seidl-Villa, 5. bis 12. September, 19.30 Uhr, bei schlechtem Wetter im Lustspielhaus, 089 344974