Metropoltheater: Zwanzig Jahre Selbstausbeutung

Das Metropoltheater macht per Online-Petition auf seine Situation aufmerksam, Intendant Jochen Schölch und wünscht sich eine Erhöhung der Zuschüsse.
von  Volker Isfort
Bis Sonntag auf dem Spielplan im Metropoltheater: "Das Abschiedsdinner“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patelliere mit Winfried Frey, Dieter Fischer, Judith Toth.
Bis Sonntag auf dem Spielplan im Metropoltheater: "Das Abschiedsdinner“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patelliere mit Winfried Frey, Dieter Fischer, Judith Toth. © Jean-Marc Turmes

Das Metropoltheater macht per Online-Petition auf seine Situation aufmerksam, Intendant Jochen Schölch und wünscht sich eine Erhöhung der Zuschüsse.

München - Keine Frage, die Geschichte des Metropoltheaters ist eine Erfolgsgeschichte. Die 1998 gegründete Bühne in Freimann erhielt unzählige Auszeichnungen für seine Inszenierungen, darunter als einziges freies Theater den Bayerischen Theaterpreis. Es wurde mehrfach zu nationalen wie internationalen Festivals eingeladen. Die Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne wählte das Metropol wiederholt zum Besten Off-Theater im deutschsprachigen Raum.

Kurz vor dem Jubiläum will Schölch die finanzielle Situation des Hauses verbessern

"Trotz der riesigen Erfolge und der gewaltigen Anstrengungen kann das Metropoltheater die Menschen, die es tragen, immer noch nicht angemessen honorieren, seine Künstlerinnen und Künstler immer noch nicht fair bezahlen. Nach bald zwanzig Jahren muss nun Schluss sein mit der Selbstausbeutung der Theaterschaffenden, die Fördersituation muss verbessert, die Fördermittel erhöht werden", schreibt Jochen Schölch in seinem Appell "20 Jahre sind genug!" an die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land.

"Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand finanzierte das Publikum mit Spenden den Umbau eines halbverfallenen Kinos zu einer hochfunktionellen Spielstätte", schreibt Alt-OB Christian Ude als Vorsitzender des Freundeskreises Metropoltheater. "Seit 1998 wurden etwa 5.000 Vorstellungen in München und Bayern gespielt. Diese Aufführungen sahen etwa 750.000 Zuschauer. Trotz der riesigen Erfolge und der gewaltigen Anstrengungen: "Das Metropoltheater kann die Menschen, die es tragen, immer noch nicht angemessen honorieren, seine Künstlerinnen und Künstler immer noch nicht fair bezahlen."

Schölch fordert 600 000 Euro jährlich

Ein ehemaliger Bürgermeister, der sich über die geringen städtischen Zuschüsse (jährlich 150.000 Euro) beschwert, verwundert nicht nur die CSU. Aber ganz so einfach ist das nicht. Schölch fordert 600.000 Euro jährlich, die er aber von der Stadt schon deswegen nicht bekommen könnte, weil dort – solange der Stadtrat keine Änderung beschließt – die Fördergelder für einen Spielort bei 150.000 Euro gedeckelt sind. Das Metropoltheater hat zudem mit dem bayerischen Hauptstadtmanko zu kämpfen. Der Freistaat Bayern schließt eine Förderung einer freien Bühne in München mit Landesmitteln aus. Diese Regelung ist bundesweit einmalig. In anderen bayerischen Städten wie z.B. Augsburg oder Regensburg ist die gleichzeitige Förderung eines freien Theaters durch Kommune und Freistaat gängige Praxis – in der Landeshauptstadt jedoch "überlässt" der Freistaat die Förderung allein der Stadt.

Auf taube Ohren stößt Schölch mit seinem Appell nicht

"Wir sind seit jeher Partner der Freien Szene und seit vielen Jahren im Dialog über geeignete Förderinstrumente", sagt der Münchner Kulturreferent Hand-Georg Küppers, der von Anfang an versucht hat, die verschiedenen Ansprüche der freien Szene im Dialog mit dieser zu lösen. "Unser aktuelles Fördermodell für Darstellende Kunst ist ein Ergebnis dieses Austauschs. Außerdem haben wir in Spielstätten investiert und die Projektmittel erhöht. Jetzt haben die verschiedenen Akteure der freien Szene sich zusammengetan und treten mit einem gemeinsamen Bewusstsein auf. Über ihre aktuellen Anliegen werden wir in bewährter Weise miteinander diskutieren."
Denn auch Küppers weiß: Das Geld für die freie Theater- und Tanzszene kann nur ein Mal ausgegeben werden.  

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