Eva Karl Faltermeier: Und plötzlich: Wusch!

Eva Karl Faltermeier hatte ihre Anstellung aufgegeben, um Kabarettistin zu werden, dann grätschte Corona in die Karriereplanung. Am Samstag spielt sie in München.
von  Thomas Becker
Eva Karl Faltermeier ist Optimistin, auch wenn man es nicht direkt sieht.
Eva Karl Faltermeier ist Optimistin, auch wenn man es nicht direkt sieht. © Florian Hammerich

Sie kommt aus der Südoberpfalz, der "Heimat des Nebels", wie sie sagt. Ihre Hobbys: Watten, Gartenarbeit und Poetry-Slams. Mit ihrem ersten Solo-Programm "Es geht dahi" ist Eva Karl Faltermeier nun am 15. August im Rahmen des Eulenspiegel Flying Circus zu Gast im Innenhof des Deutschen Museums. Was den Zuhörer erwartet? Eine große Portion Fatalismus, ein Potpourri aus Fehlschlägen und, wie sie sagt, "immer auch unverstellter emanzipatorischer Grant, mit dem sie die Belastungen ihres Daseins als berufstätige Mutter auf den Punkt bringt".

AZ: Frau Faltermeier, Sie haben sich für den hauptberuflichen Einstieg ins Bühnen-Dasein ein ganz besonderes Datum ausgesucht. Erzählen Sie doch mal!
EVA KARL FALTERMEIER: Ich bin ja gelernte Journalistin und hab’ nebenher Kurzgeschichten geschrieben und Lesungen gemacht. Irgendwann ist mir gesagt worden: "Mach das doch mal frei. Was du machst, ist ja eher kabarettistisch." Ich hab’ mich aber nicht auf die Bühne getraut. Dann hab’ ich Gruppen-Kabarett gemacht, im Statt-Theater in Regensburg mit drei, vier anderen Kabarettisten immer wieder Programme auf die Beine gestellt.

Wie hieß die Truppe?
"3/4 Hack".

Darf’s a bissl mehr sein?
Genau, das war der Untertitel. Nach einer Weile hab’ ich mir aber gedacht: "Wenn ich das alles alleine mache, ist das eher mit Familie und Job vereinbar." Franziska Wanninger hat dann Regie geführt und Maria Hafner mir Autoharp spielen beigebracht ...

Autoharp?
Ein altes Country-Instrument, so was wie eine Zither für Dumme.

Warum gerade das?
Ich kann nicht gleichzeitig singen und ein Instrument spielen. Ich kann einfach gar kein Instrument spielen. Dann hat mir die Hafner Maria, die ja bei Zwirbeldirn und Hasemanns Töchter war und musikalisch wirklich eine Macht ist, die Autoharp empfohlen, mit der ich mich selbst begleiten kann.

Wie funktioniert das?
Man drückt auf einen Knopf und hat einen richtigen Akkord, dann schrammelt man eigentlich nur noch so dahin. Das hat June Carter gespielt, die Frau von Johnny Cash – aber halt virtuos. Bei mir ist das jetzt nicht die große Musik, aber es lockert das Kabarettprogramm ein wenig auf.

Im vergangenen Oktober feierten Sie Premiere mit dem Programm "Es geht dahi" – zu der Zeit waren Sie aber noch Festangestellte?
Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Regensburg, in Vollzeit. Ende März habe ich allerdings aufgehört damit. Der 1. April war mein erster Tag ohne feste Anstellung – einen besseren Aprilscherz kann man sich selber gar nicht machen.

Warum haben Sie ausgerechnet in dieser Zeit gekündigt?
Ich war im Februar schon bei Charlotte Roche im Vorprogramm. Die hatte mich auf Instagram gesehen und eingeladen. Ich hatte das ganze Jahr 2020 voller Auftritte, musste jetzt tolle Sachen absagen, bin durch das "Vereinsheim" und andere Auftritte relativ schnell zu Agenturen gekommen, konnte sogar zwischen zwei auswählen und bin zu Zweigold, wo auch Martin Frank ist. Ich war bei Hannes Ringlstetter im Vorprogramm, und dann ist das rasant gegangen. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dachte: "Das mach’ ich jetzt neben dem Beruf so dahin." Aber im Februar habe ich beschlossen zu kündigen – gerade als man noch nicht gewusst hat, dass das mit Corona so krass wird. Wirklich ärgerlich. Sechs Wochen Kündigungsfrist, letzter Tag am 31. März.

Und dann?
Der 1. April war schon heftig. Da bin ich richtig runtergesegelt von diesem Newcomer-Ding: "Das geht schon los! Ich kann das selbstständig machen! Das wird super!" Und plötzlich: Wusch! Das war schon wieder so tragikomisch, dass ich manchmal daheim saß und nur noch gelacht hab’. Ich war froh, dass ich noch Journalistin war und Kolumnen bei Bayern 2 und der Landshuter AZ hatte. Das geht ganz gut von daheim. Damit habe ich jetzt überbrückt. Es ist wie beim Marathonlauf: Man darf keine fünf Minuten darüber nachdenken, was man da gerade tut, sonst wird man unglücklich.

Umso glücklicher sind Sie bestimmt, dass es nun Open Air weitergeht?
Ich bin total happy! Das ist bis jetzt der schönste Rahmen, die schönste Möglichkeit wieder aufzutreten. Für viele Künstler sind die Corona-Beschränkungen ja Downsizing – für mich ein Upsizing: 200 Leute sind für mich toll!

Jetzt muss nur noch jemand kommen ...
Wie kriegen Sie als zweifache Mutter das unstete Bühnenleben auf die Reihe?
Allein die Vereinsheim-Auftritte waren schon heftig. In der Früh habe ich die Kinder zum Kindergarten gebracht, dann Vollzeit im Büro und abends nach München gefahren für eine Viertelstunde und ein paar Euro. Aber ich wusste, dass das Vereinsheim eine gute Adresse ist. Ich fühle mich da total wohl. Wenn die Leute an dich glauben, dann nehmen die dich mit.

Wie alt sind Ihre Kinder?
Vier und sechs. Schule ab Herbst. Die Lockdown-Zeit mit ihnen habe ich eher genossen. Die haben mir in dieser doch sehr speziellen Zeit eine gewisse Normalität zurückgegeben. Für meine Seele war das schön, dass da zwei unbedarfte Kinder rumspringen. Auf dem Land war es natürlich einfacher, weil man Platz hat. Wir haben früher auch in einer Stadtwohnung gelebt, sind dann weit raus aufs Land gezogen, wo man sonst immer nur Nachteile hat. Während des Lockdowns war es nun praktisch.

Wie weit draußen wohnen Sie?
In Bernhardswald, in der Nähe von Regensburg. Naja, eine knappe halbe Stunde ist es schon bis Regensburg. Das ist wirklich abgelegen, eineinhalb Stunden bis München.

Wie hat es Sie da hin verschlagen?
Wir haben lange nach Häusern gesucht, die uns nicht komplett verschulden lassen, und in Bernhardswald hat sich ein Mehr-Generationen-Leben mit meiner Tante ergeben. Sie kümmert sich mit um unsere Kinder und wir irgendwann um sie, das ist der Deal. Dadurch kann ich Kabarett machen, weil ich als Backup für meinen Mann immer jemanden hab’, auf den ich zählen kann.    

Eva Karl Faltermeier spielt am Samstag, 15. August, 20 Uhr, beim Eulenspiegel Flying Circus im Innenhof des Deutschen Museums, Karten unter Telefon 344 974