Golda Schultz und das Staatsballett im Montagskonzert im Nationaltheater

Die Sopranistin Golda Schultz, der Flötist Paolo Taballione und Solisten des Staatsballetts im Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper
von  Michael Bastian Weiß
Der Flötist Paolo Taballione im Nationaltheater.
Der Flötist Paolo Taballione im Nationaltheater. © Wilfried Hösl

Zuerst gibt es Klavierlieder, dann führt ein Querflötist Kunststücke vor, am Ende treten noch, möglicherweise leicht unmotiviert, einige Balletttänzer auf: Manche der Montagskonzerte, welche die Bayerische Staatsoper in Corona-Zeiten als Live-Stream im Internet überträgt, erinnern in ihrer Dramaturgie ein wenig an die Wundertüten-Konzertprogramme des 19. Jahrhunderts.

Es wäre unfair, dieses bunt Zusammengewürfelte zu bemäkeln, schließlich hatten Planer und Musiker kaum Zeit für die Vorbereitung. Jeder trägt nach Gusto bei. Das ist ja gerade das Charmante.

Nur den Umfang der einzelnen Programmpunkte könnte man noch gleichmäßiger verteilen. So hätte man von Golda Schultz gerne mehr gehört. Mit geschlossenen Augen singt sie vier Lieder von Franz Schubert und taucht im leeren Opernhaus tief in die Welt des späten Gesangs „Nacht und Träume“ ein. Ihr Sopran hat hier eine gewisse Kehligkeit und ein starkes Vibrato, welche die unendlich langen Töne dieses Stimmungsbilds unter Hochspannung versetzen.

Müde, aber glücklich

Die bewegteren Passagen der umfangreichen Blumenballade „Viola“ kann Golda Schultz stimmlich verdichten und ihnen auf sehr intensive Weise eine Richtung geben: durchdringend wie abgeschossene Pfeile. In die Spiritual-Kantate des Afro-Amerikaners John Carter schließlich steigert sie sich auf aufregende Weise derart hinein, dass sie am Schluss außer Atem ist: müde, aber glücklich.

Ähnlich spektakulär ist die Show von Paolo Taballione. Der Solo-Flötist des Bayerischen Staatsorchesters erstaunt in seiner eigenen Fantasie über Motive aus „La traviata“ von Giuseppe Verdi damit, wie ausgeglichen er den gesamten Umfang seines Instruments abdeckt zwischen einer festen Tiefe, die im Orchester normalerweise sofort untergeht, und einer signalartigen, dabei nie schrillen Höhe, gegenüber der wiederum kein Orchester mehr eine Chance hätte. Schwindelerregende Läufe kosten ihn keine Anstrengung, die virtuosen Nichtigkeiten von Pablo de Sarasate und Franz Waxman werden nonchalant serviert – sind nur auf Dauer einander ein wenig zu ähnlich.

Wie ein Edelstein

Und es sind auch einen Tick zu viele, zumindest im Verhältnis zum finalen Ballett-Teil, der auf gerade einmal zehn Minuten kommt. Das ist schade, weil man gerne mehr davon gesehen hätte, wie der Erste Solist des Bayerischen Staatsballetts Osiel Gouneo schwerelose Drehungen, zweifelndes Innehalten und pathetische Gesten unter einen Spannungsbogen bringt (Szene aus „Spartacus“) oder wie Jeanette Kakareka in ihrem Solo aus „Jewels“ mit eleganter Leichtigkeit brilliert, eben wie ein Edelstein, nur lebendiger.

Es hat übrigens immer etwas Unwirkliches, wenn in der verlassenen Staatsoper auf einmal ein Orchester ertönt – natürlich vom Band. Allein dieser Moment lohnt das Einschalten.

Den Mitschnitt des letzten Abends und den Livestream des nächsten Konzerts am 1. Juni um 20.15 Uhr auf www.staatsoper.tv. Außerdem ruft die Bayerische Staatsoper zu Spenden auf, um freie Künstler in der Coronakrise zu unterstützen. Die Bankverbindung findet man auf der Website www.staatsoper.de