Zwischen Nürnberg und München Nach Vorfall mit Stahlseil: Polizei will ICE-Strecke nochmal absuchen

Parallel zur Autobahn A9 verläuft nahe dem mittelfränkischen Allersberg die ICE-Strecke Nürnberg-München. Foto: Armin Weigel/dpa

Mit hoher Geschwindigkeit rast ein ICE gegen ein Stahlseil, das über die Schienen gespannt ist. Außer einem Sachschaden passiert wenig. Der Vorfall beschäftigt aber trotzdem zahlreiche Ermittler.

Allersberg - Im Fall des auf einer ICE-Strecke gespannten Stahlseils wollen die Ermittler die Schienen erneut absuchen. Wann dies genau geschehen soll, war zunächst unklar.

Nach Angaben eines Sprechers des bayerischen Landeskriminalamts vom Dienstag setzen die Ermittler zudem auf Zeugen, die in der Gegend um den Tatort bei Allersberg im Landkreis Roth wohnen. Hilfreich seien Menschen, die regelmäßig an der Bahnstrecke etwa mit Hund, Pferd oder Fahrrad unterwegs seien und möglicherweise verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

Drohschreiben in arabischer Sprache aufgetaucht

Unbekannte Täter hatten Anfang Oktober ein Stahlseil auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München gespannt und einen Zug damit beschädigt. Das Landeskriminalamt (LKA) bewertete den Vorfall nicht als Anschlag, sondern als gefährlichen Eingriff in den Zugverkehr. Er wurde am Montag bekannt, da erst kürzlich der Tatort und die Ursache des Schadens gefunden worden waren. Weil in der Nähe des Tatorts auch ein Drohschreiben in arabischer Sprache entdeckt wurde, ermittelt die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus. Verletzt wurde niemand, als ein ICE das Stahlseil durchbrach.

Das Landeskriminalamt will aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen, wie genau das Seil angebracht war. Ermittler fanden Reste davon sowie Holz- und Eisenteile und stellten sie sicher. Der Tatort wurde in den vergangenen Tagen bereits mehrmals abgesucht – auch mit einem Hubschrauber. Ein Zeugenaufruf soll bei der Suche nach den Tätern helfen.

Drohschreiben: Kein Hinweis auf konkretes Ereignis

Auf Höhe von Allersberg hatte der Lokführer während der Fahrt ein verdächtiges Geräusch bemerkt. Am Endbahnhof in München kontrollierte er den Triebwagen und stellte einen Schaden an der Frontscheibe fest. Die Deutsche Bahn registrierte einen Kurzschluss auf der Strecke. Der ICE 821 war in Dortmund gestartet.

Das Drohschreiben sei allgemein gehalten, ohne auf ein konkretes Ereignis hinzuweisen, hieß es vom LKA. "Wir nehmen es trotzdem sehr ernst." Die Bewertung des Schreibens war auch am Dienstag noch nicht abgeschlossen, es werde mit Hilfe eines Fallanalytikers (Profiler) ausgewertet. Ebenfalls mit eingebunden sind Muttersprachler und Islamwissenschaftler.

Die Schnellfahrstrecke zwischen Nürnberg und München ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern.

 

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