Zweiter Prozesstag Mutter ersticht Sohn vor schwangerer Geliebter

Wegen Totschlags vor Gericht: Irene N. (39) griff im Streit zum Messer. Foto: AZ/Torsten Huber

"Du musst bei mir bleiben!", flehte Ramona R. (20) vergeblich. Sie konnte ihrem Freund nur noch die Hand halten. Er verblutete.

München - Zweiter Prozesstag im Fall Mutter ersticht Sohn: Es herrscht vollkommene Stille, als Ramona R. (20) in den Zeugenstand tritt. Sie ist die Freundin des getöteten Fliesenlegers Raphael N. (18). Sie zieht heute allein die gemeinsame Tochter (4 Monate) groß. Und sie ist dabei gewesen, als ihr zukünftiger Mann vor ihren Augen stirbt: „Er lag am Boden. Ich habe ganz fest seine Hand gehalten. Sein Druck wurde immer lascher. Sein Gesicht kreideweiß. Ich habe ihn angefleht: Du musst bei mir bleiben. Ich bin schwanger.“

Aber für Raphael N. kommt jede Hilfe zu spät. Im Streit hatte ihm seine Mutter Irene N. (39) ein Messer in die Brust gerammt. Der Sohn ist damals nicht freiwillig aus dem Hotel Mama ausgezogen (AZ berichtete). Mutter und Zeugen beschreiben Raphael als „streitsüchtigen Sohn, der sich nur aushalten ließ“. Völlig anders stellt Romana R. ihn dar: „Er war lieb und hilfsbereit. Er hat jeden Tag gelacht, auch wenn es nichts zu lachen gab.“

Im Herbst 2008 hatten sie sich kennen gelernt. Sie leben bei Raphaels Mutter in Harlaching. Ramona R. bekommt die Streitereien zwischen Mutter und Sohn oft mit: „Es ging ums Aufräumen und seine Tabletten, die er gegen seine epileptischen Anfälle nehmen musste und manchmal nicht einnahm.“  Am Tatabend des 12. Dezember 2010 streiten sie wieder. Das Paar will zu den Eltern von Ramona fahren. „Ich war schon vor der Tür. Sie ging zu. Ich hörte Schreie. Als die Tür wieder aufging, sah ich Raphael. Er blutete aus der Brust, hielt die Hand auf die Wunde. Immer mehr Blut kam raus. Ich holte ein Handtuch.“ Ramona unter Tränen: „Raphael stöhnte, sagte: ,Mir geht’s schon gut’“. Er schleppte sich Richtung Küche und starb.

 
 

0 Kommentare