Zweifelhafter Lebenslauf Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau: Ein echter AfD-Prinz?

Ein Wahlplakat des AfD-Adeligen Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau. Foto: Klaus Wiendl

Der angebliche Adelige vom Tegernsee kandidiert bei der Bundestagswahl – hat aber einen zweifelhaften Lebenslauf.

Die Visitenkarte macht Eindruck. Eine Krone prangt ganz oben, eine Adresse auf Malta ist angegeben. Besonders schmückend ist der Name: Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau. Der 69-Jährige wohnt am Tegernsee und ist Direktkandidat für die AfD im Wahlkreis Bad Tölz/ Miesbach.

Auf der Internetseite seiner Partei ist ein eindrucksvoller Lebenslauf des AfD-Kreischefs zu sehen. Laut AfD "studierte Herr von Anhalt Dessau Wirtschaftswissenschaften an der Höheren Wirtschaftsfachschule in Calw und ergänzte seine Ausbildung durch ein Kunststudium an der Famous Art School International in München. Seine ersten beruflichen Stationen führten ihn zu einem Kunst- und Modeverlag in Genf und zum Auktionshaus Sotheby’s in New York".

Recherchen aber zeigen, dass dieser Lebenslauf mehr als fragwürdig ist – da es die angeführten Bildungsstätten nicht gab. Inzwischen ist von einem "dubiosen" Rechtspopulisten die Rede, der mit seinem Adelstitel um die Wählergunst buhlt.

Ist der AfD-Prinz ein "Kronenkraxler"?

In seinem Wahlkreis ist er unübersehbar, zumindest auf Plakaten. Der öffentlichen Diskussion stellt er sich mit seinen "Hol dir dein Land zurück"-Parolen nicht. Auszumachen ist er nur auf einem Youtube-Clip. Darin erklärt er, warum er die AfD gut findet.

Vorgestellt wird er mit vollem Prinzen-Namen, was einen anderen Prinzen am Tegernsee auf die Palme bringt. Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt aus Rottach-Egern bezeichnet seinen Talnachbarn als "Kronenkraxler". "Mit einem fragwürdigen Lebenslauf und einem falschen Adelstitel will der ein politisches Amt ergattern", schimpft der 67-jährige Banker, "mir ist der Mann hier noch nie am Tegernsee aufgefallen".

Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt.
Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt. Foto: Klaus Wiendl

Und Prinz Georg müsste es wissen. Er kennt alle Adeligen im Tal. Auch die angeheirateten oder gekauften Titelträger. Drei davon gebe es am Tegernsee, einer sei der AfD-Kandidat. "Ein Herr mit diesem Namen ist mir nie begegnet. Es ist unmöglich, dass er ein gebürtiger von Anhalt ist", klagt auch Eduard Prinz von Anhalt als Familienoberhaupt in Dessau. Offensichtlich aber haben die Anhalts mehr als ein schwarzes Schaf in ihren Reihen. "Manche brüsten sich sogar als Puffbesitzer", sagt der Rottacher Prinz und meint einen Adoptiv-Sohn des Adoptiv-Adeligen Frédéric von Anhalt, der für Millionen Euro vier Männer zu Prinzen machte. Neben einem Arzt und einem Fitnessstudio-Betreiber sind die anderen im Rotlicht unterwegs. Der echte Adel ist sauer: "Immer wieder kommen solche, die den Adel in Verruf bringen, weil sie glauben, sie wären etwas Besseres".

 

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