Zwei Jahre nach dem Tod des Kult-Regisseurs Tamara Dietl: "Ich will nicht nur die Witwe sein"

Tamara Dietl bei der Dietl-Ausstellung im Literaturhaus München Foto: imago

Zwei Jahre nach dem Tod des Kult-Regisseurs: Wie es seiner Frau jetzt geht – und wie sie versucht, nach vorn zu schauen.

 

München - Krisen sind ihr Geschäft: Seit Jahren arbeitet Tamara Dietl erfolgreich als Sinn- und Wertecoach, stärkt Menschen in ihrer Persönlichkeit. Bis vor knapp zwei Jahren ihr Mann, Münchens Kult-Filmemacher Helmut Dietl († 70, "Monaco Franze", "Kir Royal"), an Lungenkrebs starb. Plötzlich war sie selbst in ihrer größten privaten Krise – und doch funktionierte sie nach außen hin. Für ihre Tochter Serafina (13), für sich selbst, für den Nachlass ihres geliebten Mannes.

Die Dietl-Retrospektive (bis 26.2.) im Literaturhaus hat über 13 000 Besucher begeistert, die DVDs seiner Serien verkaufen sich sogar 30 Jahre nach den Uraufführungen bestens und das Buch "A bissel was geht immer" landete in den Bestseller-Listen. Doch wie geht es Tamara Dietl jenseits des Erfolgs?

Weihnachten war besodners hart

Zur AZ sagt sie: "Ich habe alles versucht, um die Traurigkeit abzumildern. Aber die Traurigkeit, der Verlust ist latent da. Es geht darum, dass ich jeden Tag erneut begreifen muss, dass Helmut eine Lücke hinterlassen hat. Gerade zu Weihnachten war das besonders hart, er hat dieses Fest so geliebt. Aber ich muss damit leben, dass er nicht mehr da ist. Das probiere ich, so gut oder so schlecht es manchmal geht, hinzukriegen."

Und weiter: "Ich bin echt erschöpft. Auch im positiven Sinne. Die Arbeit um den Nachlass hat mir auch gut getan. Manchmal gehe ich spontan in die Ausstellung und freue mich sehr, wenn ich sehe, wie viel da immer los ist. Die lachenden und amüsierten Gesichter zeigen mir, dass es richtig war, den Künstler Helmut Dietl an seine Fans zurückzugeben." Sie habe sich intensiv mit Helmut beschäftigt, möchte nun an sich denken: "Ich will nicht nur die Witwe sein. Das bin ich natürlich auch und werde es immer sein, aber ich möchte jetzt wieder zu meinen Themen zurückkehren."

Unsicherheit als Normalzustand

Nächsten Dienstag findet ein Abend mit Tamara Dietl (und Jürgen Wertheimer; Rest-Karten gibt’s noch!) im Literaturhaus statt. Das Thema: "Vertrauen – Ein riskantes Gefühl". "Darauf freue ich mich", sagt sie. "Wir Menschen haben ein tiefes Grundbedürfnis nach Sicherheit. Aber in Wahrheit ist die Unsicherheit der Normalzustand. Das wird uns gerade in Zeiten von persönlichen Krisen, aber auch globaler Umbrüche wie jetzt mit Trump und Brexit besonders deutlich. Wie sollen wir damit umgehen, wem können wir noch vertrauen? Das ist ja auch das Kernthema meines Buches ,Die Kraft liegt in mir’."

Einmal in der Woche besucht sie das Grab von Helmut in Bogenhausen. Mit ihrer Tochter. "Das ist für uns beide wichtig. Bei ihm sein und Hallo sagen."

 

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