Zusatzbeitrag steigt Gesundheit wird schon wieder teurer

Nie mehr krank sein? Die Zusatzbeiträge für den Arbeitnehmer sind bei vielen Krankenkassen angestiegen. Foto: dpa

Der Zusatzbeitrag für Krankenversicherte soll auf bis zu zwei Prozent steigen, prognostiziert der Verwaltungsratschef der Krankenkassen. Grüne, Linke und SPD fordern deshalb eine Rückkehr zum ursprünglichen System.

München - Im Jahr nach der Bundestagswahl dürfte es für die gesetzlich Krankenversicherten teurer werden: Nach Einschätzung des Verwaltungsratschefs des Spitzenverbands der Krankenkassen, Uwe Klemens, werden sie einen höheren Zusatzbeitrag schultern müssen. "Ich gehe von einem Zusatzbeitrag von 1,8 bis zwei Prozent in den nächsten drei Jahren aus", sagt Klemens.

Die Gründe dafür seien ganz einfach: "Wir haben ungefähr vier bis fünf Milliarden Euro Zusatzkosten pro Jahr, die durch die Umsetzung des Koalitionsvertrages jetzt schon zum Tragen kommen." Als Beispiele nennt Klemens die Gesetze zur Pflegestärkung, Veränderungen in der Arzneimittelversorgung und wegen des Krankenhausstrukturgesetzes. "Das wird den Druck auf den Zusatzbeitrag stark erhöhen."

Steigt der Zusatzbeitrag weiter?

Hintergrund: Der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent, der gesetzlich fixiert ist, wird je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Dazu kommt der Zusatzbeitragssatz, den allein die 55 Millionen Kassenmitglieder zahlen, also nur der Arbeitnehmer. Er soll im Bundestagswahljahr nach einer Schätzung von Oktober 2016 im Schnitt bei 1,1 Prozent eigentlich stabil bleiben. Einige Kassen haben ihn aber bereits erhöht.

Die paritätische Finanzierung der Krankenversicherung, also die gerechte Aufteilung der Kosten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, hatte die Koalition von Union und FDP 2011 abgeschafft. Der Arbeitgeberanteil wurde bei 7,3 Prozent eingefroren. Seither müssen Arbeitnehmer Beitragserhöhungen alleine finanzieren. Dass der Zusatzbeitrag weiter steigt, glaubt Gesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) hingegen nicht.

"Die Krankenkassen haben Finanzreserven von rund 16 Milliarden Euro", sagt seine Sprecherin Katja Angeli. Das seien gute Reserven, die es ermöglichten, die Versicherten daran teilhaben zu lassen. Seriöse Aussagen könne das Ministerium aber erst im Oktober machen, wenn der Schätzerkreis seine neuen Zahlen bekannt gibt.

Rückkehr zur Parität "überfällig"

Linke, Grüne und SPD fordern dennoch eine umgehende Rückkehr zur paritätischen Finanzierung. "In Deutschland gibt es längst eine Zwei-Klassen-Medizin. Der Geldbeutel hat massiven Einfluss auf die Gesundheit – Menschen mit weniger Geld sterben früher als Reiche" sagt Linken-Chef Bernd Riexinger der AZ. Der Zusatzbeitrag müsste deshalb von Versicherten und Arbeitgebern zu gleichen Teilen finanziert werden.

Auch Maria Klein-Schmeik, Gesundheits-Politikerin der Grünen, hält die Rückkehr zur Parität für "längst überfällig". Dass allein die Versicherten immer stärker belastet werden, könne nicht sein. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach findet: "Es ist ungerecht, die Ausgabensteigerungen der Krankenversicherungen alleine von den Versicherten bezahlen zu lassen."

Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen beurteilt die Lage differenzierter: "Es gibt gute Argumente für beides, von daher kann die Frage der Parität letztlich nur politisch entschieden werden. Für die Rückkehr zur Parität spricht die soziale Gerechtigkeit. Dagegen spricht, dass Gesundheitspolitik dann wieder viel stärker auf Lohnnebenkosten schaut – worunter letztlich die chronisch Kranken leiden", erklärt er der AZ.

 

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