Zum Tod von Margit Bönisch Die Löwin des Boulevards

Seit 1992 war Margit Bönisch Direktorin der Komödie im Bayerischen Hof. Foto: dpa

Der AZ-Kulturredakteur Adrian Prechtel über den Kampf von Margit Bönisch fürs Boulevardtheater.

 

Die Komödie im Bayerischen Hof ist einzigartig – und sie war es spätestens 2007, nachdem der Versuch, Boulevardtheater zumindest kostendeckend zu betreiben in der Kleinen Komödie am Max II gescheitert war.

Von da an kämpfte die Prinzipalin vom Promenadeplatz, Margit Bönisch, als einzige Theater-Löwin unsubventioniert weiter. Ihr Programm band ein Publikum an die Bühne, das Kammerspiele und Residenztheater nicht oder kaum erreichen und um das sich das Volkstheater - durchaus boulevardesk denkbar – ebenfalls nicht bemüht.

Weil sich alle diese Häuser zu „hoher Kunst“ berufen fühlen, vernachlässigen sie oft die besonders schwierige hohe Kunst intelligenter Unterhaltung. Margit Bönisch pflegte genau diese Kunst – meist erfolgreich, oft gelungen und wo nicht, blieb sie tapfer.

Ob in Zukunft im Bayerischen Hof weiter Boulevardtheater gemacht werden kann, hängt von mehren Faktoren ab: zum einen, ob der Bayerische Hof hier weiter ein Theater im Haus haben will. Vieles spricht dafür, wie die wohlwollende Haltung der Hotel-Chefin, deren Großmutter, selbst Sängerin, hier bereits beim Wiederaufbau nach 1945 einen Konzertsaal einrichten ließ. Aber finanziell und organisatorisch ist ein Theaterbetrieb ein finanzielles Abenteuer. Margit Bönisch meisterte das, indem sie gleichzeitig ein Tourneetheater betrieb, das immer auch einmal eine finanzielle Durststrecke im Stammhaus überbrücken half. Aber wird es eine ähnlich instinkt- und kunst-sichere Person geben, die mit einem ähnlichen Finanzierungskonzept, dieses Boulevard-Wagnis eingeht? Es bleibt zu hoffen.

Die Planungen, die Margit Bönisch für die Komödie im Bayerischen Hof hinterlässt, reichen noch bis in den Sommer 2017. Für die Zeit danach müssen viele eine Fortsetzung wirklich wollen: der Bayerische Hof, der die Pacht festsetzt, ein neuer Prinzipal, der ebenfalls ein weiteres Standbein bräuchte – und vielleicht auch einmal die Stadt München selbst...

 

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