Zum Tod von Georg Kronawitter Vogel: "Als OB hat er Bemerkenswertes geleistet"

, aktualisiert am 30.04.2016 - 08:15 Uhr
Der letzte öffentliche Auftritt – und dann gleich mit allen SPD-Granden der Stadt zusammen: Georg Kronawitter beim 70-jährigen SPD-Jubiläum in einer Reihe mit (v. l.) OB Dieter Reiter und den Alt-OB Christian Ude und Hans-Jochen Vogel. Foto: AZ-Archiv

Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Alt-OB Hans-Jochen Vogel (90) würdigt seinen Nachfolger.

München - "Ich wusste schon, dass es ihm nicht mehr so gut geht. Trotzdem hat mich sein Tod sehr berührt. Schorsch Kronawitter war ja mein direkter Nachfolger.

Ich hatte Anfang 1971 wegen innerparteilicher Streitigkeiten meine Kandidatur niedergelegt und ihn alsbald aufgesucht und ihn gefragt, ob er an meiner Stelle antreten wolle. Es war eine schwierige Lage damals, die SPD war innerparteilich zerstritten.

Trotzdem ließ sich Kronawitter nicht lange bitten. Er hat gleich gesagt: ,Ich traue mir das zu und nehme das gerne auf mich.’

Ich hatte keinerlei Zweifel, dass er der Richtige ist, schließlich war er bereits ein erfolgreicher Landespolitiker und hat sich im Landtag als agrarpolitischer Sprecher bei seiner Fraktion Gehör verschafft. Das war für einen Sozialdemokraten eher ungewöhnlich.

Zudem war er SPD-Chef in Oberbayern. Als OB hat er dann Bemerkenswertes geleistet. Er hat München in stürmischen Zeiten wieder in ruhigeres Fahrwasser geleitet.

Er hat sich gegen die beginnende Gentrifizierung im Lehel eingesetzt, er hat die Messe nach Riem verlegt, den Westpark eröffnet und in kluger Weise Christian Ude als seinen Nachfolger aufgebaut. Kronawitter war ein richtiger Kämpfer, das zeigt auch eine Episode aus dem Jahr 1978. Die SPD wollte ihn damals nicht mehr als Spitzenkandidaten aufstellen, angeblich war er nicht mehr vermittelbar.

Lesen Sie hier: Abschied vom roten Schorsch

Doch statt zu resignieren, hat er um die Veränderung der innerparteilichen Mehrheitsverhältnisse gekämpft. Und siehe da: 1984 hat die SPD ihn wieder als OB-Kandidaten nominiert. So war der Schorsch."

 

1 Kommentar