Zum 80. Geburtstag Christel Sembach-Krone: Ein Leben für den Circus

Der Circus Krone war, ist und bleibt ein Familienunternehmen: Christel Sembach mit ihren Eltern Carl Sembach (1908-1984) und Frieda Sembach-Krone (1915-1995). Foto: Circus Krone

Christel Sembach-Krone ist die Prinzipalin des größten Zirkus' Europas – am Sonntag wird sie 80 Jahre alt. Gefeiert wird in der Manege.

 

Christel Sembach-Krone hat ihr Leben bedingungslos dem Zirkus verschrieben. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist sie die Chefin im Circus Krone in München, dem nach Angaben des Unternehmens größten Zirkus in Europa. Mit über 70 stand sie noch selbst in der Manege, und auch jetzt – mit 80 Jahren – hält sie die Zügel im Zirkusbetrieb fest in der Hand.

Klar, dass sie auch ihren Ehrentag am Sonntag quasi in der Manege feiern will. "Es wird einen Rundgang durch die Stallungen geben", sagt Zirkussprecherin Susanne Matzenau. "Und dann eine Bescherung bei den Tieren. Die gibt es immer zu Weihnachten und zum Geburtstag. Das hat Tradition."

Ihr Großvater präsentierte den Zuschauern eine Sensation

Sembach-Krones Großvater Carl Krone hat einst den Weltruhm des Circus Krone begründet. Vor mehr als 100 Jahren zeigte er den Menschen eine neue Sensation: Der Löwe Pascha thronte stolz und friedlich auf dem Rücken eines Pferdes - eine Revolution im deutschen Zirkus. Carl Krone wollte Tiere nicht mehr nur zeigen, sondern dressieren. Inzwischen gibt es den Zirkus seit 111 Jahren, seit 98 Jahren mit festem Haus auf dem Marsfeld in der Maxvorstadt.

Von 1956 bis 2006 stand Sembach-Krone noch selbst mit ihren dressierten Pferden in der Manege, heute arbeitet sie nur noch hinter den Kulissen – dort kümmert sie sich aber um alles: Programm, Künstler, Tourneen. "Und sie sitzt in jeder Generalprobe. Das ist Ehrensache", sagt Matzenau.

In den 50er Jahren (v. l.) Christel mit Papa Carl und Mama Frieda beim Dressurreiten.
In den 50er Jahren (v. l.) Christel mit Papa Carl und Mama Frieda beim Dressurreiten. Foto: Circus Krone

Der Zirkus zieht die Leute auch heute noch in seinen Bann

Zwar sind Zirkusunternehmen wie der Circus Krone immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt, weil Tierschützer – und inzwischen auch zahlreiche Kommunen – nicht wollen, dass Wildtiere zu Clowns gemacht werden und zur Belustigung des Publikums durch die Manege wandern müssen. An den Besucherzahlen merkt der Circus Krone das aber nicht.

"Wir haben in diesem Jahr eine der erfolgreichsten Sommertourneen überhaupt abgeschlossen", sagt die Sprecherin. 1,1 Millionen Zuschauer hätten die Zirkus-Shows gesehen – dazu kommen dann noch rund 450.000 bei den Shows im Münchner Zirkusgebäude im Winter. Man könne zwar denken, dass Zirkus-Shows heute nicht mehr in die Zeit passen, aber: "Das Gegenteil ist der Fall", betont Matzenau.

Christel Sembach-Krone mit dem Araberhengst Kohinor im Jahr 2000.
Christel Sembach-Krone mit dem Araberhengst Kohinor im Jahr 2000. Foto: Circus Krone

"Es ist alles echt, alles live und 3D – auch ohne Brille"

Mehr als eineinhalb Millionen Menschen gehen so pro Jahr allein in die Shows des Circus Krone. "Das ist seit mehr als 20 Jahren konstant", sagt sie. "Es ist alles echt, es ist live, und es ist in 3D – auch ohne Brille."

Wie es um die Branche insgesamt bestellt ist, ist unklar. Einen Branchenverband, der Zahlen dazu rausgeben könnte, gibt es nicht. Für den Freizeit- und Zukunftsforscher Horst Opaschowski passt eine gewisse Renaissance des Zirkus allerdings durchaus in die Zeit. "Wir leben in unsicheren Zeiten, wir leben in schwierigen Zeiten", sagt er. "Der Zirkus ist vielleicht ein Stück vom Glück, eine Idylle, ein Stück alte Heimat, die es sonst nicht mehr gibt."

Und Frau Sembach-Krone? Will sie denn irgendwann die Verantwortung für ihren Zirkus abgeben? Die Antwort von Sprecherin Susanne Matzenau ist deutlich: "Zirkus ist ihr Leben. Die Frage stellt sich nicht."

 

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