Zum 70. Geburtstag Michael Graeter: Helmut Berger feiert ganz leise

Helmut Berger bei der premiere von "Saint Laurent" bei den Filmfestspielen in Cannes 2014. Foto: API

Die "ehemals männlichste Diva der Welt" is am Donnerstag 70 Jahre alt geworden. AZ-Kolumnist Michael Graeter über eine außergewöhnliche Karriere.

 

München – Weil es der Todestag von Romy Schneider ist, seiner geliebten Freundin, hat Helmut Berger, die einst männlichste Diva der Welt, nie an diesem Datum sein Wiegenfest gefeiert. So auch heute nicht, an seinem 70. Geburtstag.

Der Anrufbeantworter ist abgeschaltet. Kein Rückruf. Von einer Fet im Sand von St. Tropez sprach er noch vor Monaten, doch je näher der Termin anstand, desto stiller wurde Berger. Im Moment fasziniert den Visconti-Star einen Änderungsschneider in Padua, der mit Laser geschickt behandelt und als Botox-Buddha gilt.

Auf dem roten Teppich bei den Filmfestspielen in Cannes sah man Helmut an, dass er ein bisschen zugelegt hat, was allerdings freundlericherweise Falten ausbügelt, und vor allem beschwingt.In Schlangenlinien defilierte er im Smoking an der Fotolinsen-Meute vorbei. Müsste in aller Croisette-Offenherit nicht unbedingt sein, weil man sein Denkmal nicht mit aller Gewalt zerstören sollte. Es gibt doch so wenige deutschsprachige Akteure, die welberühmt („Ludwig II“, „Die Verdammten“, Die Gärten der Vinci Contini“, „Gewalt und Leidenschaft“) geworden sind. Aktuell: Als altender Yves St. Laurent ist Berger in einer neuen Kino-Produktion in Cannes zu sehen und man verehrt vor allem im Ausland das Enfant Terrible der Zelluloid-Branche nach wie vor.

Die kritische Zeitmessung von 70 Lenzen wird Männer, vor allem Helmut, schon wurmen. Er gibt es nicht zu und hat wohl die runde Zahl mit dem Schönheitschirurgen in Italien weggespült oder verrauschen lassen.

Ich hätte mich schon auf ein Fest gefreut, weil Berger für ungeahnte Überraschungen garantiert. Im Münchner Hotel „Vier Jahreszeiten“ hat er partymäßig Geschichte geschrieben. Ich glaube, dass Helmut immer noch Hausverbot hat. Vor Jahren musste das kostbare Inventar seiner Suite für ein spontanes „Dschungelfest“ (nicht zu verwechseln mit dem würdelosen Auftritt im RTL-Dschungelcamp) herhalten, bei dem an die zehn Ladies, darunter Prinzessin Johanna zu Sayn-Wittgenstein (spätere Frau Flick noch spätere Frau Douglas und noch viel spätere Frau Walter) und Rosemarie Springer (Zeitungsdynastie) pretty Helmut in ihre Mitte nahmen. Man ging so richtig aus sich heraus und Gobelins wurden von den Wänden gerissen und zum Kostüm umfunktioniert. Lüster dienten als Lianen, mit deren Hilfe zehn Frauen und ein Mann den Tarzan machten.

90 000 Mark standen anschließend auf der Rechnung unter „Extras“, darunter der Vermerk „Bitte besuchen Sie uns nicht wieder.“ Helmut ist nach wie vor Hahn im Korb bei internationalen Schauspielern und Society-Ladies wie Linda Evans, Joan Collins, Marisa Berenson und Bianca Jagger sowie er es früher bei Liz Taylor oder Rudolf Nurejew war. Mit Alain Delon oder Roger Fritz kam er sich in die Quere, weil sie zu Luchino Viscontis Zeiten in Rom aufschlugen und den Meister-Regisseur zu frech anhimmelten.

Rauschfrei ist der schöne Mensch Berger ein Juwel, gescheit, geschmackssicher und großzügig. Zum Mephisto wird er, wenn in seinen Adern Fremdstoff zirkuliert. Dann kommandiert er Kellner wie Leibeigene und die lassen sich das komischerweise gefallen. Sein Charme kann so hinreissend sein, dass er alle Frauen dieser Welt bekommen könnte, wenn er denn wollte, aber gut aussehende Gents gefallen ihm besser. Nur homosexuell dürfen sie nicht sein: Helmut Berger sucht den heterosexuellen Mann, den er verführen will.

Es hätte nicht viel gefehlt und Helmut wäre mit schwarzen Haaren als Baby Schimmerlos in „Kir Royal“ , die Ur-Idee, aufgetreten, aber Regisseur Helmut Dietl, der sich zu Zeiten der US-Serie „Denver Clan“ dreimal mit ihm in Los Angeles traf, scheute schließlich das Risiko chaotischer Dreharbeiten.

 

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