Zum 50. Geburtstag Ex-Trainer Niki Pilic über Boris Becker: "Immer zu 100 Prozent dabei"

Legendäre Flugeinlage: Boris Becker 1985 in Wimbledon beim nach ihm benannten "Becker-Hecht". In diesem Jahr gewann er das Turnier zum ersten Mal – mit gerade einmal 17 Jahren. Kleines Bild: Niki Pilic mit seinem Schützling beim Davis Cup. Foto: dpa/AZ

Ex-Trainer Pilic spricht zum 50. Geburtstag der Tennis-Legende Becker über dessen Leben, Erfolge und Schwierigkeiten. "Ich wünsche ihm, dass er wieder ein besseres Image in Deutschland bekommt".

 

Bei Boris Beckers Davis-Cup-Siegen 1988 und 1989 war der Kroate Niki Pilic (l.,heute 78) der Kapitän der deutschen Mannschaft.

AZ: Herr Pilic, gar nicht so einfach, Sie mal daheim in Opatija ans Telefon zu bekommen. Stehen Sie immer noch so viel auf dem Tennisplatz?
NIKI PILIC: Nein, nicht mehr so oft wie früher. Nur noch vier Stunden am Tag.

Mit einem gewissen Boris Becker haben Sie auch recht viel Zeit auf dem Platz verbracht. Wie oft sehen oder hören Sie sich heute noch?
Nicht allzu oft, wir sehen uns vielleicht zwei Mal im Jahr. Zuletzt waren wir ein paar Tage in Monte Carlo zusammen, als Novak Djokovic geheiratet hat.

Reden Sie dann auch über seine aktuellen Probleme?
Wir sprechen über alles. Über das heutige Tennis, über unsere spezielle Zeit damals. Wir haben uns viel zu erzählen.

Wie erleben Sie ihn denn in dieser ja doch eher schwierigen Phase seines Lebens?
Schwer zu sagen. Die Phase, an die ich mich erinnern kann, war in der Zeit, als ich Kapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft war. Becker war natürlich ein Super-Spieler, immer für zwei Punkte für Deutschland gut, und das war in dieser Zeit das Wichtigste für mich. Am Sonntag habe ich dann im Fernsehen gesehen, wie er in London beim ATP-Finale den Siegerpokal an Grigor Dimitrov überreicht hat – sicher ein guter Moment und ein Kompliment für ihn. Er lebt ja in London, und es sieht so aus, als hätte er dort in England ein besseres Image als zuhause in Deutschland.

Wie war die Arbeit mit ihm im Davis-Cup-Team?
Ich hatte nie Probleme mit ihm. Er hatte Gott sei dank Respekt vor mir, wusste um mein Know how und dass ich ein hundertprozentiger Profi bin. Und für mich war er ein sehr wichtiger Mann. 1993 habe ich zwar auch mit einer Mannschaft um Michael Stich ohne Becker den Davis Cup gewonnen, aber Becker war viele Jahre lang wichtiger.

Legendär war ja Beckers unbedingter Siegeswille, Stichwort Becker-Hecht. An Einsatz hat es bei ihm nie gemangelt.
Nein, überhaupt nicht. Er war immer zu hundert Prozent bei der Sache. Und es war ihm sehr wichtig, für Deutschland zu spielen und zu gewinnen.

Was zuletzt nur bedingt für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft galt. Da schauen einige schon ganz genau hin, ob so ein Davis-Cup-Spiel in den Tourplan passt. Das gab’s bei Becker nicht, oder?
Nein. Es hat aber auch keiner die Qualität eines Boris Becker.

Für seinen bedingungslosen Einsatz musste er jedoch einen hohen Preis zahlen. So fit wie Sie ist er auf dem Platz schon lange nicht mehr.
Leider hat er große Probleme. Bei ihm ist sehr viel kaputtgegangen. Er hat zwei, drei Bänderrisse gehabt, dazu Probleme mit der Hüfte, generell einen schweren Körperbau – dann geht das schnell auf die Knochen.

Wie gut fanden Sie Becker als Coach von Djokovic, den Sie schon als Teenager trainiert hatten, damals in Oberschleißheim?
Boris hat mit Novak in diesen drei Jahren einen sehr guten Job gemacht. Novak hat sehr viel gewonnen, sechs Grand Slams und war lange die Nummer eins der Welt.

Als Sie 50 wurden, hatten Sie als Davis-Cup-Sieger gerade Ihre erfolgreichste Zeit als Trainer. Erinnern Sie sich noch an die Geburtstagsfeier?
Boris hatte gerade die US Open gewonnen und kam von New York direkt zu meinem Geburtstag nach München, in Käfers Restaurant. Die ganze Davis-Cup-Mannschaft war da: Charly Steeb, Patrik Kühnen, Eric Jelen, Boris und ich.

Was haben Sie geschenkt bekommen?
Eine Ebel-Uhr, mit der Gravur „Das Team“. Die trage ich heute noch.

Wie werden Sie ihm am Mittwoch gratulieren? Rufen Sie an?
Nein, nein. Ich schicke ihm eine SMS. Ich weiß nicht, wie er in London feiert, wahrscheinlich eher im kleinen Kreis.

Sie können ihm natürlich auch via AZ Geburtstagsgrüße schicken!
Ich wünsche ihm, dass er gesund bleibt und dass er über seine neue Position beim Deutschen Tennisbund („Head of Men’s Tennis“, Anm. d. Red.) als Galionsfigur wieder ein besseres Image in Deutschland bekommt, als er das in den vergangenen zehn Jahren hatte.

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