Zum 100. Geburtstag von Franz-Josef Strauß Strauß-Ausstellung: FJS - immer eine Schau

Im dritten Stock des Stadtmuseums sind seit Freitag Wahlplakate, Fotomontagen, Karikaturen und private Bilder zu sehen. Alle zeigen Strauß. Eine Auswahl zum Durchklicken. Foto: Winfried Rabanus/HSS

Wie ihn seine Freunde und seine Feinde gesehen haben: Zum 100. Geburtstag zeigt das Münchner Stadtmuseum Bilder von Franz Josef Strauß

 

München - Franz Josef Strauß als grazile Ballerina, als gestählter Bodybuilder, als verlotterter Punk – und ganz oft auch einfach: Strauß als Strauß. In seinem Büro, auf der Jagd, beim sommerlichen Radlausflug mit der Familie.

Auch fast 30 Jahre nach seinem Tod ist Franz Josef Strauß unvergessen. Diesen September wäre er hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat das Münchner Stadtmuseum gemeinsam mit der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) eine kleine Sonderausstellung zusammengestellt.

Im dritten Stock des Museums sind seit heute Wahlplakate, Fotomontagen, Karikaturen und private Bilder zu sehen. Alle zeigen Strauß. Und obwohl die CSU-nahe HSS an der Konzeption der Ausstellung beteiligt war: Man muss keine Angst haben, dass es zu einer Verklärung der Person kommt. Bei Weitem nicht alle Ausstellungstücke zeigen den Jahrhundertpolitiker von seiner Schokoladenseite.

Die Ausstellung trägt den Titel „Die Macht der Bilder“ – was in diesem Fall bedeutet, dass Strauß nicht nur als die vom Wahlplakat heruntergestrahlende Heldenfigur dargestellt wird, sondern auch so, wie ihn seine Kritiker sahen: als bayerisches Urviech, als politisches Monstrum, als rechten Hardliner. „Wir müssen uns sicher nicht vorwerfen lassen, eine Beweihräucherung der Person vorzunehmen“, sagt Florian Dering, der Leiter des Stadtmuseums.

Das Stadtmuseum konnte bei der Auswahl der Exponate auf einen umfangreichen Bestand an Bildern zurückgreifen. Allein im Archiv der HSS lagern 300 laufende Meter Akten zu Franz Josef Strauß. Dass so viel Material vorhanden ist, liegt daran, dass Anfang der fünfziger Jahre allmählich die Personalisierung der Politik begann. Egal also, ob man Strauß vergötterte oder verteufelte: Beide Seiten arbeiteten sich hart an der Person an sich ab.

Am Beispiel Strauß kann man also sehr gut nachvollziehen, wie die Imagebildung auf beiden Seiten funktioniert, welcher Mittel sich politische Inszenierung und Gegenpropaganda bedienen. So ist Strauß mal als visionäre Denker zu sehen, der vom Schreibtisch aus seinen Blick in die Weite richtet, mal als ergebener Chauffeur, dessen einzige Aufgabe es ist, Helmut Kohl durch die Republik zu kutschieren.

Wem das zu blasphemisch ist, der hat heuer sicher noch die ein oder andere Gelegenheit, Strauß als politische Gottheit zu feiern. Die CSU plant eine große Feier in Rott am Inn, die HSS ein großes Gedenken in München. Das Stadtmuseum allerdings wirft vorläufig ein deutlich differenzierterer Blick auf Strauß.

 

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