Zu Guttenbergs Rücktritt Der Abgang im Alleingang

Angela Merkel und Horst Seehofer werden per Handy über den Rücktritt von KT zu Guttenberg informiert. Der Liebling der Kameras liefert eine gespenstische Abschieds-Vorstellung.

 

Berlin -  Er ist abgestürzt: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zurückgetreten. Zwei Wochen lang hoffte er, die Plagiats-Affäre aussitzen zu können. Doch der Druck war zu groß. Jetzt ist es zu Ende. Guttenberg hat nicht nur den Doktor, sondern auch seine Ämter verloren. Rückblick auf die Ereignisse des Tages:

10 Uhr, Cebit in Hannover: Die Kanzlerin ist gerade beim Eröffnungs-Rundgang auf der Messe, als ihr Handy klingelt. Am Apparat ist Guttenberg. Er bittet um seine Entlassung. Merkel ist völlig überrascht. Bis zuletzt hatte sie ihm den Rücken gestärkt. Minutenlang telefoniert sie, dann kehrt sie mit Leichenbittermiene zum Messe-Rundgang zurück. Für sie ist das wenige Wochen vor der Baden-Württemberg-Wahl der Super-Gau.

10.20 Uhr, Kabinettssitzung in München: Das Handy von CSU-Chef Horst Seehofer vibriert. Eine SMS. Sie informiert ihn über den Rücktritt. Auch er war bis dahin völlig ahnungslos. Fassungslos stürmt er raus, telefoniert. Minuten später kehrt er zurück in den Kabinettssaal, informiert die Minister. „Wir waren alle geschockt”, so Umweltminister Markus Söder.

11.16 Uhr, Verteidigungsministerium in Berlin: „Grüß Gott”, ruft Noch-Verteidigungsminister zu Guttenberg im Bendlerblock. Seine Stimme hallt durchs düstere Foyer. Um einen schweren roten Teppich haben sich Reporter und Fotografen versammelt, Guttenberg, der sonst so gerne frei redet, sieht sie kaum an.

„Es ist das der schmerzlichste Schritt meines Lebens”, beginnt er mit gesenktem Blick. Der einstmals schillernde Polit-Star, der Liebling aller Kameras, er liefert eine seltsame Vorstellung. Es gibt keine Live-Übertragung der Pressekonferenz. Erst mit Verspätung werden auch TV-Bilder gesendet. Ein Reporter von n-tv lässt das Handy mitlaufen – und so hören die Fernsehzuschauer daheim zunächst nur Guttenbergs Stimme.

Druntergeschnitten sind Bilder, die unpassender nicht sein könnten: Stephanie und KT im Blitzlichtgewitter, KT lächelnd mit Pilotenbrille in Afghanistan. „Ich gehe nicht alleine wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit”, sagt Guttenberg. „Wenn allerdings die mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg statt auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit statt.” Er habe zunächst die drei gefallenen Soldaten zu Grabe tragen wollen, begründet Guttenberg seinen späten Rücktritt.

Die „Wucht der medialen Betrachtung” sei auch nicht ohne Auswirkung auf seine Familie geblieben. „Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und medialen Geschäft zerstörerisch sein können.” Guttenbergs Stimme klingt belegt: „Ich war immer bereit, zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht. Vielen Dank.” Mit einer energischen Bewegung rollt er das Manuskript zusammen, dreht sich auf dem Absatz um und geht. Ein Feldjäger springt hinter ihm her, versperrt den Reportern den Weg. Am Nachmittag tritt auch die Kanzlerin vor die Kameras. Sie wirkt bewegt, atemlos. Sie habe mit Guttenberg inzwischen auch persönlich gesprochen, sagt sie. „Es wird nicht das letzte persönliche Gespräch bleiben.”

 

2 Kommentare