"Zu aufwendig, zu teuer" "Ökonomisch unsinnig": Landkreis Altötting klagt gegen Biotonnen-Pflicht

Braucht's des? - Altötting streitet über die Biotonnen-Pflicht. Foto: dpa

Wenn Biomüll vergärt, lässt sich Energie daraus gewinnen, wenn er kompostiert wird, Dünger und Humus. Klingt sinnvoll? Der Landkreis Altötting hält ein System zur Biomüllerfassung für unnötig und teuer.

Altötting - Kaffeesatz, Kartoffelschalen oder die Streu vom Meerschweinchenkäfig - seit 2015 ist es Pflicht, all diese Dinge in Deutschland nicht einfach so in der Mülltonne zu entsorgen, sondern zwischen Rest- und Biomüll zu trennen. Doch längst gibt es nicht flächendeckend Biotonnen, in denen Küchenabfälle landen. In vielen bayerischen Landkreisen können die Hauseigner selbst entscheiden, ob sie die Biotonne nutzen oder im eigenen Garten einen Komposthaufen anlegen. Oder aber - ein Landkreis findet das Bioabfall-System zu aufwendig, zu teuer, kurzum: unsinnig. So in Altötting in Oberbayern. Hier lässt es Landrat Erwin Schneider (CSU) sogar auf einen Rechtsstreit ankommen.

Der Landkreis will kein eigenes System für die Biomüll-Sammlung einführen - und ist damit inzwischen der einzige im Freistaat. Man wisse aus gutachterlichen Studien, dass auch ohne eigenes Sammelsystem 85 Prozent der Bioabfälle im Landkreis nachhaltig verwertet, also kompostiert werden, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Im Restmüll seien pro Jahr höchstens noch acht Kilo Küchenabfälle pro Einwohner enthalten, das werde in einem Müllheizkraftwerk verbrannt. "Diese Restmenge noch mit einer eigenen Biotonne erfassen zu wollen, ist aus unserer Sicht ökologisch und ökonomisch unsinnig. Zudem würde die Einführung einer Biotonne die Müllgebühren für unsere Bürgerinnen und Bürger nahezu verdoppeln." Größere Mengen an Grüngut könnten die Menschen problemlos zu gewerblichen Kompostieranlagen bringen.

Weil sich Altötting also weigert, ein System zur Biomüllentsorgung zu schaffen, hat der Landkreis einen Bescheid der Regierung von Oberbayern bekommen - und will diesen gerichtlich anfechten. Eine Entscheidung der Justiz steht noch aus.

Im Jahr 2016 fielen in Bayern 1,98 Millionen Tonnen Bioabfall an - laut dem Landesamt für Umwelt zählt dazu sowohl der Müll aus der Biotonne als auch Grüngut aus den privaten Gärten als auch Gras, das beispielsweise beim Mähen in öffentlichen Parks oder an Straßenrändern anfällt. Im Jahr zuvor waren es noch 1,85 Millionen Tonnen. In den Biotonnen entsorgten Bayerns Bürger demnach 726.665 Tonnen Biomüll.

Selbst kompostieren erlaubt - Kontrollen drohen

Und was passiert mit der Brotkante, dem abgeblühten Blumenstrauß und den Resten von der Grill-Dorade? Der größte Teil wird kompostiert, so dass Humus und Dünger entstehen - in den Kompostierungsanlagen passiert also im großen Stil das, was auch daheim auf dem Komposthaufen am Gartenzaun passiert. Inzwischen gibt es aber auch vermehrt Bemühungen, aus dem Biomüll Energie zu gewinnen: "Heute laufen die Bestrebungen in Richtung der umfassenden Nutzung der im Bioabfall enthaltenen Potenziale aus stofflicher, aber auch aus energetischer Sicht", heißt es beim Landesamt für Umwelt. Daher sei in den vergangenen zehn Jahren die kombinierte Nutzung von Bioabfällen entwickelt und vorangetrieben worden. Das bedeutet: Humus- und Energiegewinnung werden kombiniert, um den Müll noch besser nutzen zu können. In einer Vielzahl von Anlagen in Bayern funktioniere die Verwertung der Bioabfälle schon nach diesem Schema, sagt ein Behördensprecher.

Umweltschützer sind große Befürworter der Trennung zwischen Rest- und Biomüll. 2016 kritisierte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), dass viele Kommunen die Biotonne nur zögerlich einführen beziehungsweise lediglich die Sammlung am Wertstoffhof anboten, was nicht verbraucherfreundlich sei.

Tatsächlich zeigen einige Beispiele in Bayern, dass die Biotonne keinesfalls gleich nach der Gesetzesänderung 2015 eingeführt wurde. Der Landkreis Eichstätt etwa startete erst vor knapp drei Wochen zum Jahreswechsel: Biomüll aus den Haushalten soll künftig in die Tonne, große Mengen Grüngut weiterhin zu den Sammelstellen. Wer seine Bioabfälle selbst kompostieren will, dürfe das natürlich weiter tun, teilt das Landratsamt mit. Allerdings: Er müsse mit Kontrollen rechnen. Küchenabfälle sollten keinesfalls mehr in den Restmüll gelangen.

Die Stadt Regensburg setzt seit dem Herbst 2017 auf ein Bringsystem: Die Bürger können "in fußläufiger Entfernung" ihren Biomüll loswerden. Dafür verteilte die Stadt Starterkits an die Haushalte - in dem sieben Liter fassenden Eimer können Bioabfälle gesammelt und dann zur Tonne gebracht werden.

Doch auch wo gesammelt wird, gibt es Probleme: Nicht alles, was in der Biotonne landet, gehört dort auch hin. Plastik etwa muss mühsam aussortiert werden. Der Bund Naturschutz rät deshalb, Bioabfälle in altes Zeitungspapier oder Papiertüten einzupacken.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null