Zivilcourage zeigen Wie Münchner lernen zu helfen, ohne den Helden zu spielen

Sein gewaltsamer Tod löste eine breite Diskussion über Zivilcourage aus: Dominik Brunner. Foto: dpa

Zivilcourage zeigen und anderen helfen - nach dem Tod von Dominik Brunner 2009 haben fast 1700 Münchner die Kurse vom Verein "Aktion Münchner Fahrgäste" in Zusammenarbeit mit der Polizei besucht

 

München - Eine Frau ist abends alleine auf dem Heimweg. Sie steigt in eine U-Bahn, wählt einen Platz am Fenster, weit weg von den wenigen anderen Fahrgästen im Zug. Plötzlich torkelt ein Betrunkener ins Abteil, setzt sich ganz dicht neben sie und beginnt sie zu belästigen und anzufassen – eine extrem unangenehme Situation für die Frau.

Wie kommt sie da wieder unbeschadet heraus? Wie soll sie sich verhalten? Und wie können ihr andere helfen? Viele Tipps und ein realistisches Praxistraining für solche und ähnliche Situationen gibt der Verein „Aktion Münchner Fahrgäste“ zusammen mit der Münchner Polizei – seit nunmehr fünf Jahren. Gestern trafen sich die Initiatoren und Beteiligten zum Jubiläum im Verkehrszentrum auf der Schwanthalerhöhe, wo die meisten Kurse stattfinden. „Mit Herz und Verstand – Du hilfst – ich auch!“, lautet das Motto der Kurse. „Es war eines der ersten Projekte, die wir unterstützen wollten“, sagt Andreas Voelmle von der Dominik-Brunner-Stiftung.

Frauen wird zum Beispiel geraten, sich nicht ans Fenster in einer fast leeren U-Bahn zu setzen, wo sie einfacher in eine Ecke gedrängt werden können. Die Polizisten raten vielmehr, sich zu anderen Fahrgästen zu setzen oder wenn das nicht möglich ist, auf einen Gang-Platz. Auch sollten sie beim "Sie" bleiben, wenn sie den Täter ansprechen und mit möglichst lauter Stimme andere Fahrgäste auf die Situation aufmerksam machen.

„Insgesamt 1600 Bürger sowie rund 70 Mitarbeiter der Münchner Verkehrsgesellschaft nahmen seit 2010 an den Kursen teil", berichtete Fahrgäste-Sprecher Andreas Nagel am Donnerstag. Trauriger Anlass, warum die Kurse gegründet wurden, war der tragische Tod des Managers Dominik Brunner. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie am Samstag, den 12. September 2009 bei mir das Handy klingelte“, erzählte Polizeivizepräsident Robert Kopp. Brunner war am S-Bahnhof Solln Jugendlichen zu Hilfe gekommen und brutal angegriffen worden. Kurz nach dem ersten Anruf eines Polizeikollegen bekam Robert Kopp einen zweiten Anruf: Dominik Brunner war kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben.

Schirmherr der Zivilcourage-Aktion ist nach wie vor Christian Ude. Er absolvierte selbst einen Kurs und hatte während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister stets einen Defibrillator im Dienstwagen. Wie so ein „Schockgeber“ bei einem plötzlichen Herzstillstand angewendet wird, wird in den Kursen ebenfalls vermittelt.

An den vierstündigen, kostenlosen Trainings können bis zu 25 Personen teilnehmen. Ab März gibt es wieder freie Plätze.

Infos und Anmeldung unter: www.fahrgaeste.de/training/

 

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