Zirkus in der Kritik Circus Krone: Gekaufte Facebook-Freunde?

Hat sich der Circus Krone Facebook-Freunde gekauft? Foto: Schramek/AZ

Tierschutz-Vereine werfen dem Circus Krone vor, seine Facebook-Freunde vor allem gekauft zu haben. Tatsächlich stammen viele Likes aus Ländern, in denen der Zirkus nie gastiert hat.

München - 130.520. So viele Freunde hat der Circus Krone aktuell bei Facebook. Beobachtet man nach einer Vorstellung die begeisterten Menschenmassen, die an der Marsstraße aus dem Zirkuszelt quellen, erscheint diese Zahl nicht unrealistisch. Zirkus-Fans gibt es in München viele.

Die Tierschutz-Organisationen PETA und AnimalsUnited e.V. glauben dennoch, dass der Circus Krone seine digitalen Fans nicht rechtmäßig gewonnen hat. Sie verdächtigen den Zirkus, Facebook-Freunde gekauft zu haben.

„Wir beobachten die Entwicklung der Facebook-Fans beim Circus Krone schon länger“, sagt Viktor Gebhart, Vorsitzender von AnimalsUnited. „Die Zahlen sind dort oft über Nacht um mehrere Tausend gestiegen. Selbst für ein so großes Unternehmen wie Krone ist das einfach unrealistisch.“

Peter Höffken von PETA bestätigt diese Beobachtungen: „Die Anzahl der Fans dümpelte jahrelang bei unter 10.000. Von Ende April 2013 bis Mitte Juni 2013 schoss die Zahl der Freunde dann plötzlich von 11.000 bis 106.000 in die Höhe.“

Die Zahl der Kommentare und „Gefällt mir“-Angaben unter den einzelnen Beiträgen sei hingegen kaum gestiegen. Auch das sei verdächtig.

Internet-Anbieter für falsche Facebook-Likes gibt es im Netz zuhauf. 1.000 neue deutsche Fans kosten rund 40 Euro. Internationale Fans sind noch günstiger: 1.000 Likes aus anderen Ländern gibt’s bereits für acht Euro.

AnimalsUnited beruft sich bei seinem Vorwurf an den Zirkus auf ein Tool, das „Stern TV“ auf seiner Homepage zur Verfügung stellt. Es prüft die Herkunft der Facebook-Likes von Personen oder Unternehmen, die man manuell eingeben kann. Die Ergebnisse werden aufgeschlüsselt in Tortendiagramm und Tabelle.

Für den Circus Krone ergibt die Prüfung derzeit ein erstaunliches Ergebnis: Knapp 60 Prozent der Facebook-Freunde stammen aus der Türkei. Und das, obwohl der Zirkus dort noch nie gastiert hat. Aus Deutschland kommen nur gut 8 Prozent der Facebook-Fans.

Sollten die vielen neuen Fans beim Circus Krone tatsächlich gekauft sein, muss der Zirkus nicht zwangsläufig selbst dafür verantwortlich sein. Tobias Schrödel hat das Stern-TV-Tool mitentwickelt. Er sagt: „Circus Krone muss die Likes nicht unbedingt selbst gekauft haben. Das kann jeder gewesen sein.“

Schrödel weiß von Werbeagenturen, die – ungebeten – Likes für die Seiten ihrer Auftraggeber erwarben, um zu zeigen, wie effektiv sie arbeiten. Und er erzählt von Stars, deren Fanclubs auf eigene Faust aktiv wurden.

Markus Strobl, Pressesprecher und Facebook-Verantwortlicher des Circus Krone, weist die Vorwürfe entschieden zurück: "Wir haben nix gekauft und niemanden beauftragt."

Er argumentiert: „Ein Facebook-Like hat noch kein Zirkus-Ticket verkauft.“ Die Facebook-Seite des Unternehmens sei lediglich eine „Service-Seite für Fans“. Gefälschte Like-Zahlen hätten deshalb für den Zirkus „gar keinen Sinn“.

Ohnehin bestehe die Hauptzielgruppe des Circus Krone aus kleinen Kindern. „Die sind nicht bei Facebook, sondern sie sehen unsere Plakate auf der Straße. Das ist unsere Werbung.“ Statt bei Facebook Freunde zu kaufen, investiere man lieber in gutes Tierfutter.

Darüber kann Viktor Gebhart von AnimalsUnited nur lachen: „Wenn ein Elefant im Tutu einen Handstand machen muss, ändert besseres Futter auch nichts an der Misere des Tiers.“

Er sieht in dem angeblichen Zukauf von Fans deshalb auch „ganz klar eine PR-Maßnahme. Der Zirkus möchte in unseren Augen sein Image aufbessern.“

Der Zirkus steht immer wieder in der Kritik, weil er Wildtiere auftreten lässt. Die Staatsanwaltschaft München I stellte 2010 „deutliche Haltungsmängel“ und ein „erhebliches Leiden“ der Tiere fest. Dagegen helfen Facebook-Freunde wenig – egal ob gekauft oder echt.

 

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