Zigaretten in Kabine & lasches Training Auch nach Ancelotti-Entlassung: Kein bisschen Frieden

Der Rauswurf beim FC Bayern nagt noch an ihm: Trainer Carlo Ancelotti, der am Donnerstag entlassen worden ist. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Nach der Entlassung von Carlo Ancelotti beim FC Bayern kommen immer mehr Details ans Licht: Spieler beschwerten sich über das Training, in der Kabine wurde geraucht. Sohn Davide wehrt sich.

Ein Friedensprojekt also. Nach seinem Aus als Trainer des FC Bayern widmete sich Carlo Ancelotti am Montag der guten Sache. Der Italiener reiste nach Jerusalem, um im Rahmen des Projekts "Assist for Peace“ muslimische, christliche und jüdische Kinder zu trainieren. Ein ehrenwertes Vorhaben, die Verständigung unter unterschiedlichen Gruppen zu verbessern. Bei den Bayern war Ancelotti vor allem an diesem Punkt gescheitert.

"Schweigen ist eine Tugend, also ist es besser, nichts zu sagen“, erklärte Ancelotti zu seiner vorzeitigen Entlassung. Doch das Lächeln des 58-Jährigen wirkte so gezwungen, dass man eher einen anderen Eindruck bekam: Der Rauswurf arbeitet noch in Ancelotti. Von "Verrat, falscher Taktik, Verschwörungen, falscher Vorbereitung“ sei gesprochen worden, sagte er weiter. Darüber werde er jetzt nachdenken. Tendenz: Von einem Friedensprojekt mit den Bayern ist Ancelotti weit entfernt.

Die AZ erklärt den Bruch zwischen beiden Parteien

Schwere Vorwürfe gegen Ancelotti: Wie sehr das Verhältnis zwischen Trainer und Stars beschädigt war, zeigt ein Bericht des Kicker. So hätten sich Führungsspieler wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Jérôme Boateng mehrmals bei Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge über das zu lasche Training beschwert.

Arjen Robben soll gesagt haben, in der D-Jugend seines Sohnes in Grünwald werde "besser trainiert“. Die Folge: Einige Bayern-Stars organisierten Extra-Einheiten abseits der Säbener Straße. Robben distanzierte sich aber von seiner angeblichen Kritik. "Ich würde niemals gegen einen Spieler oder Trainer nachtreten, der jetzt schon weg ist“, sagte er dem Telegraaf.

Laut Kicker gab es zudem Eifersüchteleien innerhalb des Teams, ein "vergiftetes Klima“. Im Mannschaftskreis sei darüber gesprochen worden, dass "gemeinsame italienisch-spanische Abendessen“ Einfluss auf die Aufstellung gehabt hätten. Als Ancelotti-Lieblinge kristallisierten sich Thiago, Javi Martínez und James heraus. Ebenfalls diskussionswürdig: Ancelottis kaum existente Taktikansprachen und das Rauchverhalten von Fitnesscoach Giovanni Mauri, der sogar in der Kabine dampfte und dem Team manchmal nur ein "dreiminütiges Aufwärmprogramm“ vorgab.

Das sagen die Spieler Hummels und Müller

Mats Hummels wehrte sich nach dem 2:2 in Berlin gegen den Vorwurf, er sei ein "Königsmörder“ gewesen. Er habe niemandem gesagt, dass er unzufrieden wäre. Auf die Frage, ob Ancelottis Aus überraschend früh in der Saison gekommen sei, meinte Hummels: "Ob es schnell war oder nicht – das ist die Frage...“

Die Bayern-Stars wollten öffentlich nicht nachtreten gegen Ancelotti, sie haben ja genug eigene Probleme. "Man kann nicht nur sagen, dass Carlo Ancelotti Fehler gemacht hat“, sagte Ersatz-Kapitän Müller: "Da muss schon jeder vor seiner eigenen Haustür kehren.“

Das sagt die Ancelotti-Seite

Während Ancelotti senior nicht verbal zurückschlagen will, äußert sich Sohn und Co-Trainer Davide. "Es ist hässlich und auch unverständlich, wenn in unserem Fall von einem Clan gesprochen wird“, sagte er der Gazzetta dello Sport. Und weiter: "Ein Coach vertraut seinen Leuten, ob das nun Familienmitglieder sind oder nicht.“ Ein schlechtes Klima habe es im Team nicht gegeben: "Auf professioneller Ebene hatten wir ein gutes Verhältnis, und zwar mit allen.“

Wer jetzt gefordert ist: Während Ancelotti ankündigte, sich in den "kommenden zehn Monaten“ erholen zu wollen – er geht mit Frau Mariann wohl zurück in deren Heimat Kanada –, müssen die Bayern sofort Lösungen finden. Das wird schwer genug. In dieser Woche sind 13 Profis mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. "Wir haben jetzt eine Woche etwas anderes und dann haben wir eine normale Trainingswoche“, sagte Hummels: "Da können wir an Dingen arbeiten.“

Mit welchem Coach? Interimstrainer Willy Sagnol ("Ohne Konzentration sind wir nicht mehr die stärkste Mannschaft Deutschlands“) wollte erst gar nicht Werbung in eigener Sache für eine dauerhafte Ancelotti-Nachfolge betreiben. "Die Frage ist nicht, ob ich die Hoffnung oder den Wunsch habe“, sagte er: "Die Frage ist, was der Vorstand will.“

Auch das ist ein Problem: Vorstandsboss Rummenigge und Präsident Hoeneß sind sich bei der Trainersuche wohl uneinig. Es gab schon friedlichere Zeiten beim FC Bayern.

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