Zeugen berichten vor Gericht Schüsse auf Polizistin: Die Terrorangst in der S-Bahn

Sagten im Prozess als Zeugen aus: Einsatzleiter Michael Storz (li.), Zeugin Helga R. (mi.) und Lokführer Marco M. (re.). Foto: Daniel von Loeper

Vor Gericht schildern Augenzeugen und Retter von den dramatischen Minuten auf dem Bahnsteig in Unterföhring. Der Täter Alexander B. soll in die Psychiatrie.

München - "Wenn ich einen Mann mit großer Brille auf dem Bahnsteig sehe, ist es vorbei." Einen Mann, der in den Augen von Helga R. (55, Name geändert) Alexander B. (38), dem Schützen von Unterföhring ähnelt. Die Münchnerin hat auch zehn Monate nach den Schüssen auf dem Bahnsteig von Unterföhring Probleme, wenn sie mit der S-Bahn fahren soll.

So wie der 55-Jährigen geht es vielen Menschen, die die Schüsse auf die Polizistin Jessica L. am 13. Juni 2017 aus nächster Nähe mitbekommen haben und die in der ersten Verhandlungswoche im Prozess um die Unterbringung des 38-Jährigen in der Psychiatrie aussagen.

Zeugin: "Überall lagen Menschen. Ich dachte, es ist ein Anschlag"

Chiara K. (22) saß in der S-Bahn zum Flughafen und sah bei der Einfahrt, wie die Polizistin mit gezogener Waffe in Stellung ging und von Alexander B. angeschossen wurde. Danach wollte die 22-Jährige aus der S-Bahn raus. "Aber da lagen überall Menschen. Ich hab mich draufgelegt. Ich war die dritte Schicht." Was folgten waren schier endlose Minuten der Angst für die Menschen in der S-Bahn. Chiara K. berichtet, was in vielen Köpfen der Mitreisenden vorging: "Ich dachte, es wäre ein Terroranschlag und gleich stürmen sieben bis acht vermummte Männer in den Waggon."

Die Polizistin Jessica L. (26) ist seit dem Schuss in den Kopf im Wachkoma. Dass sie noch lebt, hat sie auch Karl T. (42, Name geändert) zu verdanken. Der Fernseh-Journalist war aus der S-Bahn ausgestiegen und zu der am Boden liegenden Polizistin gegangen. Ein Sanitäter bat den 42-Jährigen dazu, wies ihn an, die blutende Frau zu beatmen. Das tat dieser bis der Notarzt eintraf. Einsatzleiter Michael Storz organisierte dann den Hubschrauber-Abtransport der verletzten Polizistin und forschte nach dem ebenfalls verletzten Täter.

Viele Zeugen sind traumatisiert

Mit der Erzählung kommen bei Karl T. die Erinnerungen wieder hoch, der Mann kämpft mit den Tränen. Auch er ist in psychiatrischer Behandlung. So wie die meisten, die in diesen Tagen vor Gericht über das berichten, was am 13. Juni auf dem Bahnsteig passierte.

Mehr Glück als die traumatisierten Augenzeugen hatten die Fahrgäste der S-Bahn, in der Alexander B. zuvor einen Fahrgast angegriffen hatte. Lokführer Marco M. (29), der die Polizistin gefragt hatte, ob er noch etwas tun könne, durfte den Zug noch vor den Schüssen aus dem S-Bahnhof fahren – ohne Alexander B.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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