Buch veröffentlicht Luxus-Makler zeigt die Top-Wohnungen Münchens

Hier lässt sich's aushalten... Die exklusivsten Objekte zeigt Rolf Rossius in seinem neuen Buch. Foto: Rolf Rossius/AZ-Montage

Seine Kundschaft zahlt ganze Wohnungen in München mal eben in bar. Schuld an der Wohn-Misere seien aber nicht die Reichen - sondern die Regulierungswut der Politik, sagt Rolf Rossius.

München - Rolf Rossius ist ein höflicher Mann, der sehr korrekt auftritt. Umso schärfer klingen die Worte aus seinem Mund, wenn der Edel-Makler und Bauunternehmer auf die Behörden zu sprechen kommt. Die, sagt Rossius dann zum Beispiel, hätten "sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet".

Am Mittwoch stellte er die Neuauflage seines Buchs "Top Wohnen in München" (475 Seiten, 75 Euro) vor – und ließ nebenher jede Menge Dampf ab. In Richtung von Politik und Behörden, die seiner Meinung nach hauptverantwortlich für die Münchner Wohn-Misere sind. Für sein Klientel ist die extreme Preisentwicklung freilich nicht das große Problem. Man hat es schließlich. In den 60er- oder 70er-Jahren seien noch normale Familien und Mittelständler in seine Wohnungen gezogen, erzählte Rossius am Mittwoch.

Wohnen in München: Alle wollen ins Zentrum

Heutzutage sei das ganz anders. Top-Verdiener drängen in die Stadt – und auf den Wohnungsmarkt. Man hat Geld. Sehr viel Geld. Bei einem Bauprojekt in Schwabing, erzählt Rossius zum Beispiel, seien 63 neue Wohnungen gebaut worden: Nur vier Käufer mussten einen Finanzierungsplan abschließen, die restlichen 59 zahlten die gesamte Summe in bar.

Bauunternehmer Rolf Rossius

Typisch Schwabing? Typisch Innenstadt-Viertel! Rossius sieht weiter einen Trend in die City. "Heutzutage wollen alle ins Zentrum. Dass das einfach nicht geht, verstehen viele nicht", sagte er am Mittwoch. Die allerbesten Lagen der Stadt: eher klassisch. Als die zwei Top-Lagen sieht Rossius die Maria-Theresia-Straße in Bogenhausen und das Schlossrondell am Schloss Nymphenburg.

Viertel wie Solln nicht mehr so gefragt

Und doch geht mit dem Trend zur Innenstadt auch eine leichte Abwertung mancher klassischer Feine-Leute-Gegend einher. Solln, zum Beispiel, sieht Rossius wegen der mäßigen Verkehrsanbindung explizit nicht mehr als ein Viertel "mit besonderer Wertsteigerung". Ein Trend, den er bei seinen Kunden derzeit beobachtet: der Wunsch nach immer noch größeren Wohnungen.

Rossius kann die Entwicklungen gut einschätzen. Schließlich ist er lange genug im Geschäft. Schon 1964 stiegen er und sein inzwischen verstorbener Bruder ein. Er erzählt vom einstigen Oberbürgermeister Schorsch Kronawitter (SPD). Der habe zu wenige Wohnungen gebaut und so auch eine Mitschuld an der heutigen Wohnmisere (seine Nachfolger sieht er etwas milder. Deren "Aufholjagd" sei aber zu spät gekommen).

Rossius sieht Probleme beim sozialen Wohnungsbau

Ein besonderes Problem sei bis heute der soziale Wohnungsbau, so Rossius. "Diese Probleme fangen schon beim Erwerb von Grundstücken an. Da gibt es keinen Festpreis, sondern der Höchstbietende gewinnt." Dass sich soziale Wohnungen dann kaum noch lohnen, sei ja selbstverständlich. Es gäbe auch weitere Kosten und Auflagen, sie es fast unmöglich machten soziale Wohnungen zu bauen.

Ein besonders skurriles Beispiel erzählt Rossius auch: Beim Bau neuer Wohnungen hatte er einen Spielplatz im Vorgarten vorgesehen. Dies wurde allerdings abgelehnt und er bekam anstatt die Erlaubnis einen Spielplatz auf dem Flachdach des Gebäudes anzulegen. "Das muss man sich mal vorstellen, selbst mit einem hohen Zaun drumherum ist das doch gefährlich." Ein anderes Beispiel sind die Tiefgaragen für soziale Wohnungen. So würden im Hasenbergl Tiefgaragen gebaut, weil sie vorgeschrieben sind. Die stehen dann leer – weil die Bewohner sich gar keine Autos leisten können.

Die besten Straßen Münchens

"Die drei wichtigsten Faktoren, die den Wert einer Immobilie bestimmen, sind Lage, Lage und nochmals Lage". So begann Bauunternehmer Rolf Rossius vor 20 Jahren das erste Buch "Top Wohnen in München". In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Alle fünf Jahre legt Rossius das Buch neu auf, er zeigt die besten, schönsten und teuersten Straßen der Stadt. Die AZ erklärt die Höhepunkte der Immobilienbibel.

Bogenhausen
Wie auch vor fünf Jahren ist eine der Topadressen in Bogenhausen. "Die Maria Theresia Straße wird auch in 10, 20 Jahren alle andere Lagen in München überragen" so Rolf Rossius. Sogar einen privaten Isarstrand hätten die Häuser. "Das ist einzigartig, die Isar rauscht vorbei, die Biber rauschen vorbei", schwärmt Rossius. Mietpreise reichen von etwa 25-38 Euro pro Quadratmeter.

Nymphenburg
Hier befindet sich Rossius zweites Highlight: das Schlossrondell. Die Kavaliershäuschen dort seien eigentlich unbezahlbar, und würden für mehr als 25 Millionen Euro gehandelt. "Man darf sich nur nicht an den Touristen stören", so Rossius. Mietpreise wären circa 28-35 Euro pro Quadratmeter.

Stadtmitte
Gerade im Zentrum überrascht das Buch von Rolf Rossius manchmal. Denn auch Lagen, die als sehr nobel gelten, sind nicht immer top bewertet: Die Prinzregentenstraße ist wegen des hohen Verkehrsaufkommens zum Beispiel nicht so begehrenswert. Die Mietpreise reichen "nur" von 18-28 Euro pro Quadratmeter.

Harlaching
Grün und edel ist das Viertel im Münchner Süden. In Harlaching hat nicht nur König Ludwig I seine Geliebte Lola Montez untergebracht, sondern hier bauten auch NS-Parteigrößen ihre Villen in den dreißiger Jahren – samt als Kegelbahn getarntem Schießstand. Besonders schön und gut bewertet ist zum Beispiel die Sutnerstraße: Hier reichen Mieten von ca. 18-24 Euro, die Preise werden wohl noch steigen. Allerdings kommen Objekte in dieser Straße überhaupt nur sehr selten auf den Markt.

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