Zehn Tote seit 2005 Steilufer: Todesgefahr am Riemer See

Steilufer: Der Riemer See beim Bau 2004/2005. Foto: Gabriele Mühltaler

Seit 2005 sind im Riemer See bereits zehn Menschen ertrunken. Der Baggersee hat ein gefährliches Steilufer, das Sicherheitskonzept der Wasserwacht ist problematisch.

Riem – Der Riemer See lockt mit karibikblauem Wasser und breiten Stränden am Nord- und Ostufer. Gemächlich fällt der Seegrund von den breiten Rasenstufen an der Promenade bis auf 1,50 Meter Tiefe ab. So mancher Nichtschwimmer fühlt sich sicher und ahnt nicht, dass der nächste Schritt den Tod bedeuten kann.

Ab 1,50 Metern Tiefe geht es mit 33 Zentimetern pro Meter plötzlich steil hinab. Wer gerade noch den Kopf über Wasser hatte, geht einen Schritt weiter unter. So ging es vermutlich der 22-jährigen Rumänin, die am Sonntag ertrank. Sicherer ist der Kiesstrand im Osten. Die Wasserwacht kann ihn gut einsehen, während der bis zu 18 Meter tiefe Hauptsee hinter einem Uferknick verborgen bleibt. Mit Fahrradstreifen gleicht man das Manko etwas aus und hofft, dass Notfälle über am Seeufer verteilte Telefone gemeldet werden.

„Die Wasserwacht-Station liegt an der ungünstigsten Stelle. Viel besser wäre der Überblick nach dem Uferknick“, meint einer der Wasserwachtler. Das habe man schon bei der Planung angemerkt. Der Stadtrat aber beschloss den Standort, weil ein möglicher Biergarten die teuren Versorgungsleitungen ebenfalls nutzen könnte und die Wohnbebauung weit entfernt liegt.

„Der Standort ist ungünstig, ein anderer würde die Problematik aber nicht entschärfen. Meist gehen Ertrinkende still unter“, so Peter Behrbohm vom BRK-Kreisverband München. „Von zehn Notfällen wurde durch Zufall einer von der Wasserwacht erkannt. Freunde machten darauf aufmerksam, dass einen 15-jährigen die Kräfte verließen. Alles andere wurde durch Badende gemeldet“, so Behrbohm. Webcams oder Beobachtungstürme seien da nicht hilfreich. Weil sich in Seen der Untergrund ständig verschiebe, brächten auch Schilder „Nur Schwimmer“ nichts.

„Das Kernproblem: Immer weniger Kinder lernen schwimmen. Die Sorglosigkeit hat stark zugenommen. Wir appellieren an alle, eigenverantwortlich zu handeln, auf andere zu achten und im Notfall beherzt zuzugreifen.“

 

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