Zahlreiche Beschwerden LMU-Klinikum beurlaubt Direktor Gerd Koslowski

Das Hauptgebäude des Universitätsklinikums Großhadern und Gerd Koslowski. Foto: dpa/ho

Gerd Koslowski, der intern umstrittene Chef über die Finanzen im Klinikum Großhadern, hat seinen Schreibtisch geräumt. Was die Klinik zur Trennung und über die Verdienste Koslowskis sagt.

 

München - Mit einem kleinen Umtrunk im Kreise seiner engsten Mitarbeiter hat am Freitag die neunjährige Amtszeit von Gerd Koslowski als kaufmännischer Direktor des Klinikums Großhadern geendet. Nach AZ-Informationen wurde der 45-Jährige zum 15. November beurlaubt – sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Herbst 2017.

„Es war eine gute Zeit für mich“, sagt der scheidende Klinik-Chef

Der Mann, der eine der größten Kliniken Europas mit mehr als 2.500 Betten, rund 9.000 Mitarbeitern und bei Amtsantritt 700 Millionen Euro Umsatz übernehmen sollte, war von Anfang an umstritten. Der Diplom-Kaufmann kam vom Kreiskrankenhaus Landsberg (225 Betten) nach München. 2007 war Thomas Goppel (CSU) Wissenschaftsminister, dessen Wahlkreis wiederum Landsberg war. Als Wissenschaftsminister stand Thomas Goppel gleichzeitig dem Aufsichtsrat vor, das das Aufsichtsorgan des Uni-Klinikums ist. Der Aufsichtsrat besteht aus fünf Staatsbeamten und dem Minister. Das sah nach Spezl-Wirtschaft aus.

Die Vorwürfe, die aus der Klinik kamen, waren aber ganz anderer Art. Dort warfen dem neuen Klinik-Chef bereits nach kurzer Zeit viele vor, er sei selbstherrlich und rüde im Umgangston. Zu Krankenschwestern sagte er schon mal: „Ich bin hier der Herr über alles!“ Ärzte und Professoren soll Gerd Koslowski aber ebenso vor den Kopf gestoßen haben. „Ärztliche Direktoren haben mir gar nichts zu sagen“, soll er geäußert haben. Über den Dekan der Medizinischen Fakultät sagte er den mittlerweile legendären Satz: „Will der uns anpissen!? Ich habe den längeren Strahl.“

Langjährige Mitarbeiter wurden offenbar grundlos versetzt, es gab viele arbeitsrechtliche Verfahren – und auch Mobbingvorwürfe. In einem von vielen Beschwerdebriefen an den Bayerischen Landtag hieß es 2011: „Seit dem Amtsantritt von Herrn Koslowski herrscht ein Klima der Angst und Verunsicherung bei den Mitarbeitern.“

Ein Beschwerdebrief von 20 Direktoren besiegelte das Aus

Es war erneut ein Beschwerdebrief, der nun zur endgültigen Trennung führte. In einem vom 22. März diesen Jahres datierten Schreiben an Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle klagten 20 Klinik- und Institutsdirektoren, Gerd Koslowski würde das LMU-Klinikum führen „wie eine Privatklitsche oder eine Kreisklinik, nicht wie ein Uni-Klinikum“. Der Vorwurf spielt auf Koslowskis früheren Arbeitgeber, das Kreiskrankenhaus Landsberg an.

Hintergrund des Vorwurfs ist, dass sich viele Professoren durch Sparmaßnahmen und gestrichene Stellen in ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit beschnitten fühlten. „Koslowski hat nie verinnerlicht, dass das Uni-Klinikum auch ein Wissenschaftsbetrieb ist und nicht nur der medizinischen Versorgung dient“, behauptet ein Insider. „Es gibt Kliniken, die durch seine Sparmaßnahmen an den Rand der Arbeitsunfähigkeit gekommen sind.“

In einer Mitteilung hieß es am Freitag, dass Gerd Koslowski im Mai bekanntgegeben habe, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stehe. Doch obwohl sein Vertrag erst in zehn Monaten ausläuft, trennt man sich bereits jetzt. Am Freitag war Koslowskis letzter Arbeitstag in Großhadern. „Innerhalb des Vorstands des Klinikums ist man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass für die nun anstehenden, zukunftsweisenden Entscheidungen eine weitere Zusammenarbeit nicht zielführend ist“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung des Uni-Klinikums.

Gerd Koslowski sagte zur AZ: „Es war eine gute Zeit für mich persönlich.“

Im Wortlaut: Die Mitteilung des Uni-Klinikums

Das Uni-Klinikum nahm in einer Aussendung zur Personalie Koslowski wie folgt Stellung:

"Der Aufsichtsrat und der Kaufmännische Direktor, Gerd Koslowski, hatten bereits nach der Aufsichtsratssitzung im Mai bekannt gegeben, dass Herr Koslowski nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht. Nachdem der vierköpfige Vorstand des Klinikums bei der Aufsichtsratssitzung am 9. November 2016 den Wirtschaftsplan für das kommende Jahr verabschiedet hat, gehen Klinikum und Koslowski getrennte Wege. Innerhalb des Vorstands des Klinikums ist man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass für die nun anstehenden, zukunftsweisenden Entscheidungen eine weitere Zusammenarbeit nicht zielfhrend ist. Der Aufsichtsrat hat daher dem Ausscheiden von Herrn Koslowski zum 15.11.2016 zugestimmt.

Während seiner Amtszeit hat Gerd Koslowski gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen das Klinikum der Universität München vor allem hinsichtlich wirtschaftlicher und baulicher Anforderungen neu strukturiert. Besonders hervorzuheben ist das Konzept für den Campus Innenstadt und der Bau der interdisziplinären Portalklinik. Hinzu kommen Projekte wie der Neubau des Radiopharmaziezentrums, der Kinderpalliativmedizin und des Centrums für Schlaganfall- und Demenzforschung am Campus Großhadern. Bereits mit Blick auf die Masterplanung für den Campus Großhadern konnte 2014 das neue OP-Zentrum eröffnet und 2015 der Architektenwettbewerb für das Neue Hauner abgeschlossen werden. Der Ausbau der IT-Technologie, die Entwicklung und Umsetzung eines neuen Logistikkonzeptes sowie die wirtschaftliche Konsolidierung vor dem Hintergrund steigender Personal- und Sachkosten sowie die DIN ISO-Zertifizierung im Verwaltungsbereich sind weitere wichtige strukturelle Maßnahmen, für die die Kaufmännische Direktion federführend verantwortlich ist.

Der Vorstand und der Aufsichtsrat danken Gerd Koslowski für seine erfolgreiche Arbeit trotz zunehmend schwieriger werdender Rahmenbedingungen. Die jetzige Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Kommissarisch wird Koslowskis Stellvertreter und Leiter der Personalabteilung, Philip Rieger, die Aufgaben übernehmen. Eine Findungskommission des Aufsichtsrats bereitet die Nachfolgeregelung vor. Die Bestellung des Kaufmännischen Direktors oder der Kaufmännischen Direktorin des Klinikums erfolgt durch den Aufsichtsrat des Klinikums und ist jeweils auf fünf Jahre befristet."