Yannic Seidenberg spricht „Ich hatte Angst, dass meine Karriere vorbei ist“

Yannic Seidenberg bei seinem Comeback gegen Berlin. Foto: GEPA pictures/ho

Eine Beinverletzung setzt EHC-Stürmer Yannic Seidenberg vier Monate außer Gefecht, jetzt ist er wieder da – und spricht in der Abendzeitung über die harte Zeit.

 

AZ: Herr Seidenberg, Sie haben nach viermonatiger Verletzungspause gegen die Eisbären Berlin endlich Ihr Comeback für den EHC Red Bull München geben können. Eine echte Befreiung, oder?

YANNIC SEIDENBERG: Absolut! Ich bin einfach überglücklich. Es klingt vielleicht pathetisch, aber Eishockey ist mein Leben, es ist das, was ich mache, seit ich ein kleines Kind war – und eben liebe. Es war eine sehr schwere Zeit für mich. Ich denke, die schwerste in meiner bisherigen Karriere. Wenn einfach der Fortschritt beim Bein ausbleibt, man so gar nicht das Gefühl hat, dass es vorangeht.

Sie werden im Januar 32, fürchtet man bei so einer schweren Knieverletzung, dass das Karriereende droht?

Ja, diesen Gedanken hatte ich, man fragt sich, war es das jetzt? Muss ich mich nach etwas anderem umsehen? Diese Gedanken waren mein Begleiter. Wie gesagt, es war eine sehr schwere Zeit, es war teilweise schon so, dass mich meine Kinder kaum aufmuntern konnten. Ich denke, das sagt schon alles aus. Man kämpft und kämpft und kämpft und es geht einfach nicht vorwärts. Ich war mir bewusst, dass es komplizierter ist, dass es nicht ganz leicht wird, wiederzukommen, aber dass es so eine lange Leidenszeit würde, hätte ich mir dann doch nicht ausmalen können. Jetzt bin ich einfach nur überglücklich, dass ich wieder auf dem Eis stehen kann, dass ich dem Team wieder helfen kann und nicht zum Zuschauen verdammt bin.

Trainer Don Jackson hat Sie nach dem 2:1-Sieg gegen die Berliner besonders gelobt.

Das hört man natürlich sehr, sehr gerne. Wie Sie schon sagten, es ist eine Befreiung für mich, wieder spielen zu können. Ich musste ja lange genug darauf verzichten.

Wie haben Sie denn die Zeit in den letzten Monaten rumgebracht, damit die dunklen Wolken im Kopf nicht zu dominant werden?

Die Reha hat natürlich sehr viel Zeit in Anspruch genommen, und wenn ich dann nach Hause gekommen bin, habe ich mich um die Kinder gekümmert, sie zu ihren diversen Aktivitäten gefahren, und wenn man sie dann wieder abholt, ist der Tag eh nicht mehr sehr lange. Ich bin keiner, der wahnsinnig viel liest, ich liege dann eher auf dem Sofa und versuche, zu entspannen.

Am Dienstag geht es gleich weiter für Sie – ausgerechnet gegen Ihren Ex-Verein Adler Mannheim, die gerade in einer Minikrise stecken.

Das hat bei denen nichts zu sagen, Mannheim hat so eine gute Mannschaft, die darf man nie unterschätzen. Für mich sind diese Spiele immer besonders, ich habe dort viele Jahre zugebracht, habe dort immer noch sehr viele Freunde, daher freue ich mich ungemein, dass ich dabei sein kann.

Ein Dienstagsspiel, das wird interessant. Denn freitags verliert der EHC zur Zeit immer, um dann sonntags zu gewinnen. Irgendeine Erklärung für dieses Phänomen?

Nein. Mir war das sogar erst gar nicht so bewusst, dass es immer dieser Freitag ist, an dem wir verlieren. Woran es liegt? Meist sind es Kleinigkeiten, individuelle Fehler, aber wir finden als Team immer besser in unser System, werden konstanter. Für mich überwiegt auch da das Positive. Ja, wir verlieren am Freitag, aber wir zeigen jedes Mal Charakter und kommen dann am Sonntag zurück, das muss man auch erst einmal schaffen. Mir ist es auch lieber so, als etwa in der vergangenen Saison, als wir sehr gut in der regulären Spielzeit waren, aber dann in den Playoffs gleich gescheitert sind. Andersrum ist es mir lieber.

 

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