Wolfsburg-Coach und Ex-Bayer im Interview Ismael: "Bayern lässt im Moment viel zu"

, aktualisiert am 07.02.2017 - 09:48 Uhr
Nicht immer fehlerfrei: Die Bayern-Abwehr, hier beim Liga-Spiel gegen Schalke 04 (1:1). Rechts: Valérien Ismael während seiner Bayern-Zeit. Foto: dpa/Rauchensteiner/Augenklick

Wolfsburgs Trainer Valérien Ismael spricht in der AZ über die Chancen im Pokalspiel, die beiden Stürmer Lewandowski und Gomez und die brenzlige Lage beim VfL: "Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle".

 

München - Der 41-Jährige spielte von 2005 bis Ende 2007 beim FC Bayern. Seit Oktober trainiert Ismael den VfL Wolfsburg.

AZ: Herr Ismael, Ihrem Ex-Klub FC Bayern gehen gerade die Innenverteidiger aus. Wären Sie körperlich eigentlich noch in der Lage, zu helfen?
VALÉRIEN ISMAEL: (lacht) Das würde nicht mehr gehen. Ich bin jetzt Trainer – und das ist auch gut so.

Sie haben selbst gegen einige Weltklassestürmer gespielt: Wie kann man einen Mann wie Robert Lewandowski erfolgreich bekämpfen?
Das funktioniert nur im Mannschaftsverbund, wenn wir taktisch clever agieren und uns gegenseitig absichern. Wir haben Lewandowski gut analysiert.

Was macht Lewandowski aus Ihrer Sicht so gefährlich?
Er hat die Fähigkeit, sich in eine Abschlussposition zu bringen, wo eigentlich gar keine ist. Manchmal hat man das Gefühl, er sei gedeckt, aber dann findet er doch eine unglaubliche Lösung. Das macht ihn unberechenbar.

Sie können einen anderen Top-Stürmer dagegenhalten: Mario Gomez.
Er und Lewandowski sind völlig unterschiedliche Typen. Mario hat in den letzten Spielen bewiesen, dass er ein sehr wichtiger Spieler für uns ist, ein echter Torjäger. Er hat den Riecher im Strafraum, das ist seine größte Stärke.

Die Bayern haben in den drei Spielen dieses Jahres noch nicht überzeugt: Ist es ein guter Moment, um gegen sie zu spielen?
Es gibt nie einen guten Zeitpunkt, gegen Bayern zu spielen. Aber sie lassen im Moment sehr viel zu. Wir wollen unsere Chance nutzen. Aber die Bayern können mit ihrer Klasse immer zuschlagen.

Was macht Sie optimistisch, dass es für Ihre Mannschaft besser läuft als im Dezember, als die Bayern 5:0 gewannen?
Das ist Pokal, ein anderer Wettbewerb, eine neue Chance. Ich weiß das, weil ich den Pokal selbst zweimal gewonnen habe. Wir werden alles versuchen, um für eine Überraschung zu sorgen.

"Gegen Bayern muss alles passen"

Es ist für Wolfsburg die Chance, eine bislang enttäuschende Saison mit einem Spiel vergessen zu machen. Ziehen Sie daraus zusätzliche Motivation?
Es ist im Moment eine Achterbahnfahrt der Gefühle für uns, das stimmt. Wir haben am Wochenende eine sehr gute Leistung in Köln abgeliefert und nur durch eine unglückliche Elfmeterentscheidung verloren. An die Leistung wollen wir anknüpfen.

2008 haben Sie im Film "Asterix bei den Olympischen Spielen" die Stimme von Numérodix synchronisiert: Wie sieht Ihr Zaubertrank für morgen aus?
(lacht) Die Taktik kann ich natürlich noch nicht verraten. Aber es ist wichtig, dass wir mutig sind, dass wir unsere Chancen suchen, dass wir gegen den Ball diszipliniert sind. Aber klar: Gegen Bayern muss alles passen.

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Sie standen von 2005 bis Ende 2007 selbst beim FC Bayern unter Vertrag. Wie viel "Mia san mia" steckt noch in Ihnen?
Bei den Bayern geht es immer darum, ein Gewinnertyp zu sein, immer an den Sieg zu glauben – auch wenn man nicht gut drauf ist. Es braucht natürlich Zeit, bis man ein solches Gefühl bei einem anderen Verein entwickelt.

"Das Double war ein tolles Erlebnis"

2005, als Sie zu den Bayern wechselten, startete auch ein gewisser Philipp Lahm seine Karriere. Haben Sie ihm damals einen solchen Weg zugetraut?
Philipp war sehr ehrgeizig, sehr diszipliniert. Er hat das komplett durchgezogen, bis heute. Er ist ein Musterprofi, ein echter Dauerbrenner auf höchstem Niveau. Da kann man nur den Hut ziehen.

Welche ist die schönste Erinnerung Ihrer Bayern-Zeit?
Das Double 2006 war ein tolles Erlebnis, gleich in meinem ersten Jahr bei Bayern.

Schöner als Ihr Meistertitel mit Werder Bremen, den Sie 2004 im Münchner Olympiastadion perfekt machten?
Das war etwas ganz Spezielles und unter den Umständen von damals ein anderes Gefühl. Es gab ja eine große Rivalität zwischen Bayern und Bremen und einen Showdown vor diesem Spiel. Uli Hoeneß hat uns richtig attackiert. Dass du dann da hinfährst drei Spieltage vor Schluss und eine überragende Saison mit dem Titel und einem Sieg in München krönst, war etwas ganz Besonderes und völlig unerwartet.

Heute werden Sie Uli Hoeneß wohl wiedersehen. Wie wichtig ist seine Rückkehr für den FC Bayern?
Absolut wichtig. Er ist der FC Bayern, eine Identifikationsfigur, ein fixer Punkt für die Spieler. Er hat so viel für den Verein getan. Er gehört dorthin.

 

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