Wohnwahnsinn Mieterverein rügt: Zu viel Wohnraum geht an Touristen

Stadt eingeben, buchen, einziehen: Im Internet gibt es mehrere Plattformen, auf denen Touristen Wohnungen angeboten werden. Foto: imago

Rund 2.000 Münchner Wohnungen werden als Ferienbleibe für Urlauber zweckentfremdet. Ein illegales Geschäft, schimpft der Mieterverein. Die Stadt soll nun härter dagegen vorgehen

 

München - Mieter können durchaus anstrengend sein. Sie wollen eine schöne Wohnung, wollen, dass man sich um sie kümmert und sie trotzdem in Ruhe lässt, machen ständig was kaputt und kommen dann mit den Reparaturen. Und außerdem verdienen sie oft auch noch so schlecht, dass sie bei jeder Mieterhöhung gleich anfangen zu jammern.

Wie viel pflegeleichter sind da Touristen. Sie sind dankbar für die Unterkunft, schauen nicht auf jede Kleinigkeit, sind bald wieder weg und zahlen gut. Eine Wohnung an Urlauber zu geben, das ist einfach, unverbindlich und lukrativ. Welcher Mieter zahlt schon 100 Euro pro Nacht in seiner Wohnung?

So denken viele Münchner Wohnungseigentümer. Um mehr Profit mit ihren Immobilien zu machen, vermieten sie diese nicht mehr dauerhaft an Münchner, sondern tageweise an Touristen. Rund 2000 Wohnungen werden einer Schätzung des Münchner Mietervereins zufolge auf diese Weise zweckentfremdet. Wertvoller Wohnraum, der so vom Münchner Mietmarkt verschwindet.

Internetportale wie „Airbnb“ machen es den Laien-Hoteliers leicht: Dort kann man eine Wohnung einfach und in attraktiver Aufmachung anbieten. „Bei einem Großteil der Angebote ist es offensichtlich so, dass die Anbieter die Vermietung an Touristen gewerblich betreiben“, sagt Mietervereins-Chefin Beatrix Zurek. „Das ist gesetzeswidrig.“

Zum einen, weil Wohnraum auf diese Art zweckentfremdet wird. Zum anderen, weil wohl die wenigsten Vermieter die Einnahmen aus den Urlaubs-Übernachtungen versteuern. Selbst wenn man nicht die ganze Wohnung, sondern nur ein Zimmer anbiete, könne das schon illegal sein.

Beatrix Zurek, die für die SPD im Stadtrat sitzt, fordert: „Die Stadt muss mehr dagegen tun!“ In Hamburg biete das Wohnraumgesetz etwa die Möglichkeit, auch Online-Portalbetreiber zu belangen und von diesen Auskunft über Anbieter zu bekommen.

„Die Stadt könnte wagemutiger und ergebnisorientierter sein“, meint Zurek. Mehr Kontrollen könnten illegal Gewerbetreibende abschrecken.

 

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