Wohnungsmarkt Die billigsten Wohnungen Münchens

Für ihre 3-Zimmer-Wohnung in Moosach zahlen die Krasniqis 233 Euro Grundmiete. „Wir haben hier selber gefliest, eine neue Toilette und eine Dusche eingebaut“, sagt der Familienvater. Foto: Thomas Deterding

Für ihre 3-Zimmer-Wohnung in Moosach zahlen die Krasniqis 233 Euro Grundmiete. „Wir haben hier selber gefliest, eine neue Toilette und eine Dusche eingebaut“, sagt der Familienvater.

 

MÜNCHEN - Luxussanierungen überall. Manchmal fragt man sich schon, wo eigentlich die Menschen mit dem eher kleinen Geldbeutel wohnen. Viele Münchner würden wohl gerne auf die ein oder andere Sonderausstattung verzichten, hätten sie dafür eine günstigere Miete.

Manche haben Glück: zum Beispiel der 28-Jährige Jusuf Krasniqi und seine Familie aus Moosach. Sie sind Mieter einer sogenannten Einfach- oder Sub-Standard-Wohnung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG. Einfachwohnung, das heißt: Wohnen ohne Badezimmer und mit Ofenheizung. Eine Toilette mit Waschbecken gibt es aber schon. Nach zehn Jahren in Augsburg wollte Jusuf Krasniqi unbedingt wieder zurück nach München. Er ist hier aufgewachsen, seine Eltern und Geschwister leben in München.

Endlich muss er auch nicht mehr zur Arbeit pendeln. Die Suche nach einem bezahlbaren Heim für eine Familie mit zwei Kindern war schwierig. "Ich hab gesucht wie ein Wahnsinniger, aber einfach nichts gefunden", sagt Krasniqi mit leicht Münchnerischem Akzent. Er arbeitet bei Karstadt in der Warenannahme, seine Frau als Altenpflegerin auf 400-Euro-Basis. Großverdiener sind sie also nicht.

Nach drei Monaten Wartezeit kam die Zusage für eine Einfachwohnung, die Freude war riesengroß. Ein Nest für Jusuf, Afrodite und die Kinder Edison (8) und Anischa (6). Für die 3-Zimmer-Wohnung mit 53,35 Quadratmetern zahlt der Familienvater 233 Euro Grundmiete. Das sind 4,37 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen Betriebskosten von 190 Euro sowie Kosten für Strom und Gas.

„Wir sind sehr glücklich über diese Wohnung. Das ist irrsinnig günstig“, sagt Krasniqi. Dabei hat er in dieser Nachbarschaft eine der teuersten Wohnungen, aber auch eine der größten. Zwei von Jusufs Geschwistern wohnen ganz in der Nähe. In Augsburg wohnte die Familie auf 180 Quadratmetern. „Wir mussten uns natürlich einschränken“, sagt Krasniqi, „einen großen Teil unserer Möbel haben wir verschenkt.“

Dennoch haben die Krasniqis etwas gemacht aus ihrem kleinen Zuhause. „Als wir hier das erste Mal rein kamen, sah es wüst aus“, sagt Afrodite Krasniqi (28). Der Vormieter hatte jahrelang nicht renoviert und stark geraucht. Das Haus wurde 1943 erbaut, die Wohnung ist eng und verwinkelt. In der kleinen Diele gehen sich schon zwei Erwachsene im Weg um. Mit 2,20 Metern Höhe sind auch die Decken ziemlich niedrig.

Jusuf Krasniqi hat gemeinsam mit seinem besten Freund wochenlang nach Feierabend renoviert und eigentlich alles in der Wohnung neu gemacht. Tapeten abgezogen, Wände neu verputzt und tapeziert, Boden verlegt. „Wir haben hier selber gefliest, eine neue Toilette und eine Dusche eingebaut“ sagt Krasniqi. Richtig modern ist die Wohnung geworden. In der Küche ist eine Wand mit einer lila Tapete mit Blätterranken verziert. In der Mitte steht eine Couch, es gibt eine Essecke und natürlich eine Küchenzeile.

Im Wohnzimmer dominiert eine schwarz weiße Tapete mit barockem Schnörkelmuster. Die schwarze Couch und selbst der Läufer auf dem Tisch sind darauf abgestimmt. Die Vorhänge hat Afrodite selbst genäht. „Neulich war jemand von der Hausverwaltung da, den ich gebeten hatte die Fenster abzudichten. Er hat uns dann gleich auch die alten 50er-Jahre-Türgriffe gegen neue ersetzt, damit sie zur Einrichtung passen“, freut sich Krasniqi. Trotzdem ist es etwas kühl in der Wohnung der jungen Familie. Es gibt keine Heizung. Der Gasofen in der Wohnküche läuft jetzt auf vollen Touren.

Dabei ist noch gar nicht so richtig Winter. Das angrenzende Kinderzimmer wird so einigermaßen mitgeheizt, dennoch schlafen die Kinder im Winter auf der Ausziehcouch in der Küche. Wie damals in Omas guter Stube. Für 30 Euro mehr Miete monatlich könnte die Familie einen zweiten Gasofen bekommen. Krasniqi scheut aber die zusätzlichen Kosten. So wird im Wohnzimmer bei Bedarf mit einem Heizlüfter eingeheizt. Die Eltern nehmen zum Schlafen einfach eine zweite Decke. Es gefällt ihnen hier.

In der Nachbarschaft gibt es viele Spielkameraden für Edison und Anischa. Im Sommer sitzen die Nachbarn oft draußen zusammen. Im Stockwerk über den Krasniqis wohnt eine über 80-Jährige Dame, die regelmäßig auf die Kinder aufpasst. In der Familie nennen sie alle nur „Oma“. Im Gegenzug erledigt Krasniqi Reparaturen für sie. Für die Krasniqis wird ihre Schnäppchen-Wohnung wohl in ein paar Jahren zu klein werden. „Irgendwann brauchen die Kinder dann doch getrennte Zimmer“, sagt Afrodite. An die Wohnungssuche, die dann droht, wollen sie lieber noch gar nicht denken.

 

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