Wohlfühlzone statt Verkehrsinsel München/Isartor: Spektakulärer Vorschlag zur Neugestaltung

Die Vision für das alte Tor aus dem 14. Jahrhundert: Ein vier Meter tiefer Graben mit Stadtbach und viel Grün umgibt es. Die Brücke ist bewusst modern. Foto: Visualisierung: Formstadt

Das eingezwängte Isartor soll wieder Eingangsportal sein: Architekt Markus Uhrig wirbt mit einem spektakulären Vorschlag für seinen Altstadt-Traum.

München - Das mächtige Isartor – heute steht es auf einer kleinen Verkehrsinsel. Wer sich am Isartor verabredet, trifft sich nie am Stadttor, sondern immer daneben – etwa an der Treppe zur S-Bahn im Tal. "Das Isartor hat keinen Raum. Es ist eingezwängt und verkehrsumspült, dabei war es früher das wichtigste und repräsentativste Stadttor von München", sagt Architekt Markus Uhrig.

Der historisch interessierte Mann aus dem Gärtnerplatzviertel möchte dem Isartor ganz konkret seine "Würde" zurückgeben – und München "münchnerischer" machen. Von einer aufwendigen Stadtreparatur am Isartor und im Tal träumt Uhrig. Um viele Münchner als Mitstreiter zu begeistern, hat er farbige Visualisierungen erstellt. Sie zeigen, wie ein "erlebbares Eingangsportal" zum Tal einmal aussehen könnte.

Mehr Lebensqualität mit Hilfe eines Stadtgrabens

Vor über 300 Jahren wurden an dem Tor hohe Salzzölle kassiert. Viele Fuhrwerke passierten das Isartor, um Waren abzuladen und im Tal die Pferde zu tränken, mit Wasser aus damaligen Stadtbächen – die an dieser Stelle aus Hygienegründen zugeschüttet wurden.

Die Grundidee des Architekten: Grün und Lebensqualität in die Altstadt bringen. Seine Zukunftsvision zeigt das Isartor gesehen vom Ring: Die fünfspurige Straße ist Richtung Isar versetzt – für einen 30 Meter breiten und vier Meter tiefen Stadtgraben – ähnlich, wie es ihn einmal gab. Durch das Grün plätschert ein neuer Stadtbach, auch zwei Wasserfälle sind angedacht. Um ja nicht historisierend zu wirken, führt eine extra moderne Brücke zum alten Stadttor.

Umgestaltungsideen auch fürs Tal

Das Sperrengeschoss der S-Bahn sollte zum Graben hin geöffnet werden. Die im Bau befindliche Tiefgarage unter dem Altstadtring könnte bis auf die Höhe der Brücke, mit Ausgang zum Graben, vergrößert werden. "Hier kann sich entspanntes Leben abspielen. Das trägt zur Entschleunigung bei. München bleibt sonst unter seinen Möglichkeiten, das fände ich schade", wirbt der Architekt für seinen Traum.

Seine Vision reicht aber noch weiter – bis ins Tal: Erst vor zwei Jahren hat die Stadt hier Gehsteige verbreitert, Bänke und Fahrradständer aufgestellt. Am Montag hat Uhrig in seinen Räumen in der Reichenbachstraße seine Vorstellungen zu einer Fußgängerzone im Tal präsentiert: In der Mitte fließt ein zwei Meter breiter Stadtbach, 40 Zentimeter tief – flankiert von niedrigen Platanen und von neun Brücklein überspannt.

Vorschlag stößt auf Zustimmung

Zehn Geschäftsleute aus dem Tal waren gekommen, um Uhrigs Plänen zu lauschen. Stadträtin Bettina Messinger (SPD) kam in Vertretung von OB Dieter Reiter, der als Anhänger einer neuen Fußgängerzone hier gilt. "Die Stadt entwickelt sich. Die Ideen finde ich erstmal spannend, ich muss sie ja nicht in der nächsten Sekunde umsetzen. Das Problem mit der Fußgängerzone ist der Lieferverkehr, der immer mehr zunimmt", so Messinger.

Stephan Böhmler, vom Einrichtungshaus Böhmler im Tal meint: "Jeder wünscht sich eine schönere Atmosphäre als heute. Der Verkehr ist ja nicht nur schlecht, er ist grauenhaft." 2019 wird Markus Uhrig Führungen anbieten. Mehr Infos gibt es auch unter: www.isartor-neugestaltung-muenchen.com

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zur Gestaltung des Isartors

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