Wodka zum Desinfizieren Corona-Panik sorgt in Supermärkten für absurde Szenen

Mittlerweile hamstern die Kunden auch frische Lebensmittel. (Symbolbild) Foto: Tom Weller/dpa

Wegen den Coronavirus-Hamsterkäufen kommen die Beschäftigten in den Supermärkten kaum mehr mit der Arbeit hinterher.

 

München - Morgens um 8 Uhr sind bereits vier Kassen im Supermarkt besetzt. Normalerweise genügt eine. "Die Leute kaufen ein, als gäbe es morgen nichts mehr", erzählt die Filialleiterin. Ein Team füllt die Regale auf. In Rollwagen schieben die Mitarbeiter die frische Ware aus dem Lager in den Verkaufsraum. "Gestern hatten wir sieben Paletten voll frischem Obst und Gemüse, am Mittag war fast alles weg", erzählt eine Aushilfe. "Die Leute warten nicht, bis wir alles eingeräumt haben, sondern bedienen sich gleich von der Palette runter."

Kunden hamstern jetzt auch frische Waren

Gehamstert werden inzwischen nicht nur haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Konserven. "Gerade war eine Frau da, die wollte sieben Kilo Hackfleisch, abgepackt zu je einem Kilo", erzählt die Chefin der angeschlossenen Metzgerei.

Künftig soll sie bis 22 Uhr geöffnet haben und sonntags. "Wir machen da nicht mit, wir haben nicht die Leute dazu", sagt sie. Personal ist das größte Problem. Die Supermärkte suchen händeringend Aushilfen. "Wir nehmen jeden, den wir kriegen können", sagt die Filialleiterin. Immer wieder spricht sie mit Kunden, versucht, sie zu beruhigen. Es gibt keine Engpässe, es ist genug da, so lange alle in vernünftigen Mengen einkaufen. Weil Toilettenpapier oft vergriffen ist, werden Küchenrollen gehamstert und klein geschnitten.

Wodka zum Desinfizieren

Auch Alkohol ist plötzlich hoch im Kurs. An der Kasse steht ein Mann mit fünf Flaschen Wodka im Korb, eine Billigmarke für knapp sechs Euro. "Nicht zum Trinken", erzählt er, "ich nehm das Zeug zum Desinfizieren her." Richtige Desinfektionsmittel sind in dem Münchner Supermarkt seit Wochen aus. Mitte April soll es wieder etwas geben.

Die Supermarktchefin hat für Mittwoch nachbestellt im Zentrallager. Waren im Wert von 56.000 Euro, ein Lastwagen plus Anhänger, randvoll. Normalerweise hält das mindestens eine Woche, jetzt wäre sie schon froh, wenn sie damit bis zum Wochenende hinkäme.

Das Corona-Geschäft schlaucht

"Wir machen doppelt so viel Umsatz im Vergleich zum Vorjahr", sagt die Chefin. Eigentlich müsste sie zufrieden sein. Doch das Geschäft schlaucht. Um 6 Uhr morgens fängt sie an. Feierabend ist nach 20 Uhr, es könnte noch später werden.

 

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