Wo sie die meisten sehen können Glühwürmchen-Hochsaison: Wartet, bis es dunkel wird!

So sieht der Glühwürmchen-Käfer bei Tageslicht aus. Foto: dpa

Jetzt ist die beste Jahreszeit, um nachts Glühwürmchen zu sehen. Die AZ erklärt Interessantes und verrät, wo die Tiere leben.

 

München - An nachtdunklen Orten ohne Licht- und landwirtschaftliche Chemieverschmutzung leuchten sie von Mitte Juni bis in den Juli hinein um die Wette: Glühwürmchen. Lassen Sie sich das Schauspiel nicht entgehen und begeben Sie sich doch einmal - vielleicht mit Kindern oder Enkeln - auf nächtliche Glühwürmchenpirsch.

Die AZ zeigt Ihnen, wo und wann Sie in und um München gute Chancen haben, die lebenden Lämpchen zu sichten. Doch erst ein paar Fakten zu den Würmchen, die eigentlich Käfer sind:

Artenreiche Insektenfamilie

Weltweit gibt es rund 2.000 Arten von Leuchtkäfern, wobei die meisten in wärmeren Gefilden leben. Ihre als Biolumineszenz bezeichnete Leuchtkraft verdanken sie einem komplizierten chemischen Prozess, der durch optimal Licht reflektierende Strukturen im Käferpanzer unterstützt wird.

Die Lichtausbeute ist im Verhältnis zum Energieeinsatz extrem hoch und hat damit nicht zuletzt auch das Interesse von Leuchtdiodenentwicklern gefunden.

Den Leuchtkäfern dient ihr Licht als Paarungshilfe. Männchen und Weibchen finden sich so im Dunklen leichter. Bei vielen Arten leuchten allerdings nur die oft flugunfähigen Weibchen den selbst laternenlosen Männchen zur Hochzeit heim.

Zum Fressen gern

Einige Glühwürmchenarten haben sich sogar darauf spezialisiert, von den Männchen anderer Arten zu leben. Sie locken mit ihrem Lichtsignal Paarungswillige an - nur, um sie dann zu verspeisen.

Derart tödliche Täuscher gibt es bei uns jedoch nicht. Der bekannteste Vertreter der drei heimischen Arten, der sogenannte Kleine Leuchtkäfer, frisst in den ein bis zwei Wochen, die er als erwachsenes Tier lebt, leuchtet, sich paart und als Weibchen die Eier für die nächste Generation legt: gar nichts. In den knapp drei Jahren, die er als Larve verbringt, macht er in der wärmeren Jahreshälfte Jagd auf kleine Nackt- und Gehäuseschnecken.

Wann immer Sie hierzulande gut sichtbare, grün phosphoreszierende Lichtpunkte durch die Nacht schweben sehen, handelt es sich um die acht bis zehn Millimeter langen Männchen des Kleinen Leuchtkäfers.

Denn bei der zweiten heimischen Art, dem Großen Leuchtkäfer (Männchen zehn bis zwölf Millimeter , Weibchen 15 bis 20), leuchten die Männchen nur sehr schwach - und bei der dritten heimischen Art, dem Kurzflügler-Leuchtkäfer, sind nicht nur die Weibchen (zehn Millimeter), sondern auch die Männchen (sechs bis acht Millimeter) flugunfähig.

Hochsaison um die Johannisnacht

Flug-Hochsaison der Kleinen Leuchtkäfer ist im letzten Junidrittel, weshalb sie in Anlehnung an die zwischen dem 23. und 24. Juni liegende Johannisnacht traditionell auch Johanniskäfer oder Johanniswürmchen heißen. Um sie zu sehen, müssen Sie sich nach Einbruch der Dunkelheit an halbwegs naturbelassene Orte ohne Kunstlicht begeben. Denn dort, wo helle Straßenlaternen und Gartenleuchten die Dunkelheit aussperren, finden sich Glühwürmchen schwer und verschwinden. Sollten trotzdem noch welche da sein, fallen sie auch uns unter lichtverschmutzten Verhältnissen nicht mehr auf.

Wenn Sie Kinder oder Enkel in einem für solche Naturerlebnisse schon oder noch begeisterungsfähigen Alter haben, sollte Sie die unbedingt auf die Pirsch mitnehmen. Sie werden das leuchtende Naturschauspiel vielleicht ein Leben lang nicht vergessen - und es irgendwann mit nostalgischem Blick zurück ihren eigenen Kindern schenken. Wenn es dann noch Glühwürmchen gibt.

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Noch gibt es um München zahlreiche Orte, an denen man zur richtigen Jahreszeit (Mitte Juni bis Anfang Juli, heuer ging es dank des milden Spätfrühlings auch schon etwas früher) und bei passenden Witterungsverhältnissen (laue, windstille Abende und Nächte) nach Einbruch der Dunkelheit mit Sicherheit fliegende leuchtende Glühwürmchenmännchen und die in Gebüsch und Gras ebenfalls leuchtenden Weibchen beobachten kann. Aus eigener Erfahrung versprechen können wir es für:
 

  • den Allacher Forst, insbesondere an Waldrändern
  • das Rangierbahnhofgelände abseits von Beleuchtungsanlagen
  • die Aubinger Lohe
  • um den Regatta-See bei Feldmoching
  • das Naturgebiet Schwarzholzel zwischen Karlsfeld und Feldmoching
  • entlang von Isar und Isarkanal südlich und nördlich des Stadtgebietes
  • entlang unbeleuchteter Abschnitte der Gartenmauern von Schloss Nymphenburg und Schloss Schleißheim
  • die Kleingartenanlage des Kleingartenvereins Karlsfeld entlang des Tiefen Grabens.
 

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