WM-Qualifikation Götze der Gewinner – was wird aus Gomez?

Der kleinere Mario geht als Sieger aus den Spielen gegen Kasachstan hervor. Löw vergleicht ihn mit einem Smart. Weil er für enge Räume gemacht ist.

 

Nürnberg – Es war nicht die Woche des Mario Gomez. Über 8000 Kilometer geflogen, eine Zerrung eingefangen und null Einsatzminuten. Noch schlimmer: Es gibt wenig Aussicht auf Besserung – was die Zukunft des Stürmers in der Nationalelf betrifft. Richtig dumm gelaufen für den 27-Jährigen.

Letzten Montag reiste er zum Treffpunkt der Nationalelf vor dem Kasachstan-Doppelpack in der WM-Qualifikation. Mit ganz netten Aussichten. Weil Miroslav Klose von Lazio Rom wegen einer Verletzung fehlte, war der Bayern-Profi der einzige Stürmer im Kader. Dann nahm das Unheil seinen Lauf.

Erst verkündete Bundestrainer Joachim Löw das zeitnahe Ableben des klassischen Keilstürmers. Es gehe auch mit kleinen, schnellen, trickreichen Typen wie Mario Götze. Dann zerrte sich Gomez, Löw konnte ihn nicht einwechseln. Dann das Abschlusstraining am Montag vor dem Rückspiel in Fürth – wieder reichte es nicht. Als die Partie angepfiffen wurde, saß er daheim in München auf der Couch. Schon ganz früh am gestrigen Morgen war er nach München gereist.

Sein Einsatz am Samstag beim möglichen Meisterfest gegen den Hamburger SV (18.30 Uhr) ist fraglich. Aber da ist ja auch Mario Mandzukic, der Kroate, als Stoßstürmer vorgesehen. Bayern-Coach Jupp Heynckes setzt noch auf diese vom Aussterben bedrohte Gattung, und Löw hat nun eine weitere Angriffsvariante in petto, für harte Zeiten: „Die Räume werden ja immer enger“, meinte Löw und gab ein anschauliches Beispiel: „Wenn Sie am Ostersamstag in die Stadt fahren, nehmen Sie auch nicht den Benz, sondern den Smart.“ Soll heißen: Mercedes Gomez tut sich im dichten Strafraum-Verkehr schwerer als der kleine Flitzer Götze.

Der DFB-Trainer ließ zweimal ohne echten Neuner spielen, ohne einen Brecher. Löw reagiert mittlerweile gereizt auf die Diskussion um „echte Knipser“ und „falsche Neuner“: „Mit diesem Fach-Chinesisch muss sich der Fan nicht auseinandersetzen.“ Dennoch: Es ist eine Frage des Systems – und für Gomez eine Frage der Perspektive.

Götze spitzelte eine Lahm-Vorlage gekonnt in Mittelstürmer-Manier zum 2:0 ins Tor der Kasachen. Wenn man flexible Spieler wie Reus, Müller oder Özil hat, die auch ganz vorne drin agieren können – auf flachem Niveau. „Wenn der Götze drin ist, brauchen wir nicht mehr zu flanken“, meinte Mehmet Scholl, ARD-Experte und früherer Mittelstürmer-Flankenlieferant.

Scholl am ARD-Mikrofon weiter: „Der Bundestrainer hat jetzt was erfunden, was an Barca angelehnt ist: Warum nicht ohne Stoßstürmer spielen? Das ist eine Variante, aber wir hätten mit Gomez gespielt, wenn er sich nicht verletzt hätte. Wir brauchen Gomez und Klose.“

Doch wann soll sich Gomez wieder im DFB-Dress beweisen? Den USA-Trip wird er stornieren müssen, wenn Bayern das Pokalfinale (1. Juni) erreicht. Erst am 6. September wird es wieder ernst: in München gegen Österreich. Auf der Homepage des DFB wurde im aktualisierten Aufgebot nach der Abreise des Bayern-Stürmers kein Mensch mehr unter der Rubrik „Angriff“ geführt, dafür satte zehn Profis unter „Mittelfeld“. Der Lauf der Zeit.

 

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