WM-Pleite gegen die Niederlande Lehrstunde für deutsche Handball-Frauen

, aktualisiert am 08.12.2017 - 22:06 Uhr
Deutschlands Xenia Smits (Mitte) wird von den Niederländerinnen Kelly Dulfer (links) und Danick Snelder gestoppt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem 23:31 gegen Vize-Weltmeister Niederlande ist das WM-Ziel Halbfinale für die deutschen Handballerinnen ernsthaft in Gefahr. Gegner im Achtelfinale ist Dänemark.

 

Leipzig - Bei den deutschen Handballerinnen dominierte nach der Lehrstunde gegen die Niederlande der Frust. Die Mannschaft von Bundestrainer Michael Biegler verpasste beim 23:31 (10:18) gegen den Vize-Weltmeister nicht nur den angepeilten Gruppensieg bei der Heim-WM deutlich, sondern landete vor dem Achtelfinale am Sonntag (20:30 Uhr/Sport1) gegen Dänemark in Magdeburg auch knallhart auf dem Boden der Tatsachen.

"Das war gar nix", sagte die in einer schwachen Mannschaft noch überzeugende Torhüterin Clara Woltering. Auch Alicia Stolle, mit sechs Toren der Lichtblick in der deutschen Offensive, legte den Finger tief in die Wunde: "Das war zu wenig in Abwehr und Angriff. Das müssen wir ganz schnell aufarbeiten und im Achtelfinale alles anders machen."

Nadja Mansson sprach gar von einem "Totalausfall". Bundestrainer Michael Biegler richtete seine "Ladys", die nach dem ersten Rückschlag die Gruppe D mit 7:3 Punkten auf Platz drei beendeten, allerdings sogleich wieder auf: "Die Niederlage ist in der Höhe verdient. Aber die WM startet mit der K.o.-Phase jetzt neu."

DHB-Vizepräsident Bob Hanning sah einen "ganz klaren Dämpfer", zeigte sich aber ebenfalls zuversichtlich: "Ich bin mir sicher, dass wir schon am Sonntag einen anderen Auftritt sehen werden. Egal, wer der Gegner ist: Sie werden ins Viertelfinale einziehen."

Er werde keinen Druck auf die Mannschaft ausüben, hatte Biegler vor dem Klassiker gegen Oranje gesagt. "Ich bin immer noch unaufgeregt", so Biegler. Beim Anpfiff am Freitag war es mit der Ruhe dann selbst bei Biegler vorbei. Der Coach tigerte die Seitenlinie auf und ab, ruderte mit den Armen und kommentierte lautstark jede Aktion seiner Spielerinnen - doch es half nicht.

Deutsche Offensive findet kein Rezept

Schon nach fünf Minuten nahm Biegler die erste Auszeit, da stand es 1:4. In der elften Minute räumte Torfrau Katja Kramarczyk entnervt ihren Kasten und machte für Clara Woltering Platz (4:8), die mit zahlreichen Paraden eine noch höhere Niederlage verhinderte. Doch auch in der Folge fand der deutsche Angriff gegen die aggressive Abwehr des Gegners vor 6.000 Zuschauern in der ausverkauften Halle kaum ein Mittel.

Während die Holländerinnen immer wieder zu einfachen Toren kamen, mussten DHB-Kapitänin Anna Loerper und Co. um jeden Abschluss kämpfen. Etliche technische Fehler erschwerten das Offensivspiel zusätzlich. Das 5:10 nach einer Viertelstunde spiegelte die Kräfteverhältnisse wider. Beim 8:15 (25.) deutete sich ein Debakel an.

Nach dem Seitenwechsel kamen Top-Talent Emily Bölk (19) und die mutig aufspielende Stolle (21) auf die Platte, doch die Blutauffrischung brachte unter dem Strich keine wesentliche Besserung gegen weiterhin konzentrierte Niederländerinnen.

Im weiteren Turnierverlauf setzt Biegler unterdessen auf ein Torwart-Trio. Dinah Eckerle rutschte vor der Partie gegen die Niederländierinnen für Linksaußen Antje Lauenroth in den Kader. Damit bleibt Biegler nach den Wechseln von Alicia Stolle für Kim Naidzinavicius (Kreuzbandriss) sowie dem Nachrücken von Emily Bölk noch eine personelle Option.

Serbien wird Gruppensieger

Serbiens Handballerinnen sicherten sich dank eines 33:28-Sieges gegen Südkorea den Vorrundensieg in der deutschen WM-Gruppe. Mit 8:2 Punkten lag der WM-Zweite von 2013 vor dem Olympia-Vierten Niederlande (7:3), der Deutschland am Freitag mit 31:23 bezwang und dank des gewonnenen Direktvergleichs am punktgleichen WM-Gastgeber vorbeizog.

Im Achtelfinale trifft die DHB-Auswahl auf Dänemark. Der EM-Vierte unterlag Olympiasieger Russland mit 27:32 und schloss die Gruppe C als Zweiter ab. Die Russinnen marschierten als einziges Team ungeschlagen durch die Vorrunde und treffen in der ersten K.o.-Runde auf Südkorea.

Der WM- und EM-Zweite Niederlande bekommt es mit Japan zu tun, Serbien trifft auf Montenegro. Eine Überraschung gab es in der Gruppe B, wo Titelverteidiger Norwegen gegen Schweden mit 28:31 unterlag und dem Rivalen den Gruppensieg überlassen musste.

Schwedens Gegner im Achtelfinale ist Slowenien, die Norwegerinnen müssen gegen Spanien ran. Erster der Gruppe A wurde Rumänien trotz einer 17:26-Schlappe gegen den Olympia-Zweiten Frankreich, der sich damit noch den zweiten Rang sicherte. Die Französinnen bekommen es nun mit Ungarn zu tun, Rumänien trifft auf Tschechien.

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