WM-Finale gegen Argentinien Löw erwartet hartes Finale gegen Messi & Co.

Die deutsche Nationalmannschaft kann nur noch über Argentinien stolpern. Der Titel ist für Joachim Löw in greifbare Nähe gerückt. Foto: dpa

Im dritten WM-Endspiel Deutschlands gegen Argentinien soll für die Generation um Lahm und Schweinsteiger endlich ein Titel her! Trainer Löw erwartet ein hartes Duell. Superstar Messi erreicht erstmals ein WM-Finale. Arjen Robben wünscht sich hingegen weit weg von dieser WM.

 

Santo André/São Paulo - Argentiniens Kraftakt im WM-Halbfinale konnten Phillip Lahm und Co. gemütlich im Campo Bahia verfolgen. Erst nach einer kräftezehrenden Verlängerung und einem aufreibenden Elfmeterschießen gegen die Niederlande konnte Argentiniens Weltstar Lionel Messi den Endspiel-Einzug gegen Deutschland bejubeln. Der Energieverlust könnte sich für das plötzlich favorisierte DFB-Team als Vorteil beim großen Finale am Sonntag (21.00 Uhr/ARD) in Rio de Janeiro erweisen. "Ein Tag länger Pause ist immer gut, das tut uns auch mal gut", sagte Co-Trainer Hansi Flick am Donnerstag.

Trotzdem warnte der leicht angeschlagene Mats Hummels vor falschen Erwartungen: "Das Finale wird verdammt hart. Es sollte sich niemand darauf einstellen, dass es noch einmal in ähnlicher Weise leicht wird wie gegen Brasilien." Nachdem Bundestrainer Joachim Löw Gewissheit über den Gegner hatte, konnte er am Donnerstag in die zielgerichtete Final-Vorbereitung starten. "Argentinien ist defensiv stark, kompakt, gut organisiert. In der Offensive haben sie überragende Spieler wie Messi und Higuain", äußerte Löw mit einigem Respekt.

Das sensationelle Jahrhundertspiel beim 7:1 gegen Brasilien nimmt die gereifte Nationalmannschaft zwar als klares Zeichen der Stärke am Freitag mit auf den Sonderflug nach Rio de Janeiro. Doch beim Feintuning für die Neuauflage der WM-Endspiele von 1986 und 1990 wurde das Torefestival gegen den noch immer fassungslosen WM-Gastgeber höchstens noch am Rande behandelt.

Mastermind Löw will für sein zweites Turnier-Endspiel nach der EM 2008 (0:1 gegen Spanien) so wenig wie möglich umbauen. Vor vier Jahren in Südafrika deckte Löw die Schwächen im damals von Diego Maradona betreuten argentinischen Team um Lionel Messi beim 4:0-Triumph der deutschen Mannschaft im WM-Viertelfinale schonungslos auf. Gegen Argentinien mit dem damaligen Topstar Maradona holte sich Deutschland unter Teamchef Franz Beckenbauer 1990 in Rom auch den dritten WM-Titel. Vier Jahre zuvor war das Endspiel gegen die Gauchos in Mexiko-Stadt 2:3 verloren gegangen.

Messi ist Argentiniens Hoffnungsträger der Gegenwart, und der viermalige Weltfußballer sehnte schon bei der Dopingkontrolle den Showdown gegen Deutschland herbei. Arjen Robben hatte dagegen nach dem verpassten Endspiel gegen den Erzrivalen keine Lust mehr auf das kleine Finale. Lange nachdem sich der tief frustrierte Bayern-Profi rührend um seinen weinenden Sohn gekümmert hatte, entschwand Messi an der Seite von zwei Bodyguards wortlos aus der Arena von São Paulo.

Obwohl sich Argentinien von Spiel zu Spiel gesteigert hat, ist der Respekt vor dem Endspiel-Gegner immens. "Das wird extrem schwer. Wir haben einen Tag weniger zur Vorbereitung und dann auch noch eine Verlängerung sowie ein Elfmeterschießen in den Knochen", klagte Trainer Alejandro Sabella. Auch der unermüdliche Antreiber Javier Mascherano äußerte sich fast schon ängstlich und sieht den dreimaligen Champions als "Favorit". Der Mittelfeld-Chef war beim 0:4-Debakel bei der WM 2010 und beim anderen Viertelfinal-Aus 2006 in Berlin dabei. "Aber das ist keine Revanche für uns. Nur eine vielleicht einzigartige Chance", betonte Mascherano.

Besonders bitter war das neuerliche holländische Scheitern für Robben: Wie schon im Finale vor vier Jahren, als Robben an Spaniens Keeper Iker Casillas gescheitert war, hatte der Bayern-Profi erneut die Entscheidung auf dem Fuß. Mit einem heroischen Tackling verhinderte der überragende Mascherano jedoch kurz vor Ende der regulären Spielzeit das Traumfinale mit Deutschland.

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"Er war genau pünktlich mit seiner Grätsche", grämte sich Robben und wollte keinen persönlichen Favoriten für das anstehende Endspiel benennen: "Ich habe viele Freunde im Team von Deutschland, aber es soll der Bessere gewinnen."

Die FIFA hat unterdessen am Donnerstag den Einspruch von Uruguays Verband gegen die Sperre von Stürmerstar Luis Suárez zurückgewiesen. Wie der Weltverband am Donnerstag mitteilte, bestätigte die Berufungskommission die Entscheidung der Disziplinarkommission vom 25. Juni. Suárez war nach seiner Beißattacke im WM-Spiel gegen Italien (1:0) für neun Pflicht-Länderspiele gesperrt und für vier Monate von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen worden. Damit ist Suárez nicht nur für die komplette Copa América 2015 gesperrt, sondern fehlt auch mindestens in den ersten Qualifikationsspielen zur WM 2018.

 

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