WM 2014 in Brasilien WM-Quali geschafft: Jetzt fehlt nur noch der Titel, Jogi!

Seit 2006 ist Bundestrainer Joachim Löw im Amt, sein Vertrag wird verlängert. Sein Verdienst: Die einstige Vorstopper-Nation bekommt weltweit Anerkennung. Doch nicht alles lief gut. Die Bilanz.

 

MÜNCHEN Robbie Keane wird kein Löw-Fan mehr. Wütend nahm sich der Hitzkopf den deutschen Trainer zur Brust, weil der nach dem Abpfiff nicht direkt Irlands Coach die Hand gedrückt hatte, sondern erst seine Spieler herzen wollte. Doch Keane gehört einer Minderheit an. Als Joachim Löw im „Sportstudio“ die erlösenden Worte sprach, wusste er eine satte Fan-Mehrheit hinter sich: „Mir macht es Spaß. Wenn die WM gut läuft, ich bin gerne bereit, es nochmal zwei Jahre zu machen.“ Na also.

Das Hin und Her um Löws Vertragsverlängerung beschäftigt den DFB schon eine Weile. Spitzfindig formulierte der Coach nach dem 3:0 gegen Irland: „Ich habe immer gesagt, dass wir über dieses Thema nach der Qualifikations-Runde sprechen. Und die ist noch nicht zu Ende.“ Am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) steht in Schweden das letzte Quali-Spiel an. „Anschließend setzten wir uns zusammen und werden zu einem für alle zufriedenstellenden Ergebnis kommen“, sagt DFB-Boss Wolfgang Niersbach. Löw meint: „Wir haben bereits Eckdaten abgeklärt, von daher sehe ich keine Probleme. Es kann sein, dass wir uns bis zum DFB-Bundestag am 24.Oktober geeinigt haben.“

Was Löw nicht veschweigt: Sollte er die WM vergeigen, wird es bald einen neuen Bundestrainer geben. Löw sagt: „Wenn man so ausscheidet wie Holland bei der letzten EM und nach der Vorrunde ohne Sieg nach Hause fährt, dann sind wir uns wohl alle im Klaren, dass es dann eine Veränderung geben muss, von meiner Seite aus oder von Verbandsseite. Da sind wir nicht blauäugig.“
Eine Demission ist jedoch auch im Erfolgsfall wahrscheinlich: Der WM-Titel würde Löws Laufbahn krönen. Eine Laufbahn, in der vieles, aber nicht alles rund lief. Löws DFB-Zeit im großen AZ-Check:

Was gut lief: Als Löw am 12.Juni 2006 Jürgen Klinsmann nachfolgte, übernahm er einen WM-Dritten, auf den zuvor niemand einen Pfifferling gesetzt hatte, der von einer einmaligen Sympathiewelle getragen worden war. Seitdem hat sich das DFB-Image gewandelt: Von Rumpelfüßlern redet keiner mehr, vielmehr genießt das Team weltweit Anerkennung, spätestens seit den grandiosen Auftritten der WM 2010. Sicher ein Verdienst Löws, der der einstigen Vorstopper-Nation die Angst vorm schönen Spiel nahm und mittlerweile als stilbildend gilt. Die absoluten Zahlen können sich sehen lassen: 98 Länderspiele, 67 Siege, 16 Unentschieden, 15 Niederlagen. Sepp Herberger musste in 167 Länderspielen 46 Niederlagen hinnehmen.

Was nicht gut lief: Nochmal Statistik: zweimal Dritter (WM 2010, EM 2012), einmal Zweiter (EM 2008). Bei großen Turnieren ist Luft nach oben. Zweimal stand Spanien im Weg, einmal Italien – und eine streitbare Aufstellung, die Löw bis ans Ende seiner Trainertage verfolgen wird. Auch in Sachen Kommunikation war mehr drin. Eine zeitnahe, klare Ansage hätte die Debatten mit den Herren Sammer, Ballack, Kuranyi, Hummels, Schmelzer und Weidenfeller gar nicht erst aufkommen lassen. Immerhin: Mit BVB-Coach Jürgen Klopp hat sich Löw ausgesprochen.
Alles wird gut.
 

 

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