WM 2010 Tragischer Held Thomas Müller: Jetzt hofft er aufs Finale

Er schlägt sich die Hände vors Gesicht: Thomas Müller sieht die Gelbe Karte Foto: dpa

KAPSTADT - Erst riss Nationalstürmer Thomas Müller jubelnd die Arme in die Luft, kurz darauf schlug er enttäuscht die Hände vor das Gesicht: Der Bayern-Profi, auch gegen Argentinien umjubelter Torschütze, muss im WM-Halbfinale zuschauen.

 

Thomas Müller, der Jungstar von Rekordmeister FC Bayern ebnete der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit seinem vierten WM-Tor (3. Minute) zunächst den Einzug ins Halbfinale, dann sah der 20-Jährige in der 36. Minute wegen Handspiels die Gelbe Karte und ist damit für das Semifinale am Mittwoch in Durban gesperrt.

„Wenn ich Torschützenkönig werden will, muss ich jetzt auf meine Kollegen hoffen. Vielleicht machen sie im Halbfinale alles richtig, dann kann ich im Finale nochmal treffen“, sagte der tragische Held nach dem sensationellen 4:0 (1:0) der DFB-Auswahl im WM-Viertelfinale gegen Argentinien.

Dabei hatte der Klassiker gegen die Gauchos für Müller vor 64.100 Zuschauern in Kapstadt perfekt begonnen. Ein genau getimter und angeschnittener Freistoß vom zentralen Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger in der dritten Minute streifte den Kopf von Müller, ehe er den rechten Unterschenkel von Torhüter Sergio Romero berührte und von dort aus ins Tor flog.

Ein Treffer für das Buch der Rekorde

Damit schrieb Müller Geschichte: Es war der 200. Treffer eines deutschen Spielers bei einer WM-Endrunde. Müllers Tor war zudem der schnellste WM-Treffer einer deutschen Nationalmannschaft seit der WM 1978 in Argentinien. Rüdiger Abramczik hatte vor 32 Jahren in der zweiten Finalrunde beim 2:2 gegen die Niederlande ebenfalls nach drei Minuten getroffen.

Doch die persönliche Freude über seinen Treffer gegen die Gauchos währte nur 33 Minuten. Müller bekam nach einem Zweikampf mit Lionel Messi den Ball an den Oberarm. Eine Absicht war zwar nicht zu erkennen, doch Schiedsrichter Rawschan Irmatow aus Usbekistan zeigte keine Gnade und verwarnte den Münchner. Als Müller in der 84. Minute unter dem Jubel der deutschen Fans ausgewechselt wurde, fiel ihm das Lächeln deshalb schwer.

In dieser Szene wurden Erinnerungen an den derzeit verletzten DFB-Kapitän Michael Ballack wach. Bei der WM 2002 hatte Ballack im Halbfinale gegen Co-Gastgeber Südkorea die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zunächst mit dem entscheidenden 1:0 ins Finale geschossen, der Mittelfeldspieler selbst musste dann aber wegen der zweiten Gelben Karte das 0:2 im Endspiel gegen Brasilien von der Tribüne aus miterleben.

Immerhin wäre Shootingstar Müller in einem möglichen Endspiel am 11. Juli in Johannesburg wieder spielberechtigt. Und auch ohne die Teilnahme am Halbfinale ist Müller auf einem guten Weg, zum besten Nachwuchsspieler der WM gekürt zu werden. Er wäre damit Nachfolger von Lukas Podolski, dem diese Ehre bei der WM 2006 in Deutschland zu teil wurde.

Begeisterung weckt der Aufstieg des jungen Münchners auch bei seinem Namensvetter Gerd Müller. Der ehemalige Bayern-Star hofft, dass der seit einem Jahr fast durchweg überragende Thomas Müller in seine Fußstapfen treten wird. „Er ist ein guter Junge, auch charakterlich. Er kann mein Nachfolger werden. Ich bin sehr stolz auf ihn“, sagte Müller.

Gerd Müller ist mit 68 Toren in 62 Länderspielen der beste Torschütze in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft. Thomas Müllers Quote kann sich ebenfalls sehen lassen. In bislang sieben Länderspielen traf er viermal. (SID)

 

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