WM 2010 So, Jogi, jetzt musst du dich entscheiden

Bundestrainer Jogi Löw. Foto: dpa

BUDAPEST/EPPAN - Nach dem 3:0 Sieg gegen Urgarn kehr Bundestrainer Jogi Löw mit gemischten Gefühlen ins WM-Trainingscamp nach Südtirol zurück. Am Dienstag muss Löw zwei Spieler bekannt geben, die nicht mit nach Südafrika fahren.

 

Jetzt geht's richtig los, frohlockteJoachim Löw nach dem geglückten WM-Probelauf in Ungarn – aber derBundestrainer muss nun auch „weh tun“. Voller Tatendrang kehrte derhin- und hergerissene Chef der deutschen WM-Mission nach dem 3:0(1:0) im ersten Spiel nach dem Ballack-Ausfall aus Budapest insTrainingscamp nach Südtirol zurück. Denn nur noch zwei Wochen vor demErnstfall gegen Australien kann er endlich auch das Schonprogramm fürseine Bayern-Asse beenden und den Feinschliff für Südafrika starten.

„Diesen Tag habe ich jetzt schon eine ganze Weile herbeigesehnt,dass endlich alle zusammen trainieren. Es ist wichtig, dass jetzt abMontag auch Schweinsteiger, Müller, Lahm einsteigen. Jetzt geht esdarum, gesamtheitlich einige Dinge einzustudieren“, erklärte Löw, deram Tag nach dem Ungarn-Spiel nur eine Fitness-Einheit ansetzte.

Dass die neuen Anführer Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger am20. Tag (!) der WM-Vorbereitung endlich voll das Kommando übernehmen,soll dem jungen Team nochmals einen Schub geben. „Jetzt kommen nochdie Bayern – da werden wir eine starke Elf finden für die WM“, meinteLukas Podolski nach dem Warm-up im Ferenc-Puskás-Stadion, das keinMaßstab für das kommende Kräftemessen mit den Weltbesten war. „Die WMwird etwas ganz anderes als dieses Spiel“, warnte auch Löw.

Sein Mut, Lahm und Schweinsteiger sowie auch Startelf-KandidatMüller eine letzte Pause zu gönnen, erwies sich gegenSparringspartner Ungarn als richtig. „Wenn wir verloren hätten, wärendie Diskussionen wieder losgegangen“, bemerkte ElfmeterschützePodolski (5. Minute), der zusammen mit Mario Gomez (69.) und Cacau(73.) die Tore schoss. So liefert die endgültige Kader-Nominierung amDienstag den heißesten Diskussionsstoff.

Wen trifft's? Wen streicht Löw? „Es können nur 23 Spieler mit, daswird wehtun für zwei Spieler“, sagte Löw: „Wir werden im Trainerstabüberlegen, wie die beste Zusammensetzung ist.“ Einige müssen bangen -nicht nur anfängliche Top-Kandidaten wie Andreas Beck oder DennisAogo – und alle rätseln. „Kein Spieler weiß, wer gesetzt ist und werzittern muss. Das ist wie bei der Torwart- und Kapitänsfrage. Dasentscheiden nur die Trainer“, schilderte Podolski die Anspannung.

Löw steht vor einer kniffligen Entscheidung. Vor allem zweifelt erimmer noch bei Linksfuß Marcell Jansen, den er dabei haben will, aberüber dessen absolute WM-Fitness er sich auch nach dem 30-Minuten-Testin Ungarn nicht im Klaren ist. „Eine WM ist ein hohes Level anBelastung. Da muss ich auch nochmal mit den Ärzten sprechen und mitihm reden. Er konnte noch keine 90 Minuten spielen“, schilderte Löwseine Überlegungen. Der Hamburger Jansen selbst geht nach seinerüberstandenen Fußverletzung fest davon aus, in Afrika dabei zu sein,„sonst hätte ich das alles hier nicht versuchen müssen“.

Das Streichkonzert ist zwar spannend, aber für die WM nichtentscheidend. Löw hat nach wie vor wichtigere Baustellen. „VielPositives“ hatte er in Budapest gesehen, viele Trainingsinhaltewurden gut umgesetzt. Aber die WM bleibt ein Projekt zwischen Hoffenund Bangen. Am meisten verärgerte Löw die Abschlussschwäche. „Wirhaben drei, vier oder fünf Riesen-Chancen vergeben“, schimpfte derBundestrainer. Vor allem der Bremer Mesut Özil, der mit Technik undSpielwitz begeisterte, tat sich in der Beziehung negativ hervor. „Ichweiß, dass ich mindestens zwei Tore machen muss“, stöhnte Özil.

Immerhin: Gleich drei Stürmer trafen, aber ausgerechnet MiroslavKlose konnte nicht jubeln. „Es wird harte Arbeit werden für ihn unduns alle“, kommentierte Löw. Aber der WM-Torschützenkönig von 2006sei ein Wettkampftyp und steigerungsfähig. „Er hat das immer dannbewiesen, wenn er abgeschrieben wurde“, sagte der Bundestrainer underinnerte an Kloses Dreierpack in der WM-Qualifikation gegen Finnland(3:3) und das goldene Tor im entscheidenden Spiel in Russland (1:0).„In diesen harten Kämpfen hat er immer zugeschlagen“, betonte Löw.

Die WM-Elf schält sich nach Ungarn mehr und mehr heraus. Neuer,Lahm, Mertesacker, Schweinsteiger, Podolski, Özil und immer nochKlose bilden das Gerüst, zu dem nun auch Sami Khedira endgültigzählt. Der Stuttgarter überzeugte Löw bis zum vorzeitigen Stopp durchmuskuläre Probleme 45 Minuten lang als Ballack-Ersatz. „Er ist in derLage, diese Position auszufüllen, auch anstelle von Michael Ballack“,lobte der Bundestrainer, der in Budapest in Toni Kroos zudem eineneue, offensivstarke Sechser-Alternative aus dem Hut zauberte.

Völlig offen ist, ob Lahm hinten rechts oder links dringendergebraucht wird und wer zweiter Außenverteidiger wird. Arne Friedrichsammelte Punkte als möglicher Partner von Abwehrchef Per Mertesackerim Deckungszentrum. Und auf dem rechten Flügel streiten Müller undPiotr Trochowski um den vakanten Platz, Marko Marin machte in Ungarnals Joker Druck. Egal mit wem, Deutschlands Youngster-Truppe wirdeine Wundertüte bleiben, die einiges verspricht, aber nichtsgarantiert. „Wie die jungen Spieler in Extremsituationen reagierenbei einer WM, das ist nur schwer vorhersehbar“, räumte Löw ein.

dpa

 

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