WM 2010 Miroslav Klose: Drei Gründe für sein Traum-Comeback

Miro Klose: Schießt er gegen Argentinien Tor Nummer drei bei dieser WM? Foto: dpa

MÜNCHEN - Miroslav Klose - im Verein kann sich der Stürmer nur schwer durchsetzen, bei der Weltmeisterschaft blüht er plötzlich wieder auf. Was sind die Gründe für die Rückkehr des Erfolgs? Ein Sport-Psychologe gibt in der AZ die Antworten.

Mentalcoach Steffen Kirchner (29) ist Deutschlands jüngster Sportfachwirt aller Zeiten. Er hat als Geschäftsführer einen Volleyball-Bundesliga-Club zur deutschen Meisterschaft geführt, arbeitet als Coach und Mentaltrainer. Seit Mai 2010 ist der frühere Leistungssportler offizieller Mentalcoach der tschechischen Skeleton-Nationalmannschaft der Skeleton-Fahrer/innen. Hier begründet Steffen Kirchner, warum es bei der WM in Südafrika plötzlich wieder so gut läuft für Miroslav Klose (2 Tore)

1. Klose liebt Harmonie

Miroslav Klose ist alles andere als ein „Lautsprecher“ oder eine Reizfigur, wie so mancher Nationalspieler vor seiner Zeit. Klose hat ein kleines Ego – für ihn steht das Wir-Gefühl im Vordergrund. Das Tolle bei dieser WM ist: Seine Mitspieler sind alle ähnlich gestrickt und es gibt niemanden, der diese Teamharmonie stört. Klose ist einer der fairsten Spieler der Bundesliga und bekam in weit über 200 Bundesligapartien noch niemals einen Platzverweis.

Er liebt Fairness und Teamspirit. Damit liegt er mit Trainer Jogi Löw exakt auf einem Nenner, denn Löw fördert das Teambuilding in jeder denkbaren Situation und ist ein Verfechter des sauberen, fairen Spiels ohne Fouls. Wenn diese „weichen“ Erfolgsfaktoren innerhalb des Teams, auf und abseits des Platzes vorhanden sind, ist dies für eher sensiblere Pflänzchen wie einen Miro Klose ein wahres Treibhausklima in dem er über sich hinauswachsen kann.

2. Klose braucht Zeit und Vertrauen

Kose weiß aus eigener Erfahrung, dass er Weltklasse spielen kann. Was er dafür braucht und einfordert, ist Vertrauen in seine Person. Ruhige und sensible Spieler wie er brauchen Zeit und müssen sich gut fühlen, um zur Entfaltung zu kommen. In der Vorbereitung zu einer WM ist diese Zeit gegeben, da Trainer und Betreuer Wochen lang Zeit haben, das Vertrauen in einen Spieler in der täglichen Trainingsarbeit zu demonstrieren. Wenn Klose seinerseits auch dem Trainer vertraut, da dieser ihm signalisiert, dass er auch bei durchschnittlichen Leistungen und vorerst ausbleibendem Torerfolg dennoch im Sturm gesetzt ist, stellt sich sein gutes Gefühl auch in Formkrisen schnell wieder ein und er belohnt einen mit Topleistungen.

3. Klose ist ein Instinktspieler

Miroslav Klose ist kein Rationalist, sondern lebt von seinem Gefühl und seinem Instinkt. Er spielt nicht unbedingt spektakulär, aber effektiv, da er instinktiv spürt wann er wo zu stehen hat. Solch ein Spieler ist besonders in Drucksituationen, wie sie bei einem großen Turnier oft vorkommen, besonders wertvoll. Er lässt sich von hitzigen Spielverläufen oder gegnerischen Sticheleien nicht aus der Ruhe bringen, sondern vertraut einzig und alleine auf sein Gefühl. Diesen Instinkt, welcher angeboren und nicht trainierbar ist, hat er bereits in früherer Zeit bei großen Turnieren bewiesen.

Im Mosaik bei Goldmann-Verlag erschienen ist das Buch von Steffen Kirchner: „Spielregeln für Gewinner. Mit 25 einfachen Gesetzen zur persönlichen Höchstleistung.“ Weitere Infos unter http://www.steffenkirchner.de

 

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