WM 2010 Maradona: „Schwarz oder weiß, niemals grau“

Auch mal auf allen Vieren unterwegs: Diego Maradona. Foto: firo/Augenklick

MÜNCHEN - AZ-Serie, Folge 4: Wie Diego Maradona, als Trainer eigentlich schon gescheitert, nun zum Knuddel-Coach wurde.

 

Es gibt ja diesen Spruch vom Bock, den man zum Gärtner gemacht hat. So kam es einem vor, als sich herauskristallisierte, dass die Skandalnudel Maradona künftig die Geschicke von Messi und Co. leiten sollte. Der Ex-Junkie als Nationaltrainer? Na servus! Dagegen wäre Christoph Daum ja ein Musterschüler gewesen. Knapp zwei Jahre später ist die Schimäre Realität und bestreitet mit einem furios spielenden Team das WM-Viertelfinale.

Noch vor seinem endgültigen Karriereende als Spieler hatte sich Maradona als Trainer versucht – ohne Erfolg. 1994 übte er zwölf Spiele lang mit Deportivo Textil Mandiyu – und gewann ein einziges Spiel. Kaum besser lief es im Jahr darauf beim Racing Club Avellaneda: elf Spiele, zwei Siege. Das Trainerkapitel schien beendet zu sein, bevor es richtig begonnen hatte.

Bei Olympia 2008 in Peking, wo Maradona als TV-Kommentator arbeitete, entwickelte er eine engere Beziehung zum Nationalteam. Als die Argentinier Gold gewonnen hatten, stürmte er in die Kabine, schob den Coach Sergio Batista zur Seite und herzte jeden, den er in die Finger kriegen konnte. Ein paar Monate später musste Nationalcoach Alfio Basile – nach schwachen Ergebnissen in der WM-Qualifikation – Maradona Platz machen. Angeblich hatten sich die Staatspräsidenten Hugo Chavez (Venezuela), Evo Morales (Bolivien) und Nestor Kirchner (Argentinien) beim argentinischen Fußballverband für ihn stark gemacht.

Auch mit Maradona wäre die WM-Qualifikation fast gescheitert. Nach vier Pleiten in fünf Spielen rettete ihn der Oldie Martin Palermo in einer absurden Wolkenbruch-Partie mit seinem Treffer zum entscheidenden 2:1 gegen Peru und wendete somit eine Blamage ab, die der Trainer Maradona nicht überstanden hätte.

Mit Spielmacher Riquelme war er da schon längst über Kreuz. Der sensible Zehner sagte über den neuen Coach: „Wir haben nicht den selben ethischen Code.“ Und verabschiedete sich. Fast 80 Spieler probierte Maradona im ersten Jahr aus, qualmte seine Cohibas beim Training, überwarf sich mit der Presse, wurde ausfallend – und gilt nun als Knuddel-Trainer. Mittlerweile ist er Opa, der Schwiegersohn kickt im Team: Stürmer Sergio Agüero von Atlético Madrid. Seine Ex-Frau regelt ihm die Finanzen – und 15 Kilo abgenommen hat er auch.

Der Trainer Maradona, der wie er sagt „für den WM-Titel einen Arm geben würde" – die Hand Gottes? –, er bleibt unberechenbar: „Ich bin immer schwarz oder weiß - aber niemals grau.“

Thomas Becker

 

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