WM 2010 Final-Schiri: „Er hat nicht mal die Kinder im Griff“

Das orangefarbene Trikot steht ihm - hat aber nichts zu sagen. Der englische Schiedsrichter Howard Milton Webb. Foto: dpa

JOHANNESBURG - Für Herr Webb ist es der zweite Höhepunkt nach dem Champions-League-Finale. Frau Webb lästert: "Er kann nicht mal auf seine drei Kinder aufpassen". Am Sonntagabend soll Howard Milton Webb die besten Fußballer der Welt in den Griff bekommen. Der Engländer leitet das Finale der Fußball-WM in Südafrika zwischen den Niederlanden und Spanien.

 

Niemanden überrascht die Wahl von Howard Milton Webb zum Final-Schiedsrichter bei der Fußball-WM mehr als seine Frau. „Er kann ja nicht mal seine Kinder kontrollieren. Ich weiß nicht, wie er das auf einem Fußball-Platz hinkriegt“, sagte Kay Webb einem englischen Fernsehsender.

„Ich glaube, ich muss mal mit meiner Frau reden, wenn ich wieder zu Hause bin“, sagte Webb am Samstagmittag mit einem breiten Grinsen. „Ich bin mir sicher“, ergänzte er, „dass sie nur einen Spaß gemacht hat. Meine Kinder sind gut erzogen.“ Und was die Leitung eines Fußball-Spiels angeht, ist Webb derzeit ohnehin über jegliche Zweifel erhaben. Der beurlaubte Polizei-Sergeant aus der Grafschaft Yorkshire ist seit fünf Jahren Profi-Schiedsrichter und im Gegensatz zur Meinung seiner Gattin der Mann der Stunde.

Erster Höhepunkt: Das Championsleague-Finale zwischen Bayern und Mailand

Vor zwei Monaten leitete Webb in Madrid das Endspiel der Champions League zwischen Bayern München und Inter Mailand (0:2) – nun vertraut ihm die FIFA als viertem Referee aus England ein WM-Endspiel an. Direkter Vorgänger war ein gewisser John Keith „Jack“ Taylor – in Deutschland kein Unbekannter: Er leitete 1974 das Finale zwischen Deutschland und den Niederlanden (2:1). „Er ist in England eine Legende“, berichtete Webb, „er hat mich zu Beginn meiner Karriere unterstützt.“ Gleiches gilt für Vater Billy, früher selbst Schiedsrichter.

In Südafrika sorgte Webb, der drei Tage nach dem Endspiel seinen 39. Geburtstag feiert, mit seinen Entscheidungen bislang nicht für Aufsehen, was in Fußballer-Kreisen als Lob zu verstehen ist. Noch ganz anders war dies vor zwei Jahren. Damals pfiff Webb bei der EM das Spiel zwischen Österreich und Polen, Österreich verwandelte in der Schlussminute einen Foulelfmeter zum 1:1. Damals verstieg sich der polnische Ministerpräsident Donald Tusk zu dem Satz: „Nach dem Spiel wollte ich jemanden umbringen.“

Der Karriere von Webb tat dies aber keinen Abbruch: Noch bei der EM leitete er ein zweites Spiel, mittlerweile hat er 47 Spiele der Champions League gepfiffen und sich dabei nicht mal annähernd so blamiert wie Landsmann Graham Poll bei der WM 2006 in Deutschland: Im Spiel zwischen Australien und Kroatien zum Abschluss der Vorrunde verlor Poll damals völlig den Überblick und zeigte unter anderem dem Kroaten Josip Simunic, heute bei 1899 Hoffenheim beschäftigt, gleich dreimal die Gelbe Karte.

Webb leitete bereits das Spiel der Spanier gegen Außenseiter Schweiz

Mit beiden Endspiel-Teilnehmern ist Webb schon einmal in Kontakt geraten. Seine Länderspiel-Premiere am 6. September 2006 war ein 3:0 von Oranje gegen Weißrussland im Rahmen der EM-Qualifikation in Eindhoven. Die Spanier sahen den Glatzkopf zuletzt zu Beginn der WM: Webb leitete das überraschende 0:1 des Europameisters gegen die Schweiz. Anschließend war er beim sensationellen Ausscheiden von Weltmeister Italien gegen die Slowakei (2:3) und beim Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile (3:0) im Einsatz.

Seinen Einsatz im Endspiel hat Webb wohl auch dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen England (4:1) zu verdanken: Je früher ein WM-Teilnehmer ausscheidet, desto besser für den Referee aus dem jeweiligen Land. Wären die englischen Fußball nicht gar so miserabel – Howard Webb könnte seiner Frau nicht beweisen, dass er zumindest die „Kinder“ auf dem Fußball-Platz weltmeisterlich unter Kontrolle hat.

SID

 

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