WM 2010 «Der Hai» Puyol: Wichtigstes Tor seiner Karriere

Wieder für Spanien am Ball: Puyol Foto: dpa

Durban (dpa) - Beim FC Barcelona genießt der Kämpfertyp längst Kult-Status. Mit seinem wuchtigen Kopfballtor im WM-Halbfinale gegen Deutschland hat sich Carles Puyol nun auch in der «selección» verewigt.

 

«'El tiburón' Puyol hat seinen Platz in der Geschichte des spanischen Fußballs sicher», würdigte das Fachblatt «Marca» den spektakulären Siegtreffer des knorrigen Abwehrrecken mit dem Spitznamen «der Hai». Das 1:0 war erst Puyols drittes Tor im 89. Länderspiel - aber sein mit Abstand wichtigstes.

Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero, ein großer Barça- Fan, schwärmte nach dem erstmaligen Endspieleinzug bei einer Fußball-Weltmeisterschaft über den Helden der magischen Nacht im Moses Mabhida Stadium von Durban: «Puyol ist ein ganz Großer. Was für ein Sprung, was für ein Kopfball!» Im Stil des einstigen Kopfball-«Ungeheuers» Horst Hrubesch torpedierte der nur 1,78 Meter große Puyol die Lederkugel unter die Latte.

Spaniens Medien überschlugen sich. Plötzlich stand einer der wenigen Fußball-Arbeiter im technisch versierten Star-Ensemble im Mittelpunkt. «Puyol, kolossal. Er erzielte nicht nur das Tor, sondern gewann auch alle Zweikämpfe. Über seinen Treffer werden noch kommende Generationen begeistert sprechen», versicherte die seriöse «El País». Und «Sport» urteilte: «Der Treffer 'Puyis' steht für die Werte des FC Barcelona und jene, die Spanien zum WM-Titel führen werden.»

Puyol verkörpert wie kein anderer in der Nationalmannschaft den unermüdlichen, unerbittlichen und unbeugsamen Rackerer und Ackerer. Diese Eigenschaften ebneten dem schon als Nachwuchskicker technisch limitierten Katalanen von seinem Heimatverein Pobla de Segur den Weg in Barças berühmte Jugendakademie La Masia. «Technisch hat er nicht viel drauf, aber ich habe noch nie jemand mit so einem Ehrgeiz gesehen», begründete der damalige Schulleiter Oriol Tort seine Entscheidung. «Barça braucht Spieler mit so viel Herz.»

Seit 15 Jahren spielt Puyol für den katalanischen Kult-Club. Von einem der am schlechtesten bezahlten Profis stieg er längst in die Liga der Großverdiener auf. Und obwohl der Verteidiger mit der zotteligen Wuschelfrisur bereits 32 Jahre alt ist, verlängerte der Verein den Vertrag mit ihm vor neun Monaten bis 2013.

«Er kämpft um jeden Zentimeter Boden und er brennt jede Minute», hatte der einstige Weltklasse-Verteidiger Jürgen Kohler den ihm in der Spielweise stark ähnelnden Puyol einmal gelobt. Dank dieser entschlossenen Einstellung und des absoluten Engagements schaffte Puyol bereits mit 22 Jahren den Sprung in die Nationalmannschaft trotz großer Konkurrenz. Dass er für die «selección» nicht nur als zuverlässiger Abräumer wichtig ist, bewies er nun eindrucksvoll.

«Nach allem, was er für die Nationalelf geleistet hat, hat Carles dieses Tor besonders verdient», sagte Linksverteidiger Joan Capdevila, während Puyol mit nassen Haaren und einem strahlenden Lächeln an den wartenden Journalisten vorbeiging: Obwohl er rund 90 Minuten zuvor Fußball-Geschichte geschrieben hatte, kommentierte er wie üblich die Partie nicht.

 

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